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Griechenland-Hilfen : Deutschland muss am meisten beisteuern

Bild: F.A.Z.

Da die Euro-Staaten Konditionen und Summe der Griechenland-Hilfen schon festgelegt haben, wird die EU zügig handeln können. Aber wer zahlt wieviel? Wie stark trifft es Deutschland? Und wie genau geht das Prozedere jetzt weiter? Ein Überblick.

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          Die endgültige Entscheidung über die Finanzhilfen für die Griechen sei keine Frage von 24 Stunden, sagte der Sprecher des EU-Wirtschafts- und Währungskommissars Olli Rehn am Freitag. Aber da die Euro-Staaten Konditionen und Summe der Hilfen schon festgelegt hätten, werde die EU zügig handeln können. Die Finanzminister der Euro-Staaten hatten sich vor knapp anderthalb Wochen darauf geeinigt, im ersten Jahr 30 Milliarden Euro in Form bilateraler Darlehen beizutragen. Der IWF könnte bis zu 15 Milliarden beisteuern. Wie hoch die Hilfen in den Folgejahren sein könnten, ist bis jetzt nicht festgelegt worden.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Der Anteil der Euro-Staaten an den 30 Milliarden Euro berechnet sich nach demjenigen am Kapital der Europäischen Zentralbank (EZB). Also muss Deutschland mit 8,4 Milliarden Euro den größten Anteil tragen, falls Griechenland die Gesamtsumme abruft. Frankreich wäre mit 6,3 Milliarden Euro der zweitgrößte Geber. Die genaue Summe hängt davon ab, wie viel Hilfen Griechenland tatsächlich benötigt. In Brüssel hieß es am Freitag, es könnten auch nur zwei Drittel der Gesamtsumme sein. In der Bundesregierung kursieren allerdings Berechnungen, wonach die deutschen Hilfen über mehrere Jahre auf knapp 17 Milliarden steigen könnten.

          Zwei-Stufen-Verfahren

          Die Entscheidung darüber, ob die Hilfen jetzt gezahlt werden, wird in einem Zwei-Stufen-Verfahren fallen. Zunächst werden die Kommission und die EZB den griechischen Antrag auf Hilfe bewerten. Anschließend müssen die Finanzminister der Euro-Gruppe noch zustimmen. Fließen kann das Geld aber erst, wenn auch der IWF grünes Licht gegeben hat.

          Wie hoch der Zinssatz genau sein wird, den die Griechen zahlen müssen, hängt vom Tag der Aktivierung der Hilfen ab. Grundlage ist der sogenannte Dreimonats-Euribor. Das ist der Zinssatz, zu dem sich europäische Banken Anleihen mit einer Laufzeit von drei Monaten in Euro gewähren. Hinzu kommen einige weitere Komponenten. Anleihen mit variablen Zinsen hätten als Basissatz den Dreimonats-Euribor. Weil der Euribor jeden Tag neu berechnet wird, sind kurzfristige Schwankungen normal.

          Wäre der Hilfsmechanismus am 11. April aktiviert worden, als die Minister der Euro-Staaten die Regeln für Hilfen festgelegt hatten, hätte der Satz für ein dreijähriges Festzinsdarlehen rund 5 Prozent betragen. Das ist etwas mehr als der Internationale Währungsfonds von den Griechen verlangen wird, aber weniger als sie derzeit am Markt zahlen müssten.

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