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Griechenland : Es wird noch teurer

Das zweite Hilfspaket ist im Grundsatz beschlossen, doch die alles entscheidende Frage bleibt: Kann die griechische Wirtschaft auch ohne Währungsabwertung wettbewerbsfähig werden? Bild: dapd

Griechenland wird vorerst gerettet, doch der Preis dafür ist hoch: Sowohl die privaten Gläubiger als auch die Steuerzahler müssen viele weitere Milliarden in den Wind schreiben.

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          Eurogruppenchef Jean-Claude Juncker übt sich wie immer in Optimismus. Das in der Nacht zum Dienstag beschlossene zweite Hilfspaket über 130 Milliarden Euro werde „Griechenland die benötigte Zeit geben, um Strukturreformen vorzunehmen und den Weg des nachhaltigen Wachstums zu beschreiten“. Auch der griechische Regierungschef Lukas Papademos bejubelt die Ergebnisse des nächtlichen Verhandlungsmarathons als „historisches Ereignis“. Er sei „sehr zufrieden“.

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Doch des einen Freud’ ist bekanntlich des anderen Leid. Was viele Beobachter längst ahnten, ist nun auch offiziell: Die Rettung Griechenlands wird abermals deutlich teurer als gedacht.

          Banken müssen 107 Milliarden Euro abschreiben

          Die privaten Gläubiger des hoch verschuldeten Landes sollen nominal auf 53,5 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen verzichten. Das sind 3,5 Prozentpunkte mehr als bisher veranschlagt. Statt wie bislang 100 Milliarden Euro sollen sie Athen nun 107 Milliarden Euro schenken. De facto liegt der Verlust der privaten Gläubiger weit über 70 Prozent ihrer ursprünglichen Forderungen, denn Griechenlands Gläubiger sollen ihre alten Anleihen zudem gegen neue mit einer Laufzeit von 30 Jahren tauschen, die schlechter verzinst werden. Die nun vereinbarten Sätze beginnen bei niedrigen 2 Prozent, steigen später auf 3 Prozent und erst nach 2020 auf 4,3 Prozent. Im Schnitt soll die Verzinsung 3,65 Prozent betragen - weit weniger als marktüblich. Nächste Woche kommt die Stunde der Wahrheit, dann wird sich zeigen, ob wirklich genug Gläubiger mitmachen. Falls nicht, wird Athen die Gläubiger zwangsweise zum Verzicht verpflichten, was wiederum erhebliche Komplikationen auslösen dürfte.

          Auch die öffentlichen Gläubiger Griechenlands müssen noch mal erheblich tiefer in die Tasche greifen als erhofft – auch wenn es auf dem Papier auf den ersten Blick nicht danach aussieht. So geben die Finanzminister des Euroraums Griechenland nicht mehr als die stets angepeilten 130 Milliarden Euro. 100 Milliarden Euro Kredit sollen Hellas in die Lage versetzen, in den kommenden Jahren seine Schulden zu bezahlen. Mit weiteren 30 Milliarden Euro werden die neuen Schuldtitel der privaten Geldgeber abgesichert. Das soll die Banken, Versicherungen und Hedgefonds dazu animieren, den vereinbarten Schuldenschnitt tatsächlich anzunehmen.

          130 Milliarden Euro neue Kredite

          Die gestiegenen Belastungen für die Steuerzahler werden erst auf den zweiten Blick deutlich. Nicht in den 130 Milliarden Euro enthalten ist beispielsweise, dass die Zinsen für die im Mai 2010 gewährten bilateralen Kredite des ersten Hilfspakets von 110 Milliarden Euro halbiert werden. Den öffentlichen Gläubigern entgehen so über die Jahre viele Milliarden Euro.

          Zudem sollen sich die nationalen Notenbanken an der Rettung Griechenlands beteiligen. Gewinne, die die Europäische Zentralbank (EZB) als größter Gläubiger Athens und die nationalen Notenbanken aus ihren griechischen Anleihen erzielen, „werden eingesetzt, um die Verschuldung Griechenlands zu verringern“, schreiben die Minister in ihrer Abschlusserklärung. Im Rahmen des Anleihekaufprogramms hatte die EZB für rund 43 Milliarden Euro griechischen Titel im Nennwert von 55 Milliarden Euro gekauft. Auf welche Gewinne die Finanzminister konkret zielen, ist noch unklar. Doch selbst wenn sie „lediglich“ die Zinszahlungen für diese Papiere kassieren wollen, müsste die Notenbank auf Milliardensummen verzichten.

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