https://www.faz.net/-gqu-7zta8

Schuldenkrise : Die Griechen holen Milliarden von den Banken

Ein Mann am Geldautomat der „Eurobank“. Bild: Picture-Alliance

Griechenland hebt sein Geld ab. Täglich fließen Hunderte Millionen Euro von den Konten. Das bringt in der Eurokrise noch eine zusätzliche Gefahr.

          Es ist kein richtiger Sturm auf die Banken, aber doch eine steife Brise - und wenn sie nicht aufhört, wird sie gefährlich. Aus Sorge vor einem Euro-Ausstieg und vor einem Wertverfall des Geldes holen die Griechen immer mehr Geld von ihren Konten.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Kundeneinlagen seien auf den niedrigsten Stand seit Beginn der Eurokrise gefallen, melden die Deutsche Presse-Agentur und die griechische Zeitung „Kathimerini“ unter Berufung auf griechische Banker. Jeden Tag würden die Griechen 200 bis 300 Millionen Euro abheben. Im Land kursieren sogar Gerüchte, nach denen die Abhebungen sich auf eine Milliarde Euro am Tag belaufen. Insgesamt summiert sich der Abfluss laut Kathimerini auf 20 Milliarden Euro seit November 2014.

          Für die Banken ist das gefährlich. Denn sie haben das Geld weiterverliehen, das ihre Kunden auf die Konten eingezahlt hatten. Wenn die Griechen zu viel Geld auf einmal abheben, können die Banken kippen. Würden die Banken dagegen kein Geld mehr auszahlen, entstünde erst die richtige Panik.

          In den vergangenen Wochen ist deshalb die Notenbank eingesprungen. Die Europäische Zentralbank hat immer neue Notkredite für die griechischen Banken genehmigt, zuletzt in der vergangenen Woche eine neue Ladung in Höhe von fünf Milliarden Euro. Jetzt sind insgesamt 65 Milliarden Euro an Notkrediten möglich.

          Zudem hat Griechenland auch neue automatische Kredite im Rahmen des Zahlungsverkehrs-Proramms „Target II“ erhalten, wie der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, vergangene Woche festgestellt hat. Es sei einer der schnellsten Anstiege seit Ausbruch der Finanz- und Eurokrise. Griechenlands Target-Forderungen belaufen sich jetzt auf weitere 50 Milliarden Euro.

          Nicht alles fließt ins Ausland

          Auf diese Weise bekommt Griechenland auf Nebenwegen weiteren Kredit. Zu den 315 Milliarden Euro offiziellen Staatsschulden kommen 115 Milliarden an Neben-Krediten - noch während die Staats- und Regierungschefs darüber streiten, ob Griechenland überhaupt neues Geld bekommen soll und zu welchen Bedingungen. Am Freitag gab es bisher nur eine symbolische Einigung. Es geht um die Reform-Kontrolleure von der „Troika“, die im Land besonders verhasst sind.

          Der griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat schon kurz nach der Wahl die Zusammenarbeit mit der Gruppe aufgekündigt. Am Freitag hat sich Ministerpräsident Alexis Tspiras mit den anderen Regierungschefs darauf verständigt, dass es keine „Troika“-Kontrollen in Griechenland mehr geben soll. Stattdessen finden die Kontrollen in Brüssel statt, und zwar mit Vertretern der Institutionen, die auch in der Troika vertreten waren: der Europäischen Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds. Die Gruppe heißt jetzt „die Institutionen“.

          Nicht alles von dem Geld, das die Griechen abheben, fließt ins Ausland. Rund die Hälfte davon hätten die Griechen bar zu Hause versteckt, schätzt „Kathimerini“. Zehn Milliarden Euro steckten in Tresoren oder unter ihren Matratzen. Diese Euro-Scheine würden selbst dann Euros bleiben, wenn Griechenland aus dem Euro ausstiege.

          Vom Rest sind laut der Zeitungsschätzung sechs Milliarden Euro in ausländische Wertpapiere geflossen. Nur vier Milliarden Euro hätten die Griechen auf Konten im Ausland verschoben. Die Banken hoffen: Wenn sich Griechenland und die Eurogruppe auf ein weiteres Vorgehen einigen, könnte viel von dem Geld wieder auf die Konten fließen. Die nächste Verhandlungsrunde steht am Montag an.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neues Terrain: Kramp-Karrenbauer posiert in Arbil mit kurdischen Peschmerga-Kämpferinnen für ein Erinnerungsfoto.

          AKK besucht die Bundeswehr : Zwischen Euphrat und Elbe

          Annegret Kramp-Karrenbauer will in aller Kürze die Bundeswehr kennenlernen. Doch dabei darf sie als CDU-Vorsitzende die Wahlkämpfe im Osten nicht aus dem Blick verlieren.
          So sieht sich 8Chan selbst: Twitterprofil der Plattform.

          Internetforum „8chan“ : Der Alpha und die Betas

          Vom Meme zum Massaker: Wie radikalisieren sich junge Männer in Internetforen wie „8chan“? Warum verehren sie Donald Trump? Und warum gibt es diese Plattformen überhaupt?

          Eintracht Frankfurt : Wie ein Achtelfinale

          Eintracht-Torhüter Kevin Trapp erwartet ein „großes“ Play-off-Hinspiel bei Racing Straßburg und misst ihm besondere Bedeutung bei. Rund um das Stadion gelten für die rund 1200 Anhänger besondere Auflagen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.