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Finanzmärkte : Börsen bleiben nervös

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New York: Die Arbeitslosenquote in Amerika ging im Juli überraschend zurück Bild: AFP

Die Verkaufswelle an den weltweiten Börsen wurde am Freitag zeitweise gestoppt. Die Händler bleiben aber nervös. Nach Veröffentlichung der jüngsten amerikanischen Arbeitsmarktdaten hat der Dax zeitweise ins Plus gedreht, verlor dann aber wieder.

          Die Verkaufswelle an den weltweiten Börsen wurde am Nachmittag zeitweise gestoppt. Die Händler an den Börsen bleiben aber nervös. Nach Veröffentlichung der jüngsten amerikanischen Arbeitsmarktdaten hat der Dax zeitweise ins Plus gedreht, verlor dann aber wieder. Gewinne und Verluste wechselten sich munter ab. Am Freitag schloss der DAX mit einem Minus von 2,8 Prozent auf 6236,18 Punkten und verbuchte die schwärzeste Börsenwoche seit Oktober 2008.

          Die amerikanischen Arbeitsmarktdaten für Juli waren etwas besser als erwartet ausgefallen: Im Juli kamen 117.000 neue Jobs hinzu, wie das amerikanische Arbeitsministerium am Freitag mitteilte. Insgesamt schuf die Privatwirtschaft 154.000 neue Jobs, der Staat baute indes 37.000 Stellen ab.Die Arbeitslosenquote sank leicht von 9,2 auf 9,1 Prozent. Die Zahlen waren nach dem Absturz der Weltbörsen mit besonderer Spannung erwartet worden. Ökonomen hatten nur mit einem Zuwachs zwischen 75.000 und 85.000 neuen Stellen gerechnet. Insgesamt waren im Juli 13,9 Millionen Amerikaner ohne Stelle.

          Präsident Barack Obama unterstrich, dass die Privatwirtschaft mit dem jüngsten Plus nun über 17 Monate Stellenzuwächse erlebt habe. Dies reiche aber nicht aus, um die rund acht Millionen während der Rezession verlorenen Jobs wettzumachen. Nötig sei ein selbsttragender Aufschwung, betonte er. Obama zeigte sich jedoch optimistisch. „Wir werden das hinter uns bringen, die Lage wird sich bessern.“

          „Krisenwerkzeuge anpassen”: EU-Währungskommissar Olli Rehn

          In den vergangenen Tagen hatten Befürchtungen über eine bevorstehende Rezession in den Vereinigten Staaten und die anhaltende Schuldenkrise die weltweiten Aktienmärkte stark belastet. Zumindest die Sorgen über eine erneute Rezession in Amerika könnten nun etwas nachlassen, sagten Beobachter. Unmittelbar nach Veröffentlichungen der Daten drehten die amerikanischen Märkte ins Plus. Am Donnerstag war der Dow-Jones-Index aus Sorge vor einer erneuten Rezession in den Vereinigten Staaten und wegen der Schuldenkrise in Europa um über 500 Punkte abgesackt. Es war der größte Kurssturz seit der Finanzkrise 2008.

          Der Chef des weltgrößten Anleiheinvestors Pimco, Mohamed El-Erian, sprach von einem „Seufzer der Erleichterung“ an den Märkten nach Vorlage der Daten. Es seien „relativ gut“ Zahlen, aber keine großartigen, sagte er dem amerikanischen Wirtschaftssender CNBC.

          Viele Händler bleiben aber skeptisch. Immerhin sei der amerikanische Arbeitsmarkt nur eines von vielen Problemen derzeit. Ein Händler hob hervor, dass die Daten nichts an den Problemen der Eurozone änderten. Kurzfristig sei es aber etwas „Balsam auf die geschundenen Anlegerseelen“.

          Sarkozy und Merkel wollen beraten

          Die Schuldenkrise und die Rezessionsängste haben in der Politik hektische Betriebsamkeit ausgelöst. Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und Bundeskanzlerin Angela Merkel werden heute telefonisch von ihren Urlaubsorten über die Krise beraten. Ein Telefonat der beiden sei geplant, bestätigte ein Regierungssprecher am Freitag in Berlin. Dabei werde die aktuelle Lage in der Eurozone eine Rolle spielen. Das Gespräch soll nach Angaben aus Paris im Laufe des Tages stattfinden. Merkel macht derzeit Urlaub in Südtirol, Sarkozy sonnt sich an der französischen Riviera. Auch der italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi will Regierungskreisen zufolge an diesem Freitag mit mehreren europäischen Spitzenpolitikern telefonieren. Berlusconi habe bereits mit EU-Ratspräsident Herman van Rompuy und dem spanischen Ministerpräsidenten Jose Luis Rodriguez Zapatero per Telefon gesprochen, verlautete aus Regierungskreisen in Rom. Im Tagesverlauf seien weitere Telefonate mit weiteren europäischen Staats- und Regierungschefs geplant.

          Am Donnerstag hatten Äußerungen von Kommissionspräsident José Manuel Barroso an den Finanzmärkten für Verunsicherung gesorgt. Barroso hatte hatte überraschend eine Aufstockung des des 440 Milliarden Euro schweren Euro-Krisenfonds EFSF ins Spiel gebracht, um einen Flächenbrand zu verhindern (siehe Barroso regt Aufstockung des Krisenfonds an). Er erklärte, dass sich die Finanzprobleme inzwischen nicht mehr auf Länder an der Peripherie der Eurozone beschränkten. Er bezog sich damit auf die Tatsache, dass nach den Hilfen für Irland, Griechenland und Portugal inzwischen auch die Lage in Italien und Spanien mit großer Sorge betrachtet wird. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen beider Länder waren zuletzt deutlich gestiegen. Es müsse gewährleistet werden, dass der derzeitige Rettungsfonds EFSF und der künftige Rettungsfonds ESM „angemessen ausgestattet“ seien, forderte Barroso. Die Beschlüsse des Euro-Gipfels vor zwei Wochen hätten nicht ihren „beabsichtigten Effekt“ gehabt, die Märkte zu beruhigen.

          Bei den Euro-Staaten sorgten die Äußerungen für Verärgerung. „Es ist nicht zu erkennen, inwieweit eine Neueröffnung der Debatte nur zwei Wochen nach dem Gipfel zu einer Beruhigung der Märkte beitragen soll“, erklärte das Bundesfinanzministerium.

          Rehn stellt sich hinter Barroso: Rettungsschirm aufstocken

          EU-Währungskommissar Olli Rehn stellte sich derweil hinter Barroso: „Wir müssen bereitstehen, um unsere Krisenwerkzeuge anzupassen“, sagte Rehn weiter. Der milliardenschwere Krisenfonds müsse vor allem „von den Märkten respektiert und als glaubwürdig eingestuft werden“.

          Er bekannte, die Finanzmärkte hätten nicht wie erhofft auf die Entscheidungen des EU-Sondergipfels vom 21. Juli über die Aufstockung der Finanzhilfen für Griechenland und über die Ausweitung der EFSF-Aufgaben reagiert. „Wir hatten Schwierigkeiten, den Märkten die Beschlüsse zu vermitteln.“

          Zudem dürfe man nicht das Gesamtbild außer Acht lassen, sagte Rehn. „Die derzeitigen Turbulenzen betreffen nicht nur Europa, sie haben eine globale Dimension und globale Auswirkungen. Deshalb muss es auch eine globale Lösung geben. Europa spielt und wird weiterhin seine wichtige Rolle in diesem Zusammenhang spielen.“

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