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Gewinner und Verlierer : So stellt das günstige Öl die Wirtschaft auf den Kopf

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Allerdings bleiben hohe Unsicherheiten bei einem derart scharfen Rückgang des Ölpreises wie derzeit. „Rein rechnerisch müsste ein Rückgang des Ölpreises um ein Viertel gegenüber dem vergangenen Halbjahr die Konjunktur anschieben und etwa einen Viertel Prozentpunkt mehr Wachstum bringen“, sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. „Aber es gibt die Unsicherheit über die Ursache des Preisverfalls.“

Ausgelöst wurde der jüngste scharfe Preisrückgang für Öl in dieser Woche auch durch den Kurssturz am chinesischen Aktienmarkt. „Das wird am Ölmarkt als Schwächesignal auf der Nachfrageseite gedeutet“, sagt der Ölexperte Alan Gelder vom Beratungshaus Wood Mackenzie in London. Wenn nämlich nicht in erster Linie das große Angebot an Öl, sondern vielmehr eine schwache Nachfrage der Grund für den Preisverfall wäre, dann deutete dies auf eine insgesamt schwächere Weltwirtschaft hin. Und das wäre ein Problem auch für Europa und besonders Deutschland mit seiner großen Exportabhängigkeit. „Die Wachstumssorgen um China spielen derzeit eine große Rolle“, warnt Krämer, der Chefvolkswirt der Commerzbank.

Ein Verlierer heißt Moskau

Zumindest kurzfristig allerdings teilt das Billigöl die Welt in Gewinner und Verlierer auf: „Öl ist der Schlüssel“, sagt Kaushik Basu, der Chefökonom der Weltbank. Grob gesagt profitieren Ölimporteure wie Deutschland und China, während Ausfuhrländer wie Saudi-Arabien, Russland und Venezuela leiden. Die Weltbank erwartet, dass von 2015 bis 2018 das globale Wirtschaftswachstum zu 85 Prozent in Rohstoffimport-Ländern stattfinden wird. Zu den Hauptprofiteuren der Ölschwemme zählen die Amerikaner: Der Durchschnittsbürger in den Vereinigten Staaten hatte dank des gesunkenen Ölpreises 2015 rund 350 Dollar mehr in der Tasche. Autohersteller wie Ford und GM freuen sich darüber, dass unter Kunden Sprit fressende schwere Geländewagen plötzlich wieder en vogue sind.

Wer die Verlierer des Ölpreisverfalls sucht, der wird dagegen in Moskau fündig: In Russland ist die Ölkrise an vielen Hauswänden zu sehen, nämlich an den Kurstafeln der zahlreichen Wechselstuben. Das Land ist einer der weltgrößten Ölproduzenten, und der Kurs des russischen Rubels hängt stark vom Ölpreis ab. Ein Dollar kletterte am Donnerstag über die Marke von 75 Rubel und war damit so viel wert wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr. Mitten in der Rezession schwächt das die bereits strapazierte Kaufkraft der Bevölkerung, treibt die Inflation und verzögert so wahrscheinlich Leitzinssenkungen, welche die Wirtschaft dringend brauchen könnte.

Für den Kreml geht es beim derzeitigen Ölpreis nur noch um Schadensbegrenzung für den Staatshaushalt: Das russische Budget für 2016 ist mit einem durchschnittlichen Ölpreis von 50 Dollar je Fass kalkuliert worden und enthält bereits ein Defizit von 3 Prozent der Wirtschaftsleistung. Schon nach wenigen Tagen im neuen Jahr gilt das als zu optimistisch. Es kann nicht mehr lange dauern, bis abermals gekürzt werden muss. Auch das wird die Wirtschaft spüren. Die Weltbank korrigierte am Mittwoch ihre Wachstumsschätzung für Russland nach unten und erwartet für 2016 nun ein Minus von 0,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Von Januar bis September 2015 ist es bereits um 3,7 Prozent geschrumpft.

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