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Der Tourismus lahmt : Rhodos ohne Zukunft

So geht der Reisemarkt mit Urlaubszielen um, die austauschbar sind. Die Griechen gestehen sich das nicht gerne ein, oder sie nehmen ihr Problem nicht einmal richtig wahr. Gerade Rhodos sah sich in der Vergangenheit zu Höherem berufen. Denn dort hatten von 1912 bis 1942 die Italiener als Kolonialherren regiert und für damalige Verhältnisse luxuriöse Hotels hinterlassen. Die gehörten während der fünfziger Jahre zu den wenigen Anlaufstationen, die Griechenland für Jet-Setter wie Giovanni Agnelli bieten konnte. Viele Rhodier sahen ihre Insel damals noch als einen „Maserati“ der Tourismusbranche, während heute mancher Reiseveranstalter die gleiche Insel mit Automarken wie „Opel“ oder „Ford“ vergleicht.

Für John Fotis aus Rhodos, der an englischen Universitäten Marketing lehrt, ist das Phänomen schnell erklärt: Rhodos werde wie viele Ziele in Griechenland doch nur mit „Sonne und Meer“ identifiziert. „,Sun and Sea’ ist ein einfaches Produkt und wir Griechen mögen es gerne einfach. Doch damit kann man am wenigsten Geld verdienen. Und wenn wir weiter in diesem Marktsegment bleiben, bin ich nicht optimistisch“, sagt Fotis. Im ökonomischen Produkt-Lebenszyklus der Reiseziele sei Rhodos schon ziemlich „reif“, eine diplomatische Umschreibung von „eher etwas älter“. So ein Ort könne nur noch wenig Zuwachs erzielen oder müsse sich eben neu erfinden.

Nicht nur Meer und Sonne

Eigentlich habe Rhodos auch viel mehr zu bieten als Meer und Sonne, sagt Kostas Konstantinidis, Eigner von drei Fünfsterne-Hotels unter dem Markenlogo „Atrium“ und stellvertretender Vorsitzender des nationalen griechischen Verbandes für die Tourismuswirtschaft Sete. Die Insel habe eine mittelalterliche Hauptstadt aus der Zeit der Kreuzritter, anerkannt als ein Teil des Weltkulturerbes. Zugleich ist die Insel groß genug, um mit Landwirtschaft und Weinbau authentische griechische Küche aus lokalen Zutaten zu bieten. Es gibt Archäologie, ein Tal mit Hunderttausenden von Schmetterlingen, Wandermöglichkeiten und Surferparadiese. Nur für Yachtbesitzer ist die Insel nicht so richtig vorbereitet.

Hotelier Konstantinidis, ein Perfektionist, der die morgendliche Internetlektüre bei Tripadvisor und Holidaycheck beginnt, und zugleich gelernter Architekt, der sich in den eigenen Hotelanlagen um jedes Detail kümmert, blickt selbst manchmal mit Abscheu auf die Bausünden, die über seine Insel verstreut sind. „Es gab hier keinen Entwicklungsplan“, sagt Konstantinidis. Die Insel spiegelt wieder, dass während der achtziger Jahre der damalige sozialistische und populistische Ministerpräsident Andreas Papandreou jedem einen Zuschuss versprach, der irgendwo auf einem Familiengrundstück ein Hotel bauen wollte. Entsprechend zersiedelt ist die Insel an manchen Stellen. Dazu passen dann auch die vielen halbfertigen Häuser in der Landschaft. Aus der Sicht von Konstantinidis ist die Insel, mit 120.000 Einwohnern, 1400 Quadratkilometern Fläche und 400 Kilometern Küste dennoch nur zu einem ganz kleinen Teil zugebaut und bietet noch genügend Möglichkeiten für die weitere Entwicklung.

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