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Griechenland : Die Europäische Währungsunion am Scheideweg

  • -Aktualisiert am

Kaum ein anderes Land hat so große Vorteile aus der Währungsunion gezogen wie Griechenland Bild: dpa

Griechenland muss seine Finanzkrise ohne Hilfe der Euro-Länder lösen. Sonst bräche der Damm. Wie will man Iren verweigern, was man Griechen gibt? Falsch verstandene „Solidarität“ gefährdet die europäische Integration. Wer es gut mit Europa meint, wird dazu nicht raten. Ein Gastbeitrag von Otmar Issing.

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          Griechenland ohne Ende. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht Meldungen über das Land und seine öffentlichen Finanzen Schlagzeilen bilden. Mal sind es neue Horrorzahlen über das Defizit des öffentlichen Haushalts und statistische Manipulationen, mal sind es Aufrufe zur Solidarität der Europäer mit dem Land oder Warnungen vor solcher Hilfe.

          Dieses Interesse überrascht nicht. Im Oktober vergangenen Jahres Jahres schockierte die neue Regierung mit einer scharfen Revision des Defizits für 2009 nach oben auf fast 13 Prozent des Sozialprodukts. Mit dem explosiven Anstieg des Defizits im öffentlichen Haushalt steht Griechenland zwar nicht allein. Unter den 27 Mitgliedern der EU weisen die meisten Länder ebenfalls hohe Etatdefizite auf. Aber kaum ein anderes Land hat auf der einen Seite über Jahre hinweg so große Vorteile aus der EU und der Teilnahme an der Währungsunion gezogen und auf der anderen Seite so sehr gegen die gemeinsamen Regeln verstoßen wie Griechenland.

          Bei der Entscheidung, Staatsanleihen zu kaufen, wägen Anleger Chancen und Risiken gegeneinander ab. Beim Erwerb von Papieren in fremder Währung spielt das Wechselkursrisiko eine wichtige Rolle. Rechnen Anleger mit einer Abwertung dieser Währung, werden sie nur bei entsprechend höheren Zinsen bereit sein, solche Fremdwährungsanleihen zu kaufen. Ein Land muss daher negative Nachrichten über seine öffentlichen Finanzen und daraus möglicherweise resultierende Abwertungserwartungen teuer bezahlen.

          Otmar Issing

          Der drohende Staatsbankrott

          Dieser Sanktionsmechanismus über den Markt entfiel mit dem Beitritt zur Europäischen Währungsunion. Die nationalen Währungen wie D-Mark, französischer Franc oder Drachme hörten auf zu existieren. Der Euro wurde die gemeinsame Währung, der Wechselkurs und damit das Wechselkursrisiko zwischen den Teilnehmern der Währungsunion wurden beseitigt. Alle Mitgliedstaaten können ihre Schuldtitel in der gleichen Währung, dem Euro, begeben. Die Teilnahme an der Europäischen Währungsunion hat Ländern wie Italien oder Griechenland daher immense Vorteile gebracht. Mussten sie lange Zeit Zinsen für ihre Schuldtitel in nationaler Währung bezahlen, weit über denen von Ländern wie Deutschland oder Frankreich, profitieren sie nun von der Stabilität der gemeinsamen Währung. Der Zinsaufschlag für zum Beispiel italienische oder griechische gegenüber deutschen Anleihen ging nach dem Beitritt zur Währungsunion auf rund 25 Basispunkte zurück und verharrte die meiste Zeit auf diesem niedrigen Niveau. Diese geringe Zinsdifferenz (Spread) spiegelte im Wesentlichen technische Faktoren wie die unterschiedliche Liquidität des Marktes wider. Die Konvergenz der langfristigen Zinsen zwischen den Ländern der Währungsunion wurde in der Folge auch durch erhebliche Unterschiede in der Entwicklung der öffentlichen Defizite und des Schuldenstandes kaum beeinträchtigt.

          Dies änderte sich beinahe schlagartig in den ersten Monaten des vergangenen Jahres. So stieg der Zinsaufschlag für Anleihen einiger Länder erheblich, für griechische Anleihen gegenüber solchen der Bundesrepublik Deutschland auf über 250 Basispunkte. Nach einer kurzen Beruhigung hat sich die Situation inzwischen weiter verschärft.

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