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Konjunktur : Forscher senken Wachstumsprognose deutlich

  • Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Finanzkrise wird bis zum Jahresende das Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft nur etwas verlangsamen. 2009 werden die Folgen deutlicher spürbar sein. Das schreiben die Forschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten.

          Die Finanzkrise wird bis zum Jahresende das Wachstumstempo der deutschen Wirtschaft nur etwas verlangsamen. Dagegen werden die Folgen 2009 etwas deutlicher spürbar sein. Das schreiben die Forschungsinstitute in ihrem Frühjahrsgutachten, das an diesem Donnerstag in Berlin vorgestellt wird. Sie schätzen die Wachstumsrate 2008 auf 1,8 Prozent und liegen damit leicht über der Prognose der Regierung (1,7 Prozent). Für 2009 lautet die Vorhersage 1,4 Prozent, was nur knapp unter dem Wachstum des Produktionspotentials läge.

          Trotz schwächerem Wachstum rechnen die Gutachter aber bis 2009 mit einer erstaunlich guten Entwicklung am Arbeitsmarkt. Sie erwarten 2008 einen Rückgang der Arbeitslosen um rund 500 000 auf 3,2 Millionen. Für 2009 wird trotz der höheren Lohnabschlüsse erstmals seit dem Jahre 1991 ein Jahresdurchschnitt von unter drei Millionen vorhergesagt.

          Keine schwere Rezession in Amerika befürchtet

          An dem Gutachten haben diesmal acht Forschungsinstitute aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mitgewirkt, darunter das Kieler IfW, das Münchner Ifo-Institut, das Hallenser IWH und das Essener RWI. Sie befürchten keine schwere Rezession in Amerika, auch sehen sie keinen konjunkturellen Einbruch der Weltwirtschaft. „Der Verlust an Dynamik wird begrenzt bleiben.“ Für das globale Bruttoinlandsprodukt wird für das laufende Jahr ein Wachstum von 2,7 Prozent angenommen und für den Welthandel eine Zunahme um 5 Prozent. Schon 2009 lägen die Zuwachsraten wieder höher. Die Weltwirtschaft bleibe recht stabil, so die Institute, weil die Dynamik in den Schwellenländern kaum nachlasse.

          Die Aussichten trüben sich ein

          Deutschland ist nach Ansicht der Ökonomen 2008 „mit viel Schwung gestartet“, die Produktionszunahme sei im Winter stärker gewesen als im Herbst. Im Verlauf des Jahres rechnet man zwar mit einer geringeren Expansion, vor allem in der Ausfuhr, doch die Institute erwarten, dass die Inlandsnachfrage rascher expandiert als 2007. Insbesondere sei damit zu rechnen, dass der private Konsum spürbar zunehme. Dafür werden zwei Gründe genannt: höhere Beschäftigung und steigende Reallöhne. Die Preissteigerung, die vor kurzem über die Drei-Prozent-Marke ging, schätzt man im Jahresdurchschnitt auf 2,6 Prozent. Für 2009 wird eine Inflationsrate von 1,8 Prozent vorhergesagt. Der Staat werde einen kleinen Überschuss haben.

          Die Institute kritisieren - wie schon im Herbstgutachten - die Abkehr von Reformen am Arbeitsmarkt. Auch wird den Politikern vorgeworfen, sie hätten für eine stärkere Erhöhung der Löhne geworben, damit die Arbeitnehmer spürbar vom Aufschwung profitieren. Dabei habe man aber unterschlagen, dass die Zahl der Beschäftigten seit 2005 um rund 1,5 Millionen gestiegen sei. Wolfgang Franz, Mitglied des Sachverständigenrats der Bundesregierung, sagte dieser Zeitung, die Prognose habe eine realistische Größenordnung. „Die deutsche Konjunktur scheint doch erstaunlich robust zu sein.“

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