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Frankreich : Banken wollen Lasten stemmen

Die Société Générale kann ihre Reserven aus eigenen Mitteln erhöhen Bild: dpa

Die französischen Banken glauben, dass sie ohne staatliche Unterstützung die neuen Kapitalanforderungen der europäischen Regierungen erfüllen können.

          2 Min.

          „Unsere Banken sind solide und können ihre Reserven aus eigenen Mitteln erhöhen“, sagte Frédéric Oudéa, Vorstandsvorsitzender der Société Générale (SG) und aktueller Präsident des französischen Bankenverbandes (FBF) am Montagabend im Fernsehen.

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Der Gouverneur der Banque de France, Christian Noyer, hatte am Vortag erklärt, dass die französischen Banken ihr Kapital um voraussichtlich weniger als 10 Milliarden Euro erhöhen müssten, um die neuen Verpflichtungen zu erfüllen. Diese sehen vor, dass das Kernkapital (Core Tier One) bis Mitte 2012 9 Prozent der risikogewichteten Aktiva erreichen soll. Dabei sollen die Rechnungslegungsvorschriften von „Basel 2,5“ zugrunde gelegt werden. BNP Paribas, SG und Crédit Agricole hatten noch vor kurzem geplant, bis Anfang 2013 die Grenze von 9 Prozent Eigenkapital der risikogewichteten Aktiva nach Basel 3 zu erreichen. Ob für die neuen Regeln Kapitalerhöhungen nötig sind, wollen die Banken bislang nicht sagen.

          Im zweiten Quartal hatten die französischen Banken nur 21 Prozent auf die Griechenland-Schulden abgeschrieben. Nun hat sich der SG-Chef Oudéa dafür ausgesprochen, den Schuldenschnitt für griechische Staatsanleihen nicht 50 Prozent überschreiten zu lassen. „Damit würde man die Spekulation lostreten, dass man im Fall von Italien gleichermaßen verfährt.“

          Italienische Staatsanleihen sind der Knackpunkt für die französischen Banken. Nach einer Studie der Citgroup hält die BNP Paribas, die über die große italienische Tochtergesellschaft BNL verfügt, italienische Staatspapiere im Wert von 30,6 Milliarden Euro. Für den Crédit Agricole sind es 13,6 Milliarden Euro. Das ist noch mehr als die Commerzbank mit 11,7 Milliarden Euro an italienischen Staatsanleihen, sie ist die deutsche Bank mit dem größten Engagement in den europäischen Peripheriestaaten.

          Französische Banken wollen Bilanzen verkürzen

          Der französische Marktführer BNP Paribas ist mit Staatsanleihen von 42 Milliarden Euro am stärksten den Risiken in den Euro-Peripherieländern Griechenland, Italien, Irland, Portugal und Spanien ausgesetzt. Es folgt mit 19 Milliarden Euro der Crédit Agricole, bei dem aber noch die größere griechische Tochtergesellschaft Emporiki hinzukommt. SG und die Investmentbank Natixis weisen kleinere einstellige Beträge für Staatsanleihen der Peripherieländer aus.

          Die französischen Banken wollen ihre Bilanzen verkürzen und damit ihre Risiken senken. BNP Paribas will etwa das Geschäft zur Konsumfinanzierung und zum Leasing zurückfahren und im Investmentbanking die langfristige Dollar-Finanzierung einschränken. Der Crédit Agricole prüft den Verkauf seiner Brokergesellschaft Newedge. Die SG will durch Geschäftsverkäufe bis 2013 4 Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital mobilisieren. Unter anderem sollen Spezialkredite für Flugzeug- und Schiffsinvestitionen stark verringert werden.

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