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Griechische Schuldenkrise : Tschüss Euro, Hallo Drachme

Was haben die Griechen künftig in den Taschen? 20 Drachmen der ehemaligen Währung des Landes und ein griechischer Euro Bild: dpa

Verlässt Griechenland den Euroraum? Durch die vorgezogenen Neuwahlen ist dieses Szenario wahrscheinlicher geworden. An den Finanzmärkten wird heftig spekuliert. Drei Unwägbarkeiten bleiben.

          Wird 2015 das historische Jahr, in dem das erste Land den Euro aufgibt? Lange war es ruhig um den „Grexit“ gewesen, ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Europäischen Währungsunion und dem Euro. Seit vergangener Woche aber wird in den Banken und bei Investoren an den Finanzmärkten wieder laut über diese Möglichkeit nachgedacht – und zwar durchaus ernsthaft. Bankvolkswirte, die sich keinesfalls als eurokritisch bezeichnen würden, geben dem Szenario eines „Grexit“ mittlerweile eine Eintrittswahrscheinlichkeit von immerhin 15 Prozent (Gertrud Traud, Helaba) bis 30 Prozent (Holger Schmieding, Bankhaus Berenberg).

          Christian Siedenbiedel

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Auch die Profianleger an den Finanzmärkten halten einen Austritt Griechenlands aus dem Euro für so wahrscheinlich wie lange nicht mehr. Der sogenannte „Euro Break-up Index“, für den monatlich rund 1000 Anleger und institutionelle Investoren befragt werden, ob nach ihrer Einschätzung innerhalb der nächsten zwölf Monate ein Land den Euro verlässt, hat den höchsten Stand seit Juli 2013 erreicht. Demnach rechnen 19,9 Prozent der Befragten für 2015 damit, dass mindestens ein Land die Währungsunion verlässt. Griechenland ist dabei aus Sicht der Investoren mit 18,7 Prozent der klare Favorit für ein Ausscheiden; die Werte für Spanien (0,7 Prozent) und Italien (4,2 Prozent) sind zuletzt nicht vergleichbar stark gestiegen. Mit einem Austritt Portugals (1,3 Prozent) rechnen sogar weniger Investoren als zuvor.

          Kaum Bereitschaft zu weiteren Zugeständnissen

          Das Szenario, über das gesprochen wird, sieht so aus: Wenn Griechenland am 25. Januar wählt, könnte es einen Regierungswechsel geben. Die bisherige Regierung unter Führung der konservativen Partei Neue Demokratie wird von Alexis Tsipras und seinem linken Parteienbündnis Syriza abgelöst. Es ist seit Monaten in allen Umfragen die stärkste politische Kraft im Land – wenn auch mit zuletzt schrumpfendem Vorsprung. Syriza hat angekündigt, im Fall eines Wahlsiegs die Vereinbarungen über den Sparkurs mit der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds aufzukündigen, stattdessen ein Wohlfahrtsprogramm aufzulegen und über einen Schuldenerlass zu verhandeln.

          Erfüllt die neue Regierung ihre Wahlversprechen und die europäischen Geldgeber bleiben im Gegenzug hart, dürften sie eigentlich keine weiteren Mittel an Griechenland mehr vergeben. Dann könnte die Situation eskalieren, so dass die EZB griechische Staatsanleihen nicht mehr als Sicherheiten für die Versorgung griechischer Banken mit Euro akzeptiert. Das könnte das Ende Griechenlands als Eurostaat bedeuten. Wäre das Land von der Geldversorgung abgeschnitten, bliebe ihm nicht viel anderes übrig, als auf die eine oder andere Weise eine eigene Währung einzuführen, die es selbst kontrollieren kann.

          „Das Risiko, dass Griechenland den Euro verlässt, ist durch die vorgezogenen Neuwahlen sicher gestiegen“, sagt Clemens Fuest, der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim und Berater des Bundesfinanzministers. Und weiter: „Ich halte die Bereitschaft der anderen Eurostaaten, Griechenland weitere Zugeständnisse zu machen, für gering.“

          Mit der Androhung der eigenen Insolvenz erpresst

          Drei Unwägbarkeiten bleiben. Erstens: Wird Syriza die Wahl überhaupt gewinnen, oder geht die Sache am Ende aus wie die Abstimmung der Schotten über ihre Unabhängigkeit, in der sich am Ende doch diejenigen durchsetzten, die alles beim Alten belassen wollten?

          Zweitens: Wenn Syriza die Wahl gewinnt, bleibt Tsipras dann bei seinen radikalen Forderungen, oder schwenkt er auf eine Realpolitik ein, die sich daran orientiert, was ohne Zerwürfnis mit den europäischen Geldgebern möglich ist?

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