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Von Corona keine Spur : Für die deutsche Industrie läuft es immer besser

Salzgitter: Mitarbeiter in Schutzkleidung arbeiten auf dem Gelände der Salzgitter AG am Hochofen. Bild: dpa

Die Industrie erweist sich als Stütze der deutschen Wirtschaft. Neuen amtlichen Zahlen zufolge sind die Auftragsbücher so voll, als wäre Corona längst aus der Welt.

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          Sattes Auftragspolster, gut ausgelastete Produktionshallen – der Erholungskurs der deutschen Industrie hält an. Auch nach neuesten amtlichen Zahlen ist ihre momentane Geschäftslage so stabil, als wäre Corona längst aus der Welt. Das liegt nicht zuletzt an der robusten Nachfrage aus China.

          Niklas Záboji
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie das Statistische Bundesamt am Dienstag mitteilte, liegt der Bestand an nicht abgearbeiteten Aufträgen mittlerweile deutlich über dem Vorkrisenniveau: Im Februar 2020, dem letzten Monat vor dem Überschwappen der Pandemie nach Europa, betrug der Indexwert der Statistiker 115 Zähler. Es folgte ein schwarzes Frühjahr für die deutsche Industrie. Beginnend im Juni ging es dann wieder bergauf, so dass der Auftragsbestand im November 118,7 Punkte erreichte – um saisonale Sondereffekte korrigiert, wohlbemerkt. Hält der Aufwärtstrend an, rückt das Allzeithoch von 120,5 Punkten im Dezember 2018 immer näher.

          Als Zugpferd der guten Industriekonjunktur gilt gemeinhin das Ausland und speziell China, was mit Blick auf Neuaufträge, den Auftragseingang, auch zutrifft. Im Fall des Auftragsbestands füllten sich die Bücher zuletzt allerdings noch stärker mit Bestellungen aus dem Inland. Theoretisch könnte die deutsche Industrie demnach sechseinhalb Monate produzieren und ihre Bestellungen abarbeiten, ohne dass der Umsatz sinkt.

          Prozentual waren Gebrauchsgüter wie Autos und Möbel am gefragtesten, blickt man tiefer in die amtliche Statistik. Verglichen mit Februar 2020 gab es hier ein Wachstum von knapp 24 Prozent im Inland und rund 19 Prozent aus dem Ausland.

          Der neue Stabilitätsanker

          Wie beständig diese positive Entwicklung ist, lässt sich freilich nur schwer abschätzen. Kurzfristig zeichnen sich indes keine Rückschläge ab. Frühindikatoren wie der Ifo-Geschäftsklimaindex und das Einkaufsmanagerbarometer des Markit-Instituts signalisierten bis zuletzt einen Aufschwung in der Industrie – neuerlicher Lockdown hin oder her. Galt bis zum Ausbruch von Corona der Dienstleistungssektor als Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft, erweist sich nun das verarbeitende Gewerbe als wichtige Stütze.

          „Die Industrie dürfte etwas des Auslandsgeschäfts einbüßen, aber vergleichsweise gut durch die Schließungen kommen“, zeigt sich Claus Michelsen, Konjunkturchef am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), gegenüber der F.A.Z. nach wie vor überzeugt.

          BIP-Minus von 3 Prozent im ersten Quartal

          Dennoch: In der deutschen Wirtschaft insgesamt dürfte die absehbare Lockdown-Verlängerung nach Einschätzung des DIW-Ökonomen deutliche Spuren hinterlassen. Nachdem die Wirtschaftsleistung im Schlussquartal 2020 noch stagniert hatte, dürfte sie nun schrumpfen.

          „Wir gehen davon aus, dass die Verlängerung des Lockdowns bis Ende Februar beschlossen wird und zu einem Rückgang der Wertschöpfung im ersten Quartal führt“, so Michelsen unabhängig von der Frage, inwieweit mit der Corona-Eindämmung auch der Wirtschaft langfristig gedient ist. Der Rückgang des Bruttoinlandsprodukts sei in erster Linie zurückzuführen auf den Dienstleistungssektor, darunter Bildung und Unterhaltung, die Gastronomie und den Handel. Die Betreuung von Kindern dürfte zudem zu höheren Fehlzeiten führen und damit ebenfalls belasten.

          Unterm Strich erwartet Ökonom Michelsen ein BIP-Minus von 3 Prozent im ersten Quartal, verglichen zum Vorquartal. Er unterstellt in diesen Berechnungen mehr freiwilliges Homeoffice sowie ähnliche Corona-Beschränkungen im März wie im November. Immerhin: Für den Sommer rechnet das DIW mit einer ausgeprägten Erholung. Auch bestünden Chancen, dass es in diesen Wochen nicht so schlimm kommt wie befürchtet, vor allem mit Blick auf die gute Lage in der Industrie.

          Allerdings dürfte selbst ein Plus von 4,5 Prozent im zweiten Quartal nichts daran ändern, dass die Wirtschaft im Gesamtjahr wohl schwächer wächst, als sie 2020 schrumpfte: Den neuen DIW-Berechnungen zufolge um plus 3,2 Prozent nach minus 5 Prozent.

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