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Griechenland-Krise : Ratingagentur stuft Griechenlands Kreditwürdigkeit herab

  • Aktualisiert am

Griechenland steht vor der Pleite, wenn keine Lösung gefunden wird Bild: REUTERS

Die Finanzminister des Euroraums wollen am Dienstag über die Rettung Griechenlands beraten. Unterdessen hat die Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des Landes abermals herabgestuft. Damit ist keine andere Nation so schlecht bewertet wie Griechenland.

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          Die Ratingagentur Standard & Poor's hat die Kreditwürdigkeit Griechenlands am Montag weiter herabgestuft. Die Bewertung wurde um drei Stufen von B auf CCC gesenkt, wie die Agentur in einer Erklärung mitteilte. Derzeit wird in der EU über ein weiteres milliardenschweres Hilfspaket für Griechenland debattiert, um den Staatsbankrott des Landes noch zu verhindern.

          Die Finanzminister des Eurogebiets wollen an diesem Dienstag bei einem Krisentreffen über die Rettung Griechenlands beraten. Wie Diplomaten am Pfingstmontag in Brüssel berichteten, planen die obersten Kassenhüter eine gemeinsame Erklärung, in der sie ihre Unterstützung für den Schuldensünder bekräftigen wollen. Es soll demnach alles getan werden, um die Stabilität des gemeinsamen Währungsgebiets zu sichern. Umstritten bei einem neuen Rettungspaket für Athen ist die Einbindung von privaten Gläubigern wie Banken und Versicherungen.

          Der griechische Premier Giorgos Papandreou wehrt gegen den vor allem von Deutschland vertretenen Plan, Banken und Versicherungen bei der Rettung des Krisenlandes in die Pflicht zu nehmen. Der griechische Ministerpräsident Papandreou sagte zu einer Beteiligung privater Gläubiger, die Idee sei zwar „in der Theorie richtig“. Sie habe aber bislang das Gegenteil bewirkt, die Märkte seien nervöser geworden, sagte Papandreou der Athener Sonntagszeitung „To Vima“. Er plädierte für eine Steuer auf Finanztransaktionen sowie für die Ausgabe von Euro-Anleihen (Eurobonds). Wegen der harten Sparmaßnahmen brach die regierende sozialistische Partei Papandreous nach einer Umfrage in der Gunst der Wähler ein.

          Bundesbankpräsident Jens Weidmann hält eine
Staatspleite Griechenlands für möglich, erachtet dies aber nicht als „sinnvoll”

          Bundesbankpräsident schließt Staatspleite Griechenlands nicht aus

          Bundesbankpräsident Jens Weidmann hält eine Staatspleite Griechenlands für möglich, falls die Regierung die Vorgaben des Internationalen Währungsfonds (IWF), der EU-Kommission und der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht einhält. „Werden die eingegangenen Verpflichtungen nicht erfüllt, entfällt die Basis für weitere Mittel aus dem Hilfsprogramm“, sagte Weidmann der „Welt am Sonntag“. Die Zahlungsfähigkeit Griechenlands hänge vor allem von der Haltung der griechischen Regierung und Bevölkerung ab. „Griechenland hätte dann diese Entscheidung getroffen und müsste die sicherlich dramatischen wirtschaftlichen Konsequenzen eines Zahlungsausfalls tragen“, sagte der Notenbankchef.

          Weidmann fügte allerdings hinzu, dass er einen solchen Verlauf der Schuldenkrise „nicht für sinnvoll“ hielte und sich daraus auch für die Partnerländer im Euroraum eine schwierige Situation ergäbe. „Es werden umfangreiche Hilfen gegeben, aber gegen strikte Auflagen, zu denen auch umfangreiche und rasche Privatisierungen gehören.“

          Weidmann bevorzugt freiwillige Lösung mit privaten Gläubigern

          Gleichzeitig äußerte Weidmann Zweifel an der Umsetzbarkeit und Wirkung einer Beteiligung privater Gläubiger an den Kosten der Griechenland-Krise. An dem Grundgedanken sei nichts falsch, sagte er weiter. „Im Gegenteil, es wäre sinnvoll, weil so die Gläubiger mit in die Verantwortung für ihre Anlageentscheidungen genommen werden, und es entlastet die Steuerzahler.“ Es gehe aber um die Umsetzung. „Eine erzwungene Laufzeitverlängerung birgt in der konkreten Situation mehr Risiken als Chancen.“ Vor allem störten die Folgen für die Notenbanken. „Ein vermutlich vergleichsweise kleiner Beitrag der Privaten würde mit Ansteckungsgefahren und einer höheren Risikoübernahme der Notenbanken erkauft. Dagegen wehren wir uns“, sagte Weidmann.

          Eine rein freiwillige Lösung würde er begrüßen, sagte Weidmann. Die Gläubiger sollten ein Interesse an einer Stabilisierung haben und bereit sein, einen eigenen Beitrag zu leisten. „Allerdings sollten wir die Erwartungen auch deshalb nicht zu hoch setzen, da schon jetzt nicht mehr so viele Papiere von privaten Gläubigern außerhalb Griechenlands gehalten werden.“ Alles andere als eine rein freiwillige Lösung würde wohl als Kreditereignis gewertet. Dann würden die Anleihen durch die
          Rating-Agenturen als Ausfall bewertet. Damit könnten aber die Investoren das Vertrauen auch in andere angeschlagene Euro-Länder verlieren, und die Krise würde sich weiter ausbreiten.

          Kanzlerin warnt vor „unkontrolliertem Bankrott“

          Davor warnte auch die Kanzlerin. Weder dürfe Deutschland „einen unkontrollierten Bankrott eines Landes zulassen“, noch etwas tun, was den Aufschwung weltweit insgesamt in Gefahr bringe, sagte Merkel in ihrer wöchentlichen Video-Botschaft. Der Bankrott von Lehman habe in Deutschland 2009 zu einem Wirtschaftseinbruch von fast fünf Prozent geführt. „So etwas muss unbedingt verhindert werden.“

          Wie Finanzminister Wolfgang Schäuble plädierte am Wochenende auch Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker erneut für eine Beteiligung privater Gläubiger. Im Gespräch ist, dass die Banken freiwillig einer Verlängerung der Laufzeit griechischer Anleihen zustimmen. Sie bekämen ihr Geld später, zu unveränderten Zinskonditionen zurück. Das Euro-Land bekäme so einen Zahlungsaufschub und wäre nicht gezwungen, sich an den Finanzmärkten um Geld zu bemühen. Hinter dem Schäuble-Modell stehen laut Diplomaten unter anderen auch die Niederlande und Finnland.

          Griechenland steht vor der Staatspleite, wenn keine Lösung für das hoch verschuldete Land gefunden wird. Bis 2014 muss Griechenland Staatsanleihen im Wert von 80 bis 90 Milliarden Euro an seine Geldgeber zurückzahlen. Rund ein Drittel stehen Banken, Fonds, Versicherungen und anderen privaten Geldgebern zu, der Rest öffentlichen Gläubigern wie der EZB. Athen hatte bereits vor gut einem Jahr ein Paket von Europäern und dem IWF von 110 Milliarden Euro erhalten. Die nächste Tranche von 12 Milliarden Euro ist im Juli fällig - Athen braucht sie dringend, freigegeben ist sie noch nicht. Zudem geht es um ein neues Hilfspaket. Zuletzt war die Rede von einem Finanzbedarf in Höhe von 90 bis 120 Milliarden Euro, je nach Dauer und Einbindung der Gläubiger und möglicher Privatisierungserlöse.

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