https://www.faz.net/-gqe-da0

Frage der Kreditwürdigkeit : Ratingagentur zeigt Amerika die Gelbe Karte

  • -Aktualisiert am

Präsident Obama: Im Kongress streiten Demokraten und Republikaner seit Monaten darüber, wie sie die Staatsfinanzen sanieren wollen Bild: AFP

Zum ersten Mal zweifelt die Ratingagentur S&P an der Kreditwürdigkeit der Vereinigten Staaten: Sie senkte den Ausblick für amerikanische Staatsanleihen auf „negativ“.

          Die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), den Ausblick für amerikanische Staatsanleihen zu senken, sowie Gerüchte um eine Umschuldung Griechenlands haben am Montag die Aktienmärkte erheblich belastet. Denn S&P stellt die künftige Kreditwürdigkeit der größten Volkswirtschaft der Welt in Frage. Außerdem stiegen die Renditen für Staatsanleihen der europäischen Krisenländer, während die Diskussion um die Refinanzierung hochverschuldeter Euro-Länder den Wert des Euro drückte. Auch Kreditausfallversicherungen (CDS) für die europäischen Krisenländer verteuerten sich.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Der EuroStoxx 50 verlor 2,4 Prozent auf 2848 Punkte. Der deutsche Leitindex Dax gab um 2,1 Prozent auf 7026 Punkte nach. An der Wall Street in New York sackten die Kurse ebenfalls ab. Der Wert der europäischen Gemeinschaftswährung sank auf rund 1,42 Dollar. Gold war hingegen mit 1498 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) so teuer wie noch nie.

          S&P hat den Ausblick für die Vereinigten Staaten zwar gesenkt, die beste Bewertungsnote „AAA“ für die Staatsanleihen aber aufrechterhalten. S&P begründete den schlechteren Ausblick mit dem signifikanten Risiko, dass die politischen Verhandlungen über einen mittelfristigen Defizitabbau erst nach den Präsidenten- und Kongresswahlen im Herbst 2012 zu einem Ergebnis kämen. Selbst dann würde es noch Jahre dauern, bis die Regierung den Schuldenstand stabilisiert hätte. „Es gibt mindestens eine Chance von 1 zu 3, dass wir unser Langfrist-Rating für die Vereinigten Staaten in den kommenden zwei Jahren senken könnten“, sagte Analyst Nikola Swann von S&P.

          Bis die Regierung den amerikanischen Schuldenstand stabilisiert, würde es noch Jahre dauern

          Griechische Staatsanleihen unter Druck

          Es ist das erste Mal, dass S&P das erstklassige Rating der Vereinigten Staaten mit einem negativen Ausblick überhaupt in Frage stellt. Das Finanzministerium erklärte, die Agentur unterschätzte die Fähigkeit der Regierung, die fiskalischen Herausforderungen zu meistern. Im Kongress streiten Demokraten und Republikaner seit Monaten über die Sanierung der Staatsfinanzen. Präsident Barack Obama hatte sich erst vergangene Woche in die Debatte eingemischt mit einem Vorschlag, das Defizit über 12 Jahre um rund 4,4 Billionen Dollar zu verringern.

          In der Größenordnung nähern sich die Demokraten damit republikanischen Vorstellungen an, über den Weg gehen die Vorstellungen weit auseinander. Eine Einigung auf die Restfinanzierung für das laufende Fiskaljahr kam nur unter dem Druck zustande, dass ansonsten Bundesbehörden hätten geschlossen werden müssen. Amerikas Defizit habe schon vor der Krise höher als in Großbritannien, Frankreich, Deutschland oder Kanada gelegen. Im Gegensatz zu diesen Ländern hätten die Vereinigten Staaten noch keine glaubwürdigen Schritte zur Haushaltskonsolidierung ergriffen.

          Umschuldung im Sommer?

          An den europäischen Anleihemärkten gerieten besonders griechische Staatsanleihen unter Druck. Ihre Kurse sanken, im Gegenzug erhöhten sich ihre Renditen. Hintergrund ist, dass eine griechische Tageszeitung gemeldet hatte, dass Griechenland die Europäische Union (EU) sowie den Internationalen Währungsfonds um eine Restrukturierung seiner Schulden bitte. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, Griechenland werde nach Einschätzung von Teilen der deutschen Bundesregierung nicht ohne Umschuldung über den Sommer kommen. Das griechische Finanzministerium und die EU-Kommission dementierten die Berichte. Die Rendite der zweijährigen griechischen Anleihen kletterte bis auf 20 Prozent.

          Zum Vergleich: Zweijährige deutsche Staatsanleihen rentieren mit 1,75 Prozent. Die zehnjährigen portugiesischen Anleihen rentierten mit bis zu 9 Prozent - das ist so hoch wie noch nie seit der Euro-Einführung. Auch zehnjährige spanische Staatsanleihen gerieten unter Druck. Ihre Rendite stieg auf 5,6 Prozent, damit blieben die Papiere allerdings deutlich unter den Höchstständen vom Januar.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Björn Höcke beim Wahlkampfauftakt der AfD Thüringen

          AfD-Wahlkampf in Thüringen : „Extrem bürgerlich“

          Beim Wahlkampfauftakt der Thüringer AfD in Arnstadt versucht die Partei, sich ein bürgerlich-konservatives Image zu geben. Doch vor allem die Aussagen eines Redners lassen daran Zweifel aufkommen – und es ist nicht Björn Höcke.

          Hoeneß versus ter Stegen : Abteilung Torwartverteidiger

          Das Schauspiel um die deutschen Torhüter geht weiter: Uli Hoeneß macht sich in einem Fernsehinterview die Welt, wie sie ihm für Bayern-Torwart Manuel Neuer gefällt. Er fordert unter anderem von süddeutschen Medien mehr Rückhalt und droht dem DFB.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.