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Griechenland und Portugal herabgestuft : Die Schuldenkrise verschärft sich

Es wird eng: Straßenbahn in Lissabon Bild: AP

Die Ratingagentur Standard & Poor's stuft die Kreditwürdigkeit Griechenlands und Portugals abermals herab. Kredite für beide Länder werden nun noch teurer. Die Börsen gaben weltweit nach.

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          Auf dem Anleihemarkt hat sich am Dienstag die Sorge erheblich vergrößert, dass nicht nur Griechenland eine Umschuldung benötigt. Am Nachmittag stufte die Rating-Agentur Standard & Poors (S&P) die Kreditwürdigkeit Griechenlands und Portugals herab.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.
          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Das Rating für griechische Anleihen sank um 3 Stufen auf „BB+“, womit die Papiere offiziell als Ramsch bezeichnet werden können. S&P erwartet, dass im Falle einer Insolvenz Besitzer griechischer Anleihen die Hälfte ihres Geldes verlieren werden. Die Note „BB+“ wurde mit negativem Ausblick versehen. Das heißt, S&P hält eine weitere Abstufung für denkbar. Zeitgleich senkte die Agentur die Bewertung portugiesischer Staatsanleihen um zwei Stufen auf „A–“ mit ebenfalls negativem Ausblick.

          Verluste 30 bis 50 Prozent

          An den Märkten verschärfte sich darauf hin der Verkaufsdruck für griechische und portugiesische Titel Anleihen stark. Die Rendite zweijähriger griechischer Anleihen stieg um 417 Basispunkte auf 18,11 Prozent, den höchsten Wert seit mindestens zwölf Jahren. Der Kurs lag damit bei rund 80 Prozent.

          Bild: F.A.Z.

          Willem Buiter, der Chefvolkswirt der Citigroup, äußerte, die Investoren in griechischen Anleihen müssten „sehr wahrscheinlich“ längeren Laufzeiten zustimmen, um den Zahlungsausfall abzuwenden. Dadurch droht ihnen seiner Ansicht nach ein Wertverlust aus diesen Engagements von „im schlimmsten Fall bis zu 30 Prozent“.

          Portugiesische Regierung will weiter sparen

          Portugiesische Anleihen gleicher Laufzeit rentierten um 1,08 Prozentpunkte höher mit 5,03 Prozent. Damit hat Portugal mit seinen Finanzierungskonditionen das Niveau erreicht, auf dem Griechenland noch Ende März stand und müsste bei der Emission neuer Anleihen derzeit im Vergleich zu deutschen Anleihen den höchsten Zinsaufschlag seit mindestens 1997 bieten.

          Die portugiesische Regierung rief die Politik des Landes zur Einigkeit auf und versprach, sie werde alle notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Neuverschuldung auf ein erträgliches Maß zu senken. „Wir ignorieren die Ansteckungsgefahr nicht, wir bekommen sie zu spüren“, sagte Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos.

          Irland gibt sich gelassen

          Auch für Irland verschlechterten sich die Bedingungen. Die Rendite zweijähriger Titel stieg um 0,6 Punkte auf 3,5 Prozent. Irlands Schuldenmanager John Corrigan gab sich betont gelassen. Sein Land könne die Auswirkungen der griechischen Schuldenkrise auf die Finanzmärkte leicht aushalten.

          Die Wertentwicklung irischer Anleihen sei etwas enttäuschend, aber „ich würde mich nicht übermäßig beunruhigen lassen“, sagte er in einem Fernsehinterview. Auch an den Aktienmärkten machte sich die Rating-Herabstufung bemerkbar: Der deutsche Leitindex Dax verlor 2,7 Prozent auf 6160 Punkte. Die Rendite von Bundesanleihen mit zwei Jahren Laufzeit betrug am Abend 0,8 Prozent. Der Euro büßte 0,8 Prozent auf 1,3242 Dollar ein.

          Deutsche Bank glaubt an Panik

          „Was wir gerade in den Kursen und Renditen sehen, ist Panik“, sagt Asoka Wöhrmann, Anleihefachmann und Geschäftsführer bei der Fondsgesellschaft DWS, die selbst griechische Staatsanleihen hält. „Griechenland ist kein freistehendes Haus, was gerade brennt, sondern eine Wohnung in einem Wohnblock.“ Dieses Feuer müsse deswegen im Interesse aller Beteiligten gelöscht werden.

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