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Griechenland : Die Verantwortung der Gläubiger

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Den Euro retten trotz Griechenland-Krise: An Finanzhilfen haben vor allem die Märkte Interesse Bild: Matthias Lüdecke / F.A.Z.

Die Lasten aus der Griechenland-Krise sollten nicht die Steuerzahler tragen, sondern die Gläubiger. Sie sind Schuld an laxer Kreditvergabe. Die Vorstellung, als Folge von Abschreibungen drohe der Zusammenbruch des Finanzsystems, ist abwegig. Griechenland ist dafür zu klein. Gerald Braunberger kommentiert.

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          Griechenland ist zahlungsunfähig, niedergestreckt von einer Kombination aus Überschuldung und Wirtschaftsschwäche. Für die notwendige Entschuldung müssen die Gläubiger Griechenlands, sprich die Besitzer griechischer Staatswertpapiere, bluten. Zu diesen Gläubigern zählen Banken, Versicherungen, Fondsgesellschaften und Privatanleger nicht nur, aber überwiegend in Europa. Die Politik gibt sich nach außen der Illusion hin, sie könne die Gläubiger ungeschoren lassen und stattdessen die europäischen Steuerzahler zwingen, unabsehbare Mengen guten Geldes in ein griechisches Fass ohne Boden zu schütten.

          Das wäre verhängnisvoll. Die Politik darf nicht als Büttel des Finanzkapitals erscheinen, sondern muss sich als Sachwalter der Interessen der Steuerzahler verstehen. Griechenland braucht nicht ausländisches Steuergeld, sondern eine internationale Schuldenkonferenz.

          Der Ansehensverlust ist längst eingetreten

          Seit 1945 wurden mehrere hundert staatliche Umschuldungen abgewickelt. Das Wissen darum ist vorhanden. Doch in der Ablehnung einer Umschuldung Athens sehen sich Politik und Finanzkapital auf unglückselige Weise vereint. Die europäischen Staatenlenker fürchten um einen Ansehensverlust, wenn ein Mitglied der Währungsunion offiziell insolvent würde. Doch dieser Ansehensverlust ist längst eingetreten.

          Die glühendsten Anhänger des Transfers von Steuergeldern nach Athen finden sich an den Finanzmärkten - also unter jenen, die hoffen, dass sie so ungeschoren aus dem Debakel herauskommen. Die Verantwortung für die großzügige Kreditvergabe an Griechenland tragen jedoch die Gläubiger. Sie müssen daher nun auch die finanziellen Lasten tragen. Die Vorstellung, als Folge von Abschreibungen drohe der Zusammenbruch des Finanzsystems, ist abwegig. Dafür ist Griechenland zu klein. Sollten einzelne Banken in Not geraten, müssten sie abgewickelt oder vom Staat stabilisiert werden. Das käme den Steuerzahler günstiger als umfangreiche Transfers nach Griechenland.

          Die Gegner einer Umschuldung verweisen daneben auf die Gefahr eines Dominoeffekts, der weitere südeuropäische Länder umwerfen könne. Das ist theoretisch möglich, aber nicht sehr wahrscheinlich. Denn die Finanzmärkte haben Griechenland bisher aus wohlerwogenen Gründen als einen Sonderfall betrachtet.

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