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Griechenland : Mutter von Ministerin hebt 200.000 Euro ab

  • Aktualisiert am

Nadja Valavani, die ehemalige Vize-Finanzministerin. Bild: AFP

Kurz bevor die griechische Regierung Kapitalkontrollen erließ, räumte die Mutter der stellvertretenden Finanzministerin ihr Konto leer. Griechenland diskutiert: Zufall oder nicht?

          Schon seit einigen Tagen ist das Gerücht in Griechenland unterwegs – jetzt ist es bestätigt: Kurz bevor die Regierung Kapitalkontrollen einführte und die Banken schloss, hat die Mutter der Vize-Finanzministerin ihr Konto leergeräumt und rund 200.000 Euro abgehoben. „Es ist das Ersparte meines Lebens ... Ich hatte Angst und habe es nach Hause genommen“, sagte Aliki Valavani der griechischen Boulevardzeitung „Proto Thema“.

          Als die Kapitalkontrollen eingeführt wurden, war die Tochter der 85-jährigen, Nadja Valavani, stellvertretende Finanzministerin des Landes. Darum hatte es in Griechenland in den vergangenen Tagen darüber Diskussionen gegeben, ob die Ministerin ihre Mutter vor den Kapitalkontrollen gewarnt hatte.

          Bankfeiertage, Kapitalverkehrskontrollen und Abhebe-Beschränkungen hatte die griechische Regierung eingeführt, nachdem Ministerpräsident Alexis Tsipras eine Volksabstimmung über die Reformauflagen der Gläubiger angekündigt hatte. Die Regierung hatte Angst, dass die Menschen die Banken stürmen und mehr Geld abheben, als die Geldinstitute gerade flüssig haben – das hätte die Banken in die Knie gezwungen.

          Tochter schon zurückgetreten

          Schon in den Tagen zuvor allerdings hatten viele Griechen ihre Konten leergeräumt und insgesamt Milliardenbeträge abgehoben, über Kapitalverkehrskontrollen wurde auch zuvor diskutiert. Aliki Valavani sagte „Proto Thema“, sie habe das Geld kurz vor der Referendums-Ankündigung abgehoben und es nicht ins Ausland, sondern nur in Sicherheit bringen wollen.

          Ob Nadja Valavani zu jenem Zeitpunkt überhaupt schon vom Referendum wusste, ist bisher unklar. Mit der Ankündigung hatte Alexis Tsipras selbst die Unterhändler überrascht, die abends in Brüssel über die Reformvorschläge verhandelten. Allerdings soll Valavanis Chef, der damalige Finanzminister Giannis Varoufakis, zu den Befürwortern des Referendums gehört haben.

          Nadja Valavani selbst ist schon am Mittwoch zurückgetreten, kurz bevor die Diskussion über die Abhebungen ihrer Mutter begannen. Offiziell trat sie aus Protest gegen das Sparprogramm zurück. Varoufakis war da schon zehn Tage nicht mehr im Amt.

          Warren Buffett kauft Insel

          Am Sonntag wurde ferner bekannt, dass der amerikanische Milliardär Warren Buffett eine griechische Insel gekauft hat. Gemeinsam mit dem italienischen Millionär Alessandro Proto habe er am Donnerstag 15 Millionen Euro für die Insel Agios Thomas gezahlt, berichtet „Proto Thema“. Das Eiland liegt im Saronischen Golf vor Athen und ist mit dem Boot in 45 Minuten zu erreichen, von Korinth aus in 20 Minuten. Die beiden wollten auf der Insel investieren, um der Region bei der Entwicklung zu helfen, schreibt die Zeitung. Warren Buffett glaube daran, dass Griechenland gerade günstige Investitionsgelegenheiten bietet.

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