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Finanzmarktregulierung : Hedge-Fonds müssen Anlagestrategie offenlegen

Manager von Hedge-Fonds müssen sich künftig nach einheitlichen Regeln registrieren lassen Bild: REUTERS

Die EU-Finanzminister und das Europaparlament sind sich einig: Sie wollen Hedge-Fonds erstmals einer europaweiten Regulierung unterwerfen. Nur Großbritannien wurde überstimmt. Jetzt müssen die Gremien noch an einigen Details feilen.

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          Manager von Hedge-Fonds und Beteiligungsgesellschaften (Private-Equity) müssen sich künftig nach einheitlichen Regeln registrieren lassen und ihre Anlagestrategien offenlegen. Dies haben die EU-Finanzminister und das Europaparlament beschlossen. Die europaweite Regulierung soll für alle Fonds gelten, die nicht unter die bestehenden EU-Regeln für auf „einfache“ private Anleger ausgerichtete Fonds fallen. Anders als dieser schon länger unstrittige Grundsatz bleibt aber die zentrale Frage offen, wie die EU Fonds und Fondsmanager aus Drittstaaten behandeln will. Dazu haben Finanzminister und das Parlament in ihren Beschlüssen jeweils hohe Hürden vorgesehen, die jedoch unterschiedlich ausgestaltet sind. Bis zum Sommer soll nun ein Kompromiss erzielt werden.

          Werner Mussler

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Neben Hedge-Fonds und Private Equity betrifft die Regulierung auch Immobilien-, Rohstoff- und Infrastrukturfonds. Solche Spezialfonds spielen vor allem in Deutschland eine wichtige Rolle. Sei sollen nach dem Willen des Europaparlaments weniger streng reguliert werden als die Hedge-Fonds.

          Großbritannien überstimmt

          Großbritannien, das von der Regulierung Nachteile für den Finanzplatz London befürchtet, ist am Dienstag im Rat der EU-Finanzminister überstimmt worden. Der amtierende spanische EU-Ratsvorsitz sicherte danach lediglich zu, er wolle Bedenken einiger Mitgliedstaaten zur Drittstaatenregelung in den Verhandlungen mit dem Parlament „berücksichtigen“. Neben den Briten haben auch die Vereinigten Staaten Vorbehalte gegen die vermutete Ungleichbehandlung von Drittstaaten. Bislang regeln die EU-Staaten den Zugang für ausländische Fonds und ihre Manager unterschiedlich.

          Die EU legt Hedge-Fonds an die Leine: Frankreichs Finanzministerin Lagarde (l.) und Wolfgang Schäuble

          Im März hatten die EU-Finanzminister ihrem britischen Kollegen noch zugesagt, eine Entscheidung wegen der Bedeutung des Themas für die Londoner City im Konsens anzustreben. Diese Zusage gilt nach der britischen Unterhauswahl offenbar nicht mehr. „Wir sind eine Gemeinschaft; da gibt es auch Entscheidungen gegen ein einzelnes Mitgliedsland, das kann jeden betreffen“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) in Brüssel. Er glaube, dass die Briten dies auch einsähen. Der zuständige Wirtschaftsausschuss des Parlaments hatte am späten Montagabend in Straßburg mit breiter Mehrheit einer Vorlage des französischen Konservativen Jean-Paul Gauzès zugestimmt, die generell eine noch schärfere Regulierung als der Ministerrat vorsieht.

          „Regulierungslücke“ wird geschlossen

          Schäuble sagte, er erwarte keine allzu schweren Verhandlungen mit dem Parlament. Beide Seiten seien sich einig, dass eine „Regulierungslücke“ geschlossen werden müsse. Der Vorschlag einer EU-weiten Registrierungs- und Auskunftspflicht für Hedge-Fonds geht auf die Überlegung zurück, dass so systemische Risiken besser überwacht, der Anlegerschutz verbessert und der Binnenmarkt für Finanzdienstleistungen ausgebaut werden kann. Fonds, die die Anforderungen der Richtlinie einhalten, sollen einen „EU-Pass“ erhalten, der ihnen EU-weite Tätigkeit und den Vertrieb ihrer Produkte an professionelle Anleger erlaubt.

