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Fitch senkt Rating : Zweifel an Griechenlands Kreditwürdigkeit

  • Aktualisiert am

In Griechenland braut sich etwas zusammen Bild: AFP

Erstmals seit zehn Jahren verliert ein Euro-Staat seine Einstufung als erstklassiger Schuldner. Nach ernsten Drohungen mehrerer Ratingagenturen hat nun Fitch Ernst gemacht und die langfristige Bonitätsnote für Griechenland gesenkt. Die Staatsschulden werden höher als das BIP erwartet.

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          Die Ratingagentur Fitch hat die Kreditwürdigkeit von Griechenland auf „BBB+“ von „A-“ herabgestuft. Der mittelfristige Ausblick für die Entwicklung der Staatsfinanzen mache Sorgen, teilte Fitch am Dienstag mit. Erstmals seit zehn Jahren wird der Euro-Staat damit nicht mehr als sogenanntes A-Land eingestuft. Top-Schuldner wie die Bundesrepublik Deutschland haben mit „AAA“ das beste Rating.

          Der Ausblick für das Land sei negativ, hieß es weiter. Auch eine weitere Herabstufung sei möglich. Der Ausblick könne auf stabil angehoben werden, wenn die Regierung sich zu deutlichen politischen Maßnahmen entschließe. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte bereits am Montag angekündigt, die Einstufung Griechenlands überprüfen zu wollen. Die Nachrichten schickten am Dienstag Bankaktien in Griechenland weiter auf Talfahrt. Der Euro baute seine Verluste ebenfalls aus (Dubai und Griechenland machen Anlegern Angst)

          Staatsschulden höher als das BIP erwartet

          Fitch zeigte sich nicht davon überzeugt davon, dass die geplanten Maßnahmen der Regierung zur Reduzierung der Staatsausgaben und Erweiterung der Steuerbasis ausreichen, um die Schulden mittel- bis langfristig zu reduzieren. Die Verringerung des Haushaltsdefizits im kommenden Jahr um 3,6 Prozentpunkte auf 9,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) sei zwar „machbar“, wegen des Mangels an substanziellen strukturellen Politikmaßnahmen sei aber eine Reduzierung der Schulden in den kommenden drei bis fünf Jahren zu bezweifeln, hieß es. Die Staatsschulden dürften Fitch zufolge auf 130 Prozent des BIP anschwellen, bevor eine Stabilisierung einsetzt.

          Finanzminister Papaconstantinou: Initiativen zur Stabilisierung der Finanzlage nicht umfassend berücksichtigt

          Entschlossenen Schuldenabbau angekündigt

          Griechenland hat nach der Herabustufung einen entschlossenen Schuldenabbau angekündigt. Die Regierung werde alles tun, was nötig sei, um das Haushaltsdefizit zu reduzieren, sagte Finanzminister George Papaconstantinou am Dienstag. Die Entscheidung der Agentur zeige, dass es Griechenland an den Märkten an Glaubwürdigkeit fehle. Fitch habe allerdings die Initiativen der Regierung zur Stabilisierung der Finanzlage nicht umfassend berücksichtigt. Papaconstantinou kündigte Pläne an, Steuern auf einer breiteren Basis zu erheben und überflüssige Maßnahmen aus dem Staatsbudget zu streichen.

          EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte sich schon am Montag besorgt über die drastische Verschuldung Griechenlands geäußert und die Regierung in Athen zu strikter Haushaltsdisziplin aufgefordert. „Die Situation in Griechenland ist sehr schwierig“, sagte der Chef der Europäischen Zentralbank in Brüssel. „Sie bedarf sehr schwieriger und sehr mutiger, aber absolut notwendiger Maßnahmen.“ Er vertraue darauf, dass die Regierung die „angemessenen“ Schritte ergreifen werde.

          Ob sich der Rat der EZB Mitte Dezember mit den Problemen in Griechenland beschäftigen wird, ließ Trichet offen. Experten gehen jedoch davon aus, dass sich die Zentralbank stets mit der Lage der öffentlichen Finanzen in den 16 Euro-Ländern auseinandersetzt, um frühzeitig Probleme zu entdecken. Der Fall Griechenland steht seit einiger Zeit im Mittelpunkt der Diskussionen über die ausufernden Staatsschulden im der Euro-Raum.

          Standard & Poor´s und Moody´s zögern noch

          Standard & Poor´s will die Bonität Griechenlands in zwei Monaten abschließend beurteilen, wie das Unternehmen in London mitteilte. Bis dahin sollten noch zusätzliche Informationen der Regierung zur Reduzierung des Staatsdefizits ausgewertet werden, hieß es weiter. Eine Herabstufung des sogenannten Kreditratings würde den Schuldendienst für die Regierung in Athen verteuern. Zudem könnten die Märkte im Euro-Raum durch einen solchen Schritt deutlich verunsichert werden, ähnlich wie zuletzt durch die Probleme beim Schuldendienst einer regierungseigenen Investitionsgeselsschaft in Dubai.

          Die große Ratingagentur Moody´s hatte Griechenland schon Ende Oktober mit einer Herabstufung gedroht. Eine Entscheidung wird für Anfang des Jahres erwartet. Als ein Zeichen von Marktmisstrauen waren die Kosten für eine Kreditausfallversicherung auf griechische Staatstitel zuletzt stark angestiegen, auf den höchsten Wert der 16 Euroländer.

          S&P geht davon aus, dass sich die griechische Staatsverschuldung ohne ein Gegensteuern der neuen Regierung in Athen im Jahr 2010 auf 125 Prozent der Wirtschaftsleistung erhöhen wird, der höchste Wert der Eurozone. Das laufende Staatsdefizit soll nach neuesten Zahlen 12,7 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmachen - weit mehr als die den Eurostaaten eigentlich erlaubten 3 Prozent.

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