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Lange Ausgangssperren : Frankreich verliert ein Fünftel seiner Wirtschaftskraft

Ein Mann überquert vor einem Shopping-Center in Paris die Straße. Bild: AFP

Frankreichs Bruttoinlandsprodukt sinkt um 20 Prozent. Nur langsam erholt sich die zweitgrößte EU-Volkswirtschaft von der langen Ausgangssperre. Und es könnte noch schlimmer kommen.

          2 Min.

          Frankreich erlebt in diesen Wochen einen historischen Wirtschaftseinbruch, den nun auch die offiziellen Buchhalter des Landes bestätigen. Das nationale Statistikamt Insee rechnet nach Angaben vom Mittwoch im zweiten Quartal dieses Jahres für die zweitgrößte Volkswirtschaft in der Europäischen Union mit einem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes um 20 Prozent – und das nach dem schon schlechten ersten Quartal, das mit einem Minus von 5,8 Prozent den stärksten Einbruch in der EU gebracht hatte. Zwischen Anfang April und Ende Juni würde Frankreich damit ein Fünftel seiner volkswirtschaftlichen Leistung verlieren.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Es handelt sich um „die schwerste Rezession seit Beginn der französischen Zeitreihen im Jahr 1948“, teilten die Statistiker von Insee mit. Und es könnte noch schlimmer kommen: Seit dem 11. Mai ist in Frankreich die Lockerung der Kontaktbeschränkungen in Kraft, doch die Wirtschaft erholt sich nur langsam; die Gastronomie darf beispielsweise noch nicht öffnen. Die Prognose von Insee beruht aber auf der Annahme, dass die wirtschaftliche Aktivität im Juni rund ein Drittel seines Abstandes zum Vorkrisenniveau wettgemacht hat. Die Statistiker räumen selbst ein, dass eine Rückkehr zum normalen Niveau bis Juli „wenig realistisch“ sei. Daher könnte die Wirtschaftsleistung im gesamten Jahr 2020 auch stärker zurückgehen als die bisher prognostizierten 8 Prozent.

          Besonders lange Ausgangssperre

          Die düsteren Prognosen vom Anfang des Monats bewahrheiten sich somit. Frankreich leidet unter einer besonders langen Ausgangssperre, die vom 17. März bis zum 11. Mai dauerte. Das staatliche Kurzarbeitergeld, das nach Angaben der Regierung das großzügigste System in Europa ist, trägt auch nicht dazu bei, dass die Menschen rasch wieder zur Arbeit zurückkehren. Von Anfang Juni an sollen die Unternehmen 15 Prozent des Kurzarbeitergeldes selbst zahlen. Das ist als Anreiz gedacht, damit die staatliche Unterstützung weniger in Anspruch genommen wird.

          Viele Menschen bleiben noch zuhause; nach Daten von Google Mobility sind die Franzosen in der ersten Woche nach der Lockerung zu rund 42 Prozent weniger zur Arbeit erschienen als in normalen Zeiten.

          Auch der Konsum liegt darnieder. Nach den Umfragen von Insee bewerten die Haushalte die Konjunktur derzeit so negativ wie noch nie seit Beginn der monatlichen Befragungen 1972. In der Woche nach Beginn der Lockerung am 11. Mai erlebte Frankreich zwar einen kräftigen Anstieg der Ausgaben, doch dieser war vor allem auf nachgeholten Konsum zurückzuführen, der nicht als stabil gilt.

          So sparen die Franzosen nach Einschätzung mancher Ökonomen derzeit doppelt so viel wie sonst. Die verfügbaren Einkommen gingen während der Ausgangssperre um 7 Prozent zurück, während die Konsumausgaben um 30 Prozent sanken, meldet das Pariser Beratungsinstituts OFCE.

          Angst vor der zweiten Welle

          Das Geschäftsklima erholte sich im Mai etwas von dem im April erreichten Rekordtief, doch besonders in der Industrie, im Einzelhandel und unter den Dienstleistern fehlt es noch an Optimismus. Insee schätzt, dass die Geschäftstätigkeit im Juni etwa 14 Prozent unter dem Normalstand lag, nachdem die Unterauslastung im Mai 25 Prozent betrug. „Die Unternehmenschefs sind sehr beunruhigt, was die Nachfrage angeht“, schreibt Insee.

          Die Umfrage unter 10.000 Managern war zwischen dem 28. April und dem 19. Mai durchgeführt worden. Seitdem könnten sich die Einschätzungen etwas verbessert haben. Nur die Hälfte der Unternehmen erwartet aber, dass sie im September wieder voll ausgelastet sind; 72 Prozent rechnen damit, diesen Punkt zum Jahresende zu erreichen, berichtet die Beratungsgesellschaft Xerfi. „Die Menschen befürchten eine zweite Ansteckungswelle“, sagt der Ökonom Mathieu Plane vom OFCE.

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