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Gegen die schwache Konjunktur : Britanniens Notenbank dehnt ihr Mittelstandsprogramm aus

  • -Aktualisiert am

Versucht mit speziellen Programmen der Wirtschaft aufzuhelfen: die Bank of England Bild: REUTERS

Nächste Woche entscheidet die EZB über eine weitere Leitzinssenkung. Kritiker argumentieren, dass die Niedrigzinsen nicht dort ankommen, wo sie gebraucht würden - bei Mittelständlern in Krisenländern. Die Bank of England erweitert dagegen gerade ein spezielles Mittelstandsprogramm.

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          Britische Unternehmen, vor allem der Mittelstand, erhalten weiterhin nicht ausreichend Kredit. Das britische Schatzamt und die Notenbank des Landes haben deshalb am Mittwoch verkündet, ein spezielles Notkreditprogramm (Funding for Lending Scheme, FLS) auszuweiten und zu verlängern, das gerade für kleine und mittelgroße Unternehmen Geldleihen günstiger machen soll.

          Ob und wie das Programm funktioniert, wird über Großbritannien hinaus beachtet und zumal in der Europäischen Währungsunion. Denn im Kern hakt es in der britischen Wirtschaft an ähnlichen Stellen wie in den von der Euro-Krise besonders betroffenen Mitgliedsländern der Währungsunion: Die extrem niedrigen Leitzinsen der Notenbank kommen nicht in den Unternehmen an. Die Geschäftsbanken reichen sie zumindest nicht so weiter, dass dies helfen würde, die schwache gesamtwirtschaftliche Entwicklung spürbar anzukurbeln. Dafür müssen die britischen Banken zu hart umstrukturieren und ihre Kreditrisiken reduzieren.

          Auch Leasinggesellschaften werden einbezogen

          Das Programm der Bank of England funktioniert kurz zusammengefasst so: Gegen eine Gebühr können Banken beispielsweise vergebene Kredite bei der Bank von England gegen Schatzwechsel eintauschen. Diese Schatzwechsel, die über eine bessere Kreditbenotung verfügen, dürfen sie dann als Sicherheit verwenden, um sich am Markt selbst günstiger zu refinanzieren. Diese Mittel wiederum können sie dann an die Realwirtschaft weitergeben, ist die Idee hinter dem Programm. Zusätzlich gilt grob gesagt für die am Programm teilnehmenden Banken, dass die Gebühren, die sie an die Bank of England zahlen müssen, steigen, wenn sie zu wenige Kredite vergeben.

          Das anfänglich bis zum Januar des kommenden Jahres begrenzte Programm wird nun bis in den Januar des Jahres 2015 verlängert. Gleichzeitig wird das Volumen, das für die Kreditvergabe an den Mittelstand vorgesehen war,  aufgestockt und im kommenden Jahr umso mehr ausgeweitet, je schneller die Banken dem Mittelstand jetzt unter die Arme greifen. Außerdem wird nun auch die Kreditvergabe über Nicht-Banken, zum Beispiel Leasing-Gesellschaft, mit einbezogen.

          Programm hat Kreditkonditionen tatsächlich verbessert

          Am 4. März dieses Jahres verkündete die Bank von England, dass sich bisher 39 Banken an dem Programm beteiligt haben. Zusammen gerechnet haben sie 14 Milliarden Pfund der anfänglich avisierten 68 Milliarden Pfund  des Kreditvolumens ausgeschöpft. In den Anfangsmonaten des laufenden Jahres ist die Netto-Kreditvergabe der Banken an Unternehmen allerdings trotz des Programms gefallen.

          Dies ist Sonderfaktoren geschuldet: Die beiden großen britischen Kreditgeber Royal Bank of Scotland und Lloyds Banking Group müssen immer noch merklich ihre Risiken reduzieren, Bilanzen kürzen und Kapital erhöhen. Als bisheriges Fazit bleibt: Das Notkreditprogramm hat zu günstigeren Kreditvergabekonditionen in Großbritannien  geführt. Das Volumen der vergebenen Bankkredite ist unter dem Strich und über die bisherige Programmlaufzeit betrachtet hingegen nicht sonderlich gestiegen.

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