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Pläne der EZB : Noch mehr Geld nach Südeuropa

  • -Aktualisiert am

Ein Programm zur Unterstützung kleiner und mittelständiger Unternehmen in Südeuropa könnte einen Umfang von bis zu 40 Milliarden Euro haben Bild: dpa

Am kommenden Donnerstag tagen die Notenbanker der EZB. Sie wollen mit bislang noch nie gesehenen Maßnahmen das Wachstum ankurbeln. Es geht vor allem um Kredite an kleine und mittelständische Firmen im Süden Europas.

          Die Europäische Zentralbank will am kommenden Donnerstag das Wachstum in Europa ankurbeln und Deflation verhindern. Das erfuhr die Sonntagszeitung aus Kreisen der Notenbank. Führende Notenbanker signalisierten, dass ein wichtiges Ziel dabei sei, kleine und mittelständische Firmen im Süden Europas wieder mit mehr Krediten zu versorgen. Damit soll die dortige Wirtschaft in Schwung gebracht werden. Das würde auch die zuletzt langsam wachsenden, teilweise sogar fallenden Preise in den Ländern wieder steigen lassen. Der Preisverfall hatte die Furcht vor einer Deflation in Europa genährt.

          Es wird erwartet, dass die EZB in der kommenden Woche die schon sehr niedrigen Zinsen noch einmal senkt. Damit wäre der Leitzins nur noch knapp über null Prozent. Für Banken, die Geld bei der Zentralbank parken, würde der Zins sogar erstmals negativ.

          Führende Zentralbanker planen außerdem ein Programm, das den Unternehmen in Südeuropa zugutekommen soll. Die Banken dort bekommen demnach besonders günstiges langfristiges Geld geliehen, wenn sie im Gegenzug versprechen, es als Kredit an kleine und mittelständische Firmen weiterzugeben. Ein solches Programm könnte einen Umfang von maximal 40 Milliarden Euro haben, ist aus Kreisen der Notenbank zu hören. Es würde aber wohl erst einmal in kleinerer Dimension eingeführt, um die Auswirkungen zu testen. Nