https://www.faz.net/-gqu-81ojf

Vor Moskau-Besuch : Tsipras stellt sich gegen Russland-Sanktionen

  • Aktualisiert am

Alexis Tsipras – hier bei einem Treffen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel. Bild: AFP

Auf der Suche nach Geldgebern umgarnt Griechenlands Ministerpräsident jetzt Russland. Er will einen „Neuanfang in den Beziehungen“ – und beschwert sich über die Sanktionen des Westens.

          Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras hat sich gegen die Sanktionen der westlichen Staaten gegen Russland ausgesprochen. Sie seien eine „Straße ins Nichts“, sagte Tsipras in einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur Tass.

          Griechenland steht kurz davor, seine Rechnungen nicht mehr bezahlen zu können. Seit Wochen klaubt sich die Regierung Geld aus immer neuen Kassen zusammen – der Rentenversicherung, der Krankenversicherung und sogar der Athener U-Bahn. Als nächstes gefährliches Datum gilt der 9. April, wenn das Land mehr als 400 Millionen Euro an den Internationalen Währungsfonds zurückzahlen muss. Griechenlands Kreditgeber aus Europa und dem Internationalen Währungsfonds wollen der neuen Regierung erst dann mehr Geld leihen, wenn sie sich zu Reformen bereiterklärt. Die bisherigen Vorschläge aus Griechenland sind den Kreditgebern aber zu unkonkret.

          „Sinnlose Sanktionspolitik“

          Jetzt umgarnt Griechenland Russland in der Hoffnung auf wirtschaftliche Erleichterungen. Derzeit ist Griechenlands Energieminister Panagiotis Lafazanis zu Gesprächen in Russland, in denen es um Entgegenkommen in Sachen Energierechnung geht. Am 8. April will Ministerpräsident Alexis Tsipras nach Moskau reisen.

          Derzeit hat Moskau als Reaktion auf die Sanktionen alle Einfuhren westlicher Lebensmittel blockiert. In dem Interview warb Tsipras dafür, dass Russland griechische Lebensmittel ins Land lässt.

          „Sie wissen, dass in den vergangenen Jahren das Verhältnis unserer Länder verschlechtert wurde, weil frühere Regierungen meines Landes nicht alles getan haben, um diese sinnlose Sanktionspolitik zu verhindern“, wird Tsipras zitiert. Tsipras hält sich in dem Interview einen Widerspruch gegen Russland-Sanktionen der EU kurz nach seiner Wahl zugute.

          Sein Besuch sei eine „Gelegenheit für einen wahren Neuanfang in den russisch-griechischen Beziehungen, die sehr tiefe geschichtliche Wurzeln haben“, sagte Tsipras laut Tass. Tatsächlich haben die beiden Länder kulturelle Gemeinsamkeiten, zum Beispiel in ihren orthodoxen Varianten des Christentums.

          Die Nachrichtenagentur zitiert Tsipras mit den Worten: „Wir sollten sehen, wie unsere Nationen und Länder in vielen Bereichen zusammenarbeiten können, zum Beispiel in Wirtschaft, Energie, Handel und Landwirtschaft.“ Als Mitglied der Europäischen Union könne Griechenland eine Brücke zwischen dem Westen und Russland sein.

          Weitere Themen

          Rätseln um den Ärztemangel

          Umfrage der Kassenärzte : Rätseln um den Ärztemangel

          Gibt es tatsächlich immer weniger Ärzte? Oder ändert sich nur die Art der Versorgung? Ist die Anspruchshaltung der Patienten überzogen? Die Ergebnisse einer Befragung irritieren.

          Zukunft von Italiens Regierung weiter in der Schwebe Video-Seite öffnen

          Nach Misstrauensantrag : Zukunft von Italiens Regierung weiter in der Schwebe

          Italien harrt weiter einer Lösung für die Regierungskrise. Die Fraktionschefs des Senats konnten sich nicht auf einen Zeitplan über das weitere Vorgehen nach dem Misstrauensantrag gegen Ministerpräsident Guiseppe Conte einigen. Nun soll der komplette Senat über einen Termin für ein mögliches Misstrauensvotum entscheiden.

          Topmeldungen

          Thomas Middelhoff beim Gespräch über sein neues Buch „Schuldig“ in Hamburg

          Middelhoff im Gespräch : „Es war die Gier nach Anerkennung“

          Thomas Middelhoff war Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann und galt als „Wunderkind“ der Wirtschaft. Dann kam der Absturz: Steuerhinterziehung, Haft, Privatinsolvenz. Jetzt bekennt sich der gestürzte Manager: „Schuldig“
          Die jährliche Befragung von 6000 Bürgern ergibt irritierende Ergebnisse zum Thema Ärztemangel.

          Umfrage der Kassenärzte : Rätseln um den Ärztemangel

          Gibt es tatsächlich immer weniger Ärzte? Oder ändert sich nur die Art der Versorgung? Ist die Anspruchshaltung der Patienten überzogen? Die Ergebnisse einer Befragung irritieren.
          Demonstranten und Anwohner vor einer Polizeistation am Mittwochabend

          Plötzliche Disruption : „Ihr habt keine Heimat!“

          Nie waren sich Hongkonger und Festlandchinesen ferner als in diesen Tagen. Schon deshalb ist mit Unterstützung nicht zu rechnen. Chronik einer Eskalation
          Das durch den Abbau von jährlich rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle entstandene „Hambacher Loch“.

          Gigantischer Stromspeicher : Die Wasserbatterie im Hambacher Loch

          Was ein visionärer Plan: Ein gigantischer Stromspeicher für überschüssigen Wind- und Solarstrom soll im „Hambacher Loch“ entstehen. Die Technik dürfte Kennern bekannt vorkommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.