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Griechenlands Schuldenkrise : Amerikas Angst vor dem Grexit

Regime-Change in Athen?

Dieser Absatz beschreibt einen wichtigen Teil der amerikanischen Sicht auf Griechenlands Krise. Griechenland ist Nato-Mitglied, ist ein Ankunftsland für Flüchtlinge (auch Terroristen?) aus Afrika oder dem Nahen Osten, die nach Europa kommen. Griechenland darf nicht im Chaos versinken – und Chaos ist es, was in Griechenland nach Ansicht vieler nicht nur amerikanischer Beobachter droht, wenn das Land unter den aktuellen Bedingungen einer hohen Arbeitslosigkeit und schwachen Wirtschaftsentwicklung auch noch eine neue Währung einführen würde.

Ganz zu schweigen von einer mehr oder weniger fragilen Linksregierung, die öffentlich mit Russland flirtet, deren Ministerpräsident die Abgeordneten im Parlament in Athen mit „Genossinnen und Genossen“ anspricht. Washington will aus strategischen Gründen und zugespitzt gesagt nicht, dass Griechenland Putins Brückenkopf nach Europa wird. Und der (politische) Brückenkopf Pekings soll es bitte auch nicht sein. Um Stabilität in Griechenland und einer Verankerung im Westen sollen sich darum die übrigen Euroländer und die Europäische Zentralbank kümmern - und wenn das Geld kostet, dann kostet es eben Geld.

Milliarden vom Steuerzahler

Wo das Thema in der amerikanischen Politik angesiedelt ist, zeigte sich im Kleine zum Beispiel auch daran, dass der Euro-Krisen-Experte Jacob Funk Kirkegaard vom Peterson Institute of Internationale Economics vor wenigen Tagen gerade vom Kongressausschuss für „National Security and International Trade and Finance“ eingeladen wurde, um die Risiken eines griechischen Zahlungsausfalls darzulegen (was er gesagt hat, gibt es hier nachzulesen). Unlängst brachte er darüber hinaus einmal die Idee ins Spiel, die Gläubiger könnten versuchen, in Griechenland einen Machtwechsel anzustreben nachdem sich herausgestellt habe, dass Regierungschef Tsipras nicht ein gemäßigter, nach einem Kompromiss suchender Vertreter seiner Partei sei, sondern offenbar eher zu den Hardlinern gerechnet werden müsse. „Regime Change“ heißt das im amerikanischen Sprachgebrauch und ist in der Geschichte des Landes ohnehin kein verpöntes Politik-Mittel.

Die Vereinigten Staaten sind aber nicht nur aus strategischen Motiven interessiert daran, dass Griechenland in der Währungsunion bleibt und die Gläubiger das Land weiter unterstützen. Nach dem Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers, der sich daraufhin verschärfenden Finanzkrise, die das Land nun gerade hinter sich zu lassen scheint, will Washington keinen weiteren „Schock“. Und sicher, ob eine Pleite Griechenlands und ein vielleicht folgender Austritt des Landes aus dem Euro wirklich keine wirtschaftlichen Ansteckungseffekte hätte, sind sich die Experten eben doch nicht vollends. Daneben hat über die Kredite des Internationalen Währungsfonds natürlich auch der amerikanische Steuerzahler Kredit an Athen gegeben - derzeit dürften gut 6 Milliarden Dollar im Feuer stehen, wenn Griechenland nicht zurückzahlt.

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