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Abgeschrieben : Griechenland - nicht systemrelevant

  • -Aktualisiert am

Die Märkte mögen die Griechenlandkrise nicht. Aber Angst macht sie ihnen auch nicht. Das Thema ist durch.

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          Griechenland ist nicht der Nabel der Welt. Die globalen Finanzmärkte nehmen den mit großem Knall inszenierten Auszug der Griechen aus Brüssel mit einem Schulterzucken hin. Weder gerät der Euro ins Taumeln, noch gibt es sonst panische Reaktionen. Das passt zwar nicht zum Selbstverständnis der griechischen Regierung, zeigt aber, wie gering ihr Drohpotential war und ist. Das Thema Ansteckungsgefahr haben die Märkte zu den Akten gelegt.

          Vom ersten Tag an hatte die Regierung Tsipras darauf gesetzt, die anderen Krisenländer an ihre Seite zu bekommen. Doch während die Griechen die ihnen von der verhassten Troika gekaufte Zeit nicht genutzt haben, um sich besser für die Zukunft zu rüsten, haben andere Länder Reformen beherzt umgesetzt, und auch die Banken dort haben sich solider aufgestellt. Griechenland steht damit allein da und ist nicht mehr systemrelevant.

          Die Welt von heute ist nicht mehr die von vor fünf Jahren. Nirgendwo wurde dies am Montag deutlicher als auf den Anleihemärkten. Um gerade einmal 20 Basispunkte stiegen die Renditen von Staatsanleihen aus Italien und Spanien, um 30 die von Portugal. Das ist nichts, was den langfristigen Kursverlauf auch nur ansatzweise prägen wird. Der Euro hat zum Dollar am Ende nicht an Wert eingebüßt. An den Märkten herrscht ohnehin schon länger die Meinung vor, dass ein Austritt Griechenlands die Gemeinschaftswährung eher stärken als schwächen würde.

          Ein Dax-Minus von mehr als drei Prozent ist zwar eindeutig eine negative Marktreaktion. Börsianer mögen keine Ungewissheit, von der es rund um Griechenland noch mehr gibt, als den meisten lieb ist. Doch die Kursreaktion hat nicht den leisesten Hauch von Panik. Kein Marktteilnehmer hat mehr in der Illusion gelebt, dass Griechenland seine Verbindlichkeiten vollständig wird bedienen können. Die meisten Banken dürften ihre Positionen ohnehin schon verkauft oder abgeschrieben haben.

          Schwerer werden sich die Finanzminister tun, die ihren Steuerzahlern irgendwann reinen Wein einschenken müssen, da sie die Kredite nun wohl doch nicht bis in alle Ewigkeit verlängern können. Doch auch das wird verkraftbar sein, solange nicht weitere umfangreiche Hilfszusagen nachgereicht werden müssen. Und dass Griechenland volkswirtschaftlich kaum relevant ist, muss wohl nicht nochmals betont werden. An den Märkten wird dazu gerne der Vergleich mit dem chinesischen Wirtschaftswachstum herangezogen. Demnach wächst China jeden Monat um die volkswirtschaftliche Größe Griechenlands.

          Daniel Mohr

          Redakteur in der Wirtschaft der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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