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Griechischer Regierungschef : Tsipras: Schäuble soll andere bemitleiden

  • Aktualisiert am

Alexis Tsipras Bild: Reuters

Die Griechen täten ihm leid, hatte Schäuble am Montag im Radio gesagt. Nun entgegnet ihm der neue griechische Regierungschef: Schäuble solle lieber „Völker bemitleiden, die mit hängendem Kopf gehen“.

          Der griechische Regierungschef Alexis Tsipras hat mit scharfen Worten auf Äußerungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) reagiert. Schäuble habe seine Selbstbeherrschung verloren und sich abwertend über das griechische Volk geäußert, sagte Tsipras am Dienstag in Athen. Er schätze den deutschen Minister und wolle ihm freundschaftlich sagen: „Es wäre besser, er würde Völker bemitleiden, die mit hängendem Kopf gehen.“

          Schäuble hatte am Vortag im Rundfunk gesagt, die Griechen täten ihm leid. Sie hätten eine Regierung gewählt, die sich im Augenblick ziemlich unverantwortlich verhalte.

          Tsipras erklärte weiter, sein Land drohe niemandem, lasse sich aber nicht erpressen. Niemand könne mit Griechenland reden, als wäre es eine Kolonie, sagte der Chef des Linksbündnisses Syriza auf einer im Fernsehen übertragenen Sitzung der Parlamentsfraktion.

          Es gebe in der EU bestimmte Kreise, die die griechische Regierung untergraben und die Zukunft Europas aufs Spiel setzen wollten. Nach Tsipras Worten war vor dem am Montag schließlich geplatzten Eurogruppen-Treffen zunächst ein für Griechenland akzeptables Kompromisspapier vorgelegt worden. Kurz vor Beginn des Treffens habe Eurogruppenchef Jeroen Dijsselbloem den Vorschlag aber zurückgezogen und durch ein eigenes Papier ersetzt. Letzteres habe die Verhandlungen auf den Stand von  Mittwoch vergangener Woche zurückgeworfen. 

          Tsipras betonte, seine Regierung werde die Verhandlungen fortsetzen, solange es nötig sei: „Jede neue Geburt hat ihre Schwierigkeiten.“

          Schäuble: „Am 28., 24.00 Uhr, is over“

          Schäuble hat derweil von Griechenland abermals Bewegung im Schuldenstreit gefordert. „Wir sind leider nicht so richtig weitergekommen“, sagte Schäuble zunächst, nach einem Treffen der EU-Finanzminister am Dienstag in Brüssel. Die entscheidende Frage sei, was die griechische Regierung wolle. Die Zweifel der Euro-Partner seien gewachsen.

          Mit Blick auf das Ende des Programms Ende Februar sagte Schäuble: „Am 28., 24.00 Uhr, is over.“ Wenn es nicht ordnungsgemäß beendet werde, trete eine schwierige Situation ein: „Was dann der Fall sein wird, darüber zu spekulieren, macht keinen Sinn.“

          Eine Verlängerung des Hilfsprogramms mache nur Sinn, wenn Athen die Absicht habe, dieses auch zu erfüllen, sagte Schäuble. Griechenland müsse klare, belastbare und glaubwürdige Verpflichtungen abgeben, in einem bestimmten Zeitraum das bestehende Programm abzuschließen. „Wenn dies nicht die Absicht ist, ist die Diskussion ohne klare Grundlage.“

          Bislang lehnte die neue griechische Regierung eine von der Euro-Gruppe favorisierte Verlängerung des Ende Februar auslaufenden Hilfsprogramms der Europäer strikt ab. Dementgegen will Athen Medienberichten vom Dienstag zufolge am Mittwoch einen Antrag für die Verlängerung des aktuellen Sparprogramms bei der Eurogruppe beantragen. Das berichtete eine Athener Zeitung unter Berufung auf Regierungskreise.

          Athen macht das Programm der Euro-Partner und des Internationalen Währungsfonds (IWF) für die Misere in Griechenland verantwortlich. Zugleich pocht Athen auf weitere Kredithilfen - bei Zusage weniger harter Auflagen.

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