https://www.faz.net/-gqu-80t7g

Griechischer Staatsminister : „Wir brauchen jeden Euro“

  • Aktualisiert am

Jeder Euro zählt: Viele Griechen heben ihr Erspartes vom Konto ab, wie dieser Mann in Athen. Bild: Reuters

Aus Sorge um ihr Erspartes haben viele Griechen ihr Geld von den Bankkonten abgehoben. In einem dramatischen Appell fordert der griechische Staatsminister Flambouraris sie nun auf, es aus dem Ausland zurückzuholen.

          Der griechische Staatsminister Alekos Flambouraris hat am Dienstag einen dramatischen Appell an alle Griechen gerichtet, ihr Geld aus dem Ausland zurückzubringen. „Wir sind in einem Existenzkampf und wir brauchen jeden einzelnen Euro“, sagte der Staatsminister am Dienstag im griechischen Rundfunk. Deshalb müssten alle Griechen ihre Gelder sofort zurückbringen.

          Während Eurogruppe und Griechenland seit Wochen darum ringen, eine Zahlungsunfähigkeit des Landes zu verhindern, habe zahlreiche Griechen und Anleger längst ihre Konsequenzen aus der prekären Lage gezogen und ihr Geld ins Ausland gebracht. Ein Indikator dafür sind die Target-Salden: Demnach sind allein im Januar 27 Milliarden Euro ins Ausland abgeflossen, die Kapitalflucht hat sich damit noch einmal stark beschleunigt. Die Target-Kredite des Landes stiegen damit bis Ende Januar auf 76 Milliarden Euro. Die Verbindlichkeiten Griechenlands nähern sich somit nach und nach den Rekorden aus dem Jahr 2012.

          Griechen heben ihr Erspartes von den Bankkonten ab

          Das Volumen der Target-Kredite hat sich in den vergangenen Jahren als ein Gradmesser für die Krise erwiesen. Je höher das Volumen, desto schlechter steht es um die Stabilität in der Währungsunion. Target bezeichnet das System, mit dem im Euroraum die Zahlungen zwischen den Zentralbanken abgewickelt werden. Die Verbindlichkeiten eines Landes, zum Beispiel Griechenlands, steigen, wenn griechische Bankkunden im großen Stil Geld ins Ausland überweisen. Die Banken refinanzieren sich in diesem Fall bei der Zentralbank. In Ländern wie Deutschland, in denen die Anleger Zuflucht suchen, entstehen Forderungen im Target-System.

          Experten wie der Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sehen im Target-System eine große finanzielle Gefahr für Deutschland. Denn sollte Griechenland aus dem Euro ausscheiden, müsste auch die Bundesbank für die vakanten Verbindlichkeiten geradestehen.

          Andere Schätzungen gehen von etwas geringeren Kapitalabflüssen aus. Die griechische Finanzpresse berichtete, die Griechen hätten in den vergangenen drei Monaten aus Sorge um ihr Erspartes mehr als 22 Milliarden Euro von ihren Bankkonten abgehoben. Die Geldeinlagen seien auf etwa 150 Milliarden Euro gefallen - das sei der niedrigste Stand seit mehr als zehn Jahren.

          Athens Forderungen nach schnellen zusätzlichen Krediten hatten mehrere Finanzminister nach dem Eurogruppentreffen am Montag zurückgewiesen. Von diesem Mittwoch an will Griechenland aber wieder mit Vertretern der Geldgeber verhandeln. Die frühere Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und Internationalem Währungsfonds wird aus Rücksicht  auf Griechenland seit Neuestem „Institutionen“ genannt. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) benutzte am Montagabend dennoch das Wort „Troika“. Er forderte Athen vor dem Treffen am Mittwoch auf, „einseitige Veränderungen“ zu unterlassen, die nicht „mit der Troika“ abgestimmt sind.

          Weitere Themen

          Alles auf Wiederaufbau Video-Seite öffnen

          Ölkonzern in Saudi-Arabien : Alles auf Wiederaufbau

          Der Ölkonzern Saudi Aramco will die Produktion in Churais nach den Drohnenangriffen bis Monatsende wieder voll aufnehmen. Rund um die Uhr arbeiten Mitarbeiter am Wiederaufbau.

          Topmeldungen

          Klimapolitik : Der Offenbarungseid der Merkel-Ära

          Der Klimaschutz in Deutschland muss nicht nur das Klima retten. Die Koalition denkt auch an sich. Zwischen Protestkultur von links und rechts sucht sie den Mittelweg.
          Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses, Adam Schiff von der Demokratischen Partei, am Donnerstag im Kongress

          Whistleblower belastet Trump : Die Spur führt nach Kiew

          Ein Mitarbeiter des Geheimdienstes macht Donald Trump schwere Vorwürfe. Dessen Regierung versuchte, die Informationen des Whistleblowers zu unterdrücken.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.