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Der Tourismus lahmt : Rhodos ohne Zukunft

Doch genau da mangelt es. Man müsste natürlich erst einmal Schwerpunkte setzen und dann ein Profil als Premiumprodukt entwickeln. Seit langer Zeit denkt aber niemand daran, dazu eine Entscheidung zu treffen. „Das Prinzip ‚Von allem ein wenig’ bringt kein Profil für die Zukunft und lässt die Insel auch in Zukunft in der Hand der Reiseveranstalter“, sagt Georgios Matsigkos, Vorsitzender der Vereinigung von Hotelmanagern und Geschäftsführer der Atrium-Hotels. Matsigkos predigt „Qualität“ für das Reiseziel Rhodos. Doch offenbar wollen nicht alle Veränderungen und strategische Entscheidungen. „Ein Bürgermeister kann doch nicht diktieren, wohin die Richtung geht, er soll sich um die Wasserversorgung und um die Straßen kümmern“, sagt Yiannis Kampouris, ein Statthalter der Reiseveranstalter. Wahrscheinlich gehören zu den Bremsern bei der Erneuerung auch Inhaber älterer Hotels, vielleicht auch der Präsident des Hotelierverbandes selbst. Er hat einen Hotelkasten mit Kongresszentrum aus den siebziger Jahren, und der würde noch älter wirken, wenn sich die Insel grundlegend erneuert.

Tourismus als große Entwicklungschance für Griechenland

Regionalgouverneur George Hatzimarkos, verantwortlich für fünfzig Inseln der Region „Südliche Ägäis“ sieht den Tourismus als große Entwicklungschance für Griechenland. Doch könne er sich nicht um die Strategie jeder einzelnen Insel kümmern, sagt Hatzimarkos. Er sucht Fördergelder in Brüssel und hofft dazu auch, dass die südliche Ägäis im Jahr 2019 die Rolle der „Europäischen Gastronomieregion“ erhalte. Bisher gebe es dort noch keinen einzigen Michelinstern, sagt Hatzimarkos. Von Begeisterung und Unterstützung der Hoteliers für solche einen strategischen Schwerpunkt ist allerdings wenig zu spüren.

In der Zeit der strategischen Orientierungslosigkeit haben manche trotzdem ihre Nische gefunden. Alexandros Passalis zum Beispiel, der in der Nähe des Flughafens das Hotel „Alex Beach“ für Familien mit Kindern und Surfer betreibt. Der Besuch mit den Kindern im angrenzenden Gemüsefeld gehört für ihn ebenso zum Programm wie die Verkostung von selbst hergestelltem Olivenöl mit den erwachsenen Gästen. Im Tui-Katalog bekommt er damit nicht nur gute Noten, sondern ein ganz außergewöhnliches Profil. Dagegen diversifizierte der ehemalige Bauunternehmer Dimitris Kalioudakis mit Erfolg ins luxuriöse Segment des Marktes und erntet dafür Anerkennung bei seinen Kollegen. In sein Hotel „Lindos Blu“ nimmt er keine Kinder auf, damit die erwachsenen Gäste nicht gestört werden.

Würde er weiter in den Tourismus von Rhodos investieren? „Nicht bei diesen Steuern“, sagt Kalioudakis. Der gelegentlich extrem links orientierten Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras traut ohnehin kein Investor. Was passieren kann, hat kürzlich der kommunistische und wirtschaftsfeindliche Kulturminister Aristidis Baltas vorgeführt. Obwohl Griechenland im wirtschaftlichen Stillstand Investitionen braucht, blockierte er auf Rhodos das bereits genehmigtes Projekt für „Afantou Beach“ mit sieben Hotels und einem Golfplatz, indem er die gesamte Gegend grundlos zu einer Stätte der Archäologie erklärte. Auch Kostas Konstantinidis würde gerne für seine Atrium-Gruppe ein luxuriöses Boutique-Hotel bauen, wartet aber erst einmal ab. „Rhodos ist wie ein hübsches Schiff“, sagt er, „auf dem es zwar keinen Kapitän gibt, kein Ziel für die Fahrt, aber Streit um das Menü des Bordrestaurants.“

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