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F.A.Z.-Stellenreport : Back dir deine Zukunft

Mit längeren Wartezeichen rechnen

Der Nahverkehr allein in Hessen sucht bis zum Jahr 2015 knapp 1500 Mitarbeiter, vor allem Fahrer von Bussen und Bahnen, Techniker für die Wartung und Service-Mitarbeiter. In ganz Deutschland seien in den kommenden zwei Jahren mehr als 5000 Stellen in Personennahverkehr zu besetzen, ließ vor wenigen Tagen der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen verlauten. Im Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk (Installateure) hat sich die Zahl der Auszubildenden von 70.439 im Jahr 1996 auf knapp 34.000 im Jahr 2011 mehr als halbiert. Vor allem in den neuen Bundesländern ist sie in dieser Zeit von mehr als 21.000 auf gut 3500 zurückgegangen. Derzeit könne man zwar noch alle Aufträge abarbeiten, heißt es vom Verband. In Zukunft müsse der Kunde aber mit längeren Wartezeiten rechnen - und das in einer Branche, die auch zum Gelingen der Energiewende beitragen soll. Wie überall heißt das Lösungswort Imageverbesserung. Man müsse sich als Arbeitgebermarke profilieren.

Stellenabbau bei Finanzinstituten weltweit

Diese Entwicklung geht von der Deutschen Bahn, die zu besten Fernsehzeiten für sich als Arbeitgeber wirbt, bis hin zum Bäckerhandwerk durch fast alle Branchen und Unternehmen. Die Bäcker wollen sich in diesem Jahr vor allem um Abiturienten kümmern, die bisher das Bäckerhandwerk nicht als erste Adresse beim Berufswunsch auf der Liste hatten. Dazu wird die Grundbotschaft der Kampagne „Back dem Land das Brot“ variiert in „Back dich zum Meister“, „Verkauf dich nicht unter Chef“, „Back dir deine Zukunft“ oder auch „Sei Held der Nacht“ in Anspielung auf den frühen Arbeitsbeginn in diesem Beruf. Die Bäcker sprechen die Jugendlichen in ihren Filialen und in Kinos an. Die deutsche Schmiedeindustrie (250 Unternehmen) stellt Schulen einen Film zur Verfügung unter dem Motto „Massivumformung - Wir schmieden die Zukunft, mit dir als Nachwuchskraft“.

Immer stärker nutzen einzelne Unternehmen auch ihre Internetseiten zur Mitarbeiterakquisition. Allerdings ist hier das Potential noch längst nicht ausgeschöpft, wie eine Analyse von 500 Arbeitgebern durch Christoph Beck von der Hochschule Koblenz in Kooperation mit der GPK Event- und Kommunikationsmanagement GmbH, Wien, ergab. Zwar hätten deutsche Arbeitgeber im Recruiting, also der Personalbeschaffung, große Fortschritte gemacht.

Stellenabbau in Deutschland

Aber nach wie vor würden auch „haarsträubende Fehler“ gemacht, heißt es in der Auswertung der Studie. Sehr viel besser werde zwar die Präsentation der Unternehmen. Fast jedes zweite zeigt Fotos aus dem Arbeitsalltag, bei mehr als 60 Prozent agieren Mitarbeiter als Werbepersonen, knapp 40 Prozent der Unternehmen haben nichts dagegen, dass potentielle Mitarbeiter das Unternehmen erst einmal besichtigen und kennenlernen möchten. Viele Fehler würden aber im Umgang mit Stellenausschreibungen und Bewerbungen gemacht. Stellenausschreibungen ließen oft eine ausgewogene Auskunft über Anreize und Anforderungen vermissen. Und ein Viertel aller Bewerbungen werde nicht direkt, das heißt innerhalb von zehn Tagen nach Eingang, beantwortet.

Angesichts der aktuellen Zahlen scheinen diese Schwierigkeiten etwas realitätsfern. Aber die Beschäftigung der Personalabteilungen mit dem mittel- und langfristig erwarteten Mitarbeitermangel zeigt, dass die derzeitige Stagnation am Arbeitsmarkt nur als kurzfristige Delle eingeschätzt wird. Der Arbeitsplatzaufbau ist ins Stocken geraten. Die vierteljährlich von der F.A.Z. erhobenen Ankündigungen von Stellenstreichungen und Stellenaufbau von mehr als 100 Personen zeigen seit Jahresanfang sogar nach unten.

Neueinstellungen in Deutschland

Im ersten Halbjahr sind mit 30.000 fast doppelt so viele Stellen gestrichen als geschaffen worden. Nachdem große Branchen wie jüngst der Maschinenbau die Wachstumsprognosen für die kommenden Monate reduziert haben, dürfte es schwierig sein, kurzfristig zu einem größeren Arbeitsplatzaufbau zu kommen. Für eine sinkende Arbeitslosigkeit spricht mittelfristig aber schon die Demografie. In fast allen Branchen nimmt das Durchschnittsalter der Belegschaften zu. In den kommenden Jahren wird es einen hohen Ersatzbedarf geben.

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