https://www.faz.net/-gqe-bdw

Griechenland : Großanleger sind besorgt

  • -Aktualisiert am

Eurokrise: Die Fondsmanager sorgen sich Bild: dpa

Die Kurse griechischer und portugiesischer Staatsanleihen fallen weiter. Auf den Aktienmärkten wächst die Sorge eines scharfen Einbruchs. Die Investoren schätzen die Staatsschuldenkrise als größtes Risiko ein.

          3 Min.

          Das langwierige Ringen um eine Lösung der Griechenlandkrise belastet zunehmend die Stimmung von Großinvestoren an den Finanzmärkten. Neben der Sorge um steigende Zinsen wird die Gefahr, dass es in der Währungsunion zu einem staatlichen Zahlungsausfall oder einer Umschuldung kommen könnte, von institutionellen Investoren als größtes Risiko in den kommenden 12 Monaten angesehen. Das ergibt sich aus einer Umfrage des Vermögensverwalters Allianz Global Investors (AGI) unter 156 institutionellen Investoren, darunter Pensionsfonds, Versorgungswerken und sogenannten Family-Offices, sowie der monatlichen Umfrage der Bank of America Merrill Lynch unter mehr als 200 Fondsmanagern. Am Mittwoch fielen die Kurse griechischer Staatsanleihen mit zwei und zehn Jahren Laufzeit merklich, zweijährige Papiere rentierten vorübergehend mit mehr als 27 Prozent auf einem Rekordhoch. Portugiesische Staatsanleihen mit derselben Laufzeit gerieten ebenfalls unter Druck und rentierten mit 11,8 Prozent gleichfalls auf einem Hoch.

          Griechenland und Portugal sind Beispiele dafür, dass ehemals als sicher geltende Marktsegmente - wie etwa die für Staatsanleihen - heute mitunter ein Hort der Unsicherheit sind. Zwei von drei Großinvestoren fürchten, dass die starken Kursschwankungen an den Märkten die angestrebten Erträge in den kommenden zwölf Monaten beeinträchtigen werden. Nach der Umfrage von AGI nehmen Investoren zudem vormals vernachlässigte Risiken mit für gering erachteter Eintrittswahrscheinlichkeit aber hohem Effekt (tail risks) heute viel ernster als früher.

          Hält der Euro durch?

          Dennoch werden Marktteilnehmer oft auf dem falschen Fuß ertappt: Wer politische Risiken unterschätzt, hat zum Beispiel nicht erkennen können, dass sich explosive geopolitische Risiken in den arabischen Ländern aufbauten, die heute die Finanzmärkte verunsichern. Allerdings sorgen sich die Investoren derzeit am meisten über die Schuldendebatte um Griechenland und die hohe Verschuldung anderer Randstaaten der Europäischen Währungsunion: Zwei Drittel der Kapitalanleger glauben offenbar, dass der Euro die derzeitigen Schwierigkeiten auf Dauer wird überleben können. Sechs Prozent der Investoren fürchten, der Euro werde zumindest die kommenden zehn Jahre nicht durchhalten. Jeder vierte Kapitalanleger ist sich unsicher.

          Etwa 13 Prozent der von AGI befragten Kapitalanleger erwarten, dass letztlich ein oder gar mehrere Staaten aus der Währungsunion werden austreten müssen. Erstaunlicherweise sind deutsche Kapitalanleger weniger beunruhigt als Investoren in anderen europäischen Staaten. Vertreter deutscher Fonds erwarten, dass die Krise wohl in einer Transferunion münden wird. Marktteilnehmer hoffen, dass die Krise die Währungsunion letztlich stärker zusammenschweißen wird.

          Großinvestoren finden keine Position

          Investoren fürchten den Zahlungsausfall eines Staates, also etwa eine Umschuldung Griechenlands, nicht nur, weil sich dies in höherer Volatilität an den Märkten und Verlusten im Portfolio niederschlagen könnte - zu den befragten Kapitalsammelstellen gehören auch Versicherer und Fonds, die Anleihen der sogenannten Peripherieländer in ihren Portfolios halten. Die Investoren haben auch Angst vor möglichen Zahlungsausfällen von Vertragspartnern (counterparty risk).

          Angesichts dieser Risiken ist es für die Großinvestoren schwer, sich zu positionieren: Einerseits drängen Anlagevorschriften viele von ihnen dazu, sicherheitshalber in Staatsanleihen zu investieren. Dies aber ist schwierig, eben weil das Marktsegment nicht mehr so sicher erscheint wie vor der Finanzkrise. Ein Drittel der Anleger plant der Umfrage zufolge, Positionen an den Anleihemärkten abzusichern und die durchschnittliche Kapitalbindungsdauer zu reduzieren.

          Starke Einbrüche auf den Aktienmärkten erwartet

          Kurzfristig sehen zudem 55 Prozent der Investoren ein erhebliches Risiko darin, dass an den Aktienmärkten die Kurse scharf einbrechen. Die jüngste Umfrage von Bank of America Merrill Lynch unter Fondsmanagern zeigt daher auch, dass sie ihre Positionen an den Aktienmärkten deutlich reduziert haben. Sie haben vor allem europäische Aktien verkauft, ihr Engagement an den Rohstoffmärkten reduziert und sich etwas aus den Märkten der Schwellenländer, vor allem aus China, zurückgezogen. Vor allem Aktien, die vom Konjunkturzyklus stark abhängig sind, wurden abgestoßen. Einzig gegenüber Japan zeigt sich Zuversicht.

          Immer mehr Fondsmanager stocken ihre liquiden Mittel auf. Zwar wird die Risikoaversion auch damit erklärt, dass die Investoren Zweifel an dem anhaltenden Gewinnwachstum der Unternehmen zeigten. Aber am meisten sorgen sich die Fondsmanager über die „Eurokrise“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Deal : Kein Tag der Entscheidung

          Auch Boris Johnson ist nicht immun gegen das, was seiner Vorgängerin Theresa May widerfahren war. Mehr als drei Jahre nach dem Referendum liegt der Austritt des Vereinigten Königreichs weiter im Nebel. Vielleicht kann das bei einem Thema von dieser Bedeutung nicht anders sein.
          Berlin regelt das Wohnen neu.

          Mietendeckel und mehr : Vermieter, hört die Signale!

          Was der rot-rot-grüne Senat in Berlin ausgeheckt hat, ist der wohl drastischste Eingriff in die deutsche Eigentumsordnung seit Jahrzehnten.

          Zukunft der Menschheit : Eine Batterie für alles!

          Mit einem Handy fing alles an, inzwischen geben Autohersteller jährlich dutzende Milliarden dafür aus: Lithium-Ionen-Akkus treiben heute zahllose Geräte an. Die größte Zeit der Batterien steht aber noch bevor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.