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Folgen der Finanzkrise : Europas solide Banken hoffen auf weniger Konkurrenz

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Bankenstandort Frankfurt: Die Doppeltürme der Deutschen Bank neben der Helaba. Bild: Fabian Fiechter

Die EZB testet bald die wichtigsten Institute Europas. Dadurch gewonnene Erkenntnisse wollen die starken Geldhäuser nutzen - und schwache Wettbewerber kaufen. „Wir haben zu viele Banken in Europa“, sagt Deutsche Bank-Boss Fitschen.

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          Wichtige Banker und Finanzaufseher hoffen nach dem bevorstehenden „Stresstest“ der europäischen Geldhäuser auf einen Ausleseprozess in der Finanzbranche. „Wir haben zu viele Banken in Europa, die den Fortschritt aufhalten, weil man sie zu lange am Leben erhält“, sagte Deutsche Bank-Chef Jürgen Fitschen während der Finanzkonferenz „Euro Finance Week“ in Frankfurt. Wenn durch den Test tatsächlich erkennbar werde, welche Institute gut und welche schlecht dastehen, könne das Vertrauen in die Branche wiederhergestellt werden.

          Vorstände anderer Institute erwarten nach dem Gesundheits-Check durch die Europäische Zentralbank (EZB) Übernahmen schwächelnder Institute - auch in Deutschland. Der „Stresstest“, den die EZB zusammen mit der in London ansässigen Bankenaufsicht EBA durchführt, soll ergeben, wie gut die größten europäischen Banken gegen Krisen gewappnet sind. Wer schlecht abschneidet, muss damit rechnen, dass sich Anleger abwenden und es somit schwieriger wird, künftiges Geschäft zu finanzieren.

          Den Stresstest und eine eingehende Bilanzprüfung will die Euro-Notenbank durchführen, bevor sie die Aufsicht über die mehr als hundert bedeutendsten Institute der Währungsunion übernimmt. Der für den Aufbau der EZB-Bankenaufsicht zuständige Notenbank-Direktor Yves Mersch nannte die Vereinigten Staaten als Vorbild dafür, wie marode Banken aus dem Markt ausscheiden können, ohne das Finanzsystem zu gefährden. Dort seien seit dem Jahr 2008 knapp 500 Banken abgewickelt worden, ohne dass dies zu Finanzmarktturbulenzen geführt habe. „Auch der Steuerzahler ist weitgehend verschont geblieben. Davon können wir in Europa durchaus lernen.“

          Wie werden Staatsanleihen getestet?

          In Europa seien es weniger als 40 gewesen - zu wenige, sagte der Chef der Bankenaufsicht EBA, Andrea Enria, in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er nannte als Grund dafür, dass die europäischen Regierungen dazu neigten, ihre nationalen Banken im Markt zu halten: „Das hat den Reparaturprozess verlangsamt.“

          Mit Blick auf den Stresstest interessieren sich große Investoren vor allem auch dafür, ob und wie (teilweise) Ausfälle europäischer Staatsanleihen simuliert werden. Das war beim letzten Stresstest vor zwei Jahren noch ein Tabu. Mersch sagte nun, es sei offen, wie sie behandelt würden. Generell bewerteten die Banken die mit Staatsanleihen verbundenen Risiken in den Bilanzen zu unterschiedlich, bemängelte er: „Wir werden auf einheitliche und konservative Bewertungen im Stresstest dringen.“ Dank der vorausgehenden Bilanzprüfung könnten die Aufseher diesmal genauer hinsehen, sagte er. Die zu simulierenden Krisenszenarien sollten im kommenden Frühjahr festgelegt werden, um aktuell zu sein.

          Helaba-Chef erwartet Landesbank-Untergänge

          Als Konsequenz aus dem Test könnten mehr Banken aufgeben oder sich in Fusionen flüchten, um etwaige Kapitalprobleme zu lösen: „Der Konsolidierungstrend setzt sich fort, die derzeitige Regulierung fördert eher Größe“, sagte der Chef der DZ Bank, Wolfgang Kirsch.

          Der Vorstandsvorsitzende der Helaba, Hans-Dieter Brenner, stellt sich darauf ein, dass in den nächsten Jahren nicht alle Landesbanken überleben werden. Er sei nach wie vor der Ansicht, dass drei Landesbanken in Deutschland ausreichten. Derzeit gibt es mit der LBBW, der Bayern LB, der Helaba, der Nord LB und der HSH Nordbank noch fünf größere Landesbanken.

          Wer entscheidet in Europa über die Banken?

          Fusionen und Übernahmen wären auch für EZB-Direktor Mersch eine akzeptable Lösung. Wieder mit Blick auf Amerika lobte er, bei 450 nicht mehr lebensfähigen Instituten hätten die Behörden auf Zusammenschlüsse und Käufe gesetzt. „Sie mussten also nicht vom Steuerzahler geschultert zu werden.“

          In Europa wird derweil noch heftig darüber gestritten, wer darüber entscheidet und zuständig ist, wie eine Bank abgewickelt wird. Die Präsidentin der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Elke König, drängt zur Eile: Die Hebel, mit denen Eigentümer und Gläubiger eines Instituts zu dessen Sanierung oder Abwicklung herangezogen werden können, sollten möglichst schon im Jahr 2015 und nicht wie geplant erst im Jahr 2018 verfügbar sein. Auch der deutsche Finanzstaatssekretär Thomas Steffen sprach sich dafür aus, den Abwicklungsmechanismus schnell in Betrieb zu setzen - „so früh es geht“.

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