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FAZ.NET-Spezial : Ist Afrika noch zu helfen?

Die Brücke am Müll: Alltag in Kenia Bild: F.A.Z.-Wolfgang Eilmes

Vom 6. bis 8. Juli treffen sich die Regierungschef der großen Industrienationen in Schottland. Premier Tony Blair will, flankiert von Popstars, ein gewaltiges Hilfsprogramm durchsetzen. Ob es nützt? FAZ.NET-Spezial.

          Die Geschichte der Entwicklungshilfe für Afrika ist eine Geschichte von Fehlschlägen und Frustrationen. "Wir haben Milliarden ausgegeben, und wir haben beinahe gar nichts vorzuweisen", sagt Paul O'Neill, der frühere Finanzminister der Vereinigten Staaten.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Längst macht sich Ratlosigkeit und Resignation unter Entwicklungshilfeexperten breit. Die Industrialisierung hat nicht geholfen, die Privatisierungspolitik nicht, der sporadisch getestete Sozialismus nicht. Nicht Rat, nicht Tat, nicht Geld. Und jeden Tag sterben Tausende Kinder.

          Blairs schonungsloser Optimismus

          Die Kenntnis dieser deprimierenden Historie könnte demütig machen und skeptisch gegenüber schlichten Formeln zu Rettung der Dritten Welt. Manche werden statt dessen energisch. Mit schonungslosem Optimismus versucht Großbritanniens Premierminister Tony Blair ein Milliarden-Hilfsprogramm für die Dritte Welt auf dem G-8-Gipfel im schottischen Gleneagle vom 6. bis 8. Juli durchzuboxen. Das Paket ist stattlich: Es sieht eine Verdoppelung der Entwicklungshilfe bis zum Jahr 2010 vor - und zwar um zusätzliche 25 Milliarden Dollar jedes Jahr. Sollte das Geld vernünftig verwendet werden, verspricht der Plan bis 2015 jährlich weitere 25 Milliarden Dollar.

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          Doch die entscheidende Frage ist bisher nicht positiv beantwortet worden: Hilft Hilfe überhaupt? Die Geschichte lehrt anderes: Sechs Länder haben es in den vergangenen Jahrzehnten geschafft, sich von bitterer Armut auf ein deutlich erträglicheres Niveau aufzuschwingen. Brasilien, China, Indien, Thailand, Malaysia und Mauritius sind die Länder, die noch etwas gemeinsam haben: Sie haben diesen Aufschwung ohne Entwicklungshilfe geschafft. Sie erhielten Mittel, die unter einem Prozent ihres Bruttosozialprodukts lagen.

          Ärmer als zuvor

          Exzessive Hilfen haben dagegen vor allem die Länder südlich der Sahara erhalten. Mocambique bekam, so rechnet der langjährige Planungschef des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit Heinrich Langerbein vor, 1995 Stütze in Höhe von 95 Prozent des eigenen Bruttosozialprodukts.

          Ob Tansania, Ruanda oder die Elfenbeinküste - alle erhielten zeitweise Hilfen, die 80 Prozent des eigenen Bruttosozialprodukts entsprachen, und häufig mehr. Zu den öffentlichen Hilfen kamen gewaltige Zuwendungen von Kirchen und Hilfsorganisationen. Auffällig ist laut Langerbein, daß einige Entwicklungsländer nach massiven Hilfen aufblühten, um danach noch hinter das Ausgangsniveau zurückzufallen, ärmer als zuvor.

          Ökonomisch ineffektives „Rent-seeking-Verhalten“

          Die Hilfe hat nicht nur nicht geholfen. Sie hat offenbar sogar geschadet. In den achtziger Jahren war Ghana gefügiger Partner der Weltbank und erhielt überreichlich Unterstützung. Ghana hatte 1992 ein Pro-Kopf-Einkommen von 440 Dollar, im Jahr 2002 von nur noch 270 Dollar. Zur Zeit seiner Unabhängigkeit hatte es nicht nur das höchste Pro-Kopf-Einkommen in Schwarzafrika, sondern war China, Indien und Korea überlegen.

          Entwicklungshilfe wirkt gelegentlich ähnlich wie ein Bodenschatz: negativ. Sie löst ein ökonomisch ineffektives "Rent-seeking-Verhalten" aus. Die Bürger stürzen sich auf die Chance, schnell zu Geld zu kommen, statt ökonomisch sinnvolle Güter und Dienste anzubieten. Sie machen das, indem sie versuchen, Einfluß auf die staatliche Ressourcenverteilung zu nehmen. Die Methoden dazu sind vielfältig, ihre Anwender nicht immer zimperlich.

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