          Hauptbetroffene der umstrittenen „Drittstaatenregelung“ sind zwei Fälle. Den ersten bilden Manager aus Drittstaaten wie den Vereinigten Staaten, die ihre Fonds in der EU vertreiben wollen. Im zweiten Fall geht es um Fondsmanager mit Sitz in der EU, die Fonds mit Sitz außerhalb der EU in der Union vermarkten. Klassisches Beispiel dafür sind Londoner Manager, dessen Fonds den Sitz aus steuerlichen Gründen auf den Cayman Islands haben. Der jetzt von den Ministern gegen britischen Willen verabschiedete Kompromisstext fordert in beiden Fällen, dass für eine Zulassung ein Teil der neuen EU-Vorschriften erfüllt werden muss und zudem Kooperationsabkommen zwischen den relevanten EU- und Drittstaaten vorliegen müssen. Zusätzlich müssten in beiden Fällen die Fonds oder die Manager in jedem einzelnen EU-Staat einzeln eine Zulassung beantragen. Den „EU-Pass“ erhielten die Manager aus Drittstaaten also nicht.

          Das Parlament schlägt einen anderen Weg vor. Es stellt Managern aus Drittstaaten den Pass zu einer relativ schwer erfüllbaren Bedingung in Aussicht: Sie sollen sich nicht nur zur Einhaltung der EU-Regeln verpflichten, zugleich muss die Aufsichtsbehörde ihres Heimatlandes die Einhaltung der EU-Regeln durch die Manager zusichern. Außereuropäische Fonds könnten nach dem Willen des Parlaments in der EU vertrieben werden, wenn ihre Herkunftsländer bestimmten Standards in der Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorbekämpfung genügen. Die überstimmte britische Regierung will ihre Position nun direkt in die Verhandlungen mit dem Parlament einbringen.

          Wie funktioniert ein Hedge-Fonds ?

          Es gibt nicht „den klassischen Hedge-Fonds“. Der Sammelbegriff fasst verschiedene, voneinander unabhängige Anlagestrategien zusammen. Ihnen gemeinsam ist, dass sie versuchen, weitgehend marktunabhängig ihre Gewinne zu erzielen. Über Absicherungsgeschäfte versuchen sie ihre Verluste zu minimieren. Daher auch der Name: „hedge“ ist der englische Begriff für „absichern“. Eine der bekanntesten Anlagestrategien ist „Equity Market Neutral“ als Aktienmarktstrategie, die über gleichzeitige Wetten auf steigende und fallende Kurse unabhängig vom Gesamtmarkt positive Erträge erwirtschaften soll. Anders als klassische Investmentfonds unterliegen Hedgefonds einer weniger strengen Regulierung und dürfen mit Fremdkapital arbeiten. Im Gegenzug ist ihr Vertrieb eingeschränkt.

          Wieviel Geld wird von Hedge-Fonds verwaltet?

          Wieviele Hedge-Fonds es gibt, und wie viel Geld sie verwalten, lässt sich wegen der geringen Transparenz schwer nachvollziehen. Fest steht: Ihr Aufstieg war rasant. Nach Angaben des Datenanbieters Eurekahedge wurden Ende April weltweit rund 1,5 Billionen Dollar in Hedge-Fonds verwaltet. Deutsche Hedge-Fonds haben dem Branchenverband BAI zufolge derzeit rund 1,5 Milliarden Euro eingesammelt. Bei der Aufsichtsbehörde Bafin sind demnach 34 Hedge-Fonds zum Vertrieb in Deutschland zugelassen.

          Seit wann gibt es Hedge-Fonds?

          Der erste Hedge-Fonds wurde laut BAI-Internetseite 1949 von Alfred Winslow Jones aufgelegt. Zunehmend populär wurden die Produkte Ende der Sechzigerjahre. Damals fand eine Zeitung heraus, dass der Fonds von Jones über einen Zeitraum von zehn Jahren deutlich besser abgeschnitten hatte als der beste traditionelle Fonds. In den Folgejahren profilierte sich George Soros mit seinem „Quantum“-Fonds. Kurz vor der Jahrtausendwende sorgte der wegen der Russlandkrise zusammenbrechende Hedgefonds LTCM von Salomon Brothers für Turbulenzen. In Deutschland wurden die ersten Hedge-Fonds 2004 zugelassen.

          Warum stehen Hedge-Fonds so in der Kritik?

          Die Branche steht am Pranger wegen des Verdachts auf Wetten gegen Währungen, Firmen, Anleihen und ganze Staaten. Den Fonds wird vorgeworfen, sich an der Notlage anderer eine goldene Nase zu verdienen. Zuletzt machten Politiker Hedge-Fonds dafür mitverantwortlich, durch Wetten auf den Zahlungsausfall Griechenlands das Land an den Abgrund getrieben zu haben. (Reuters)







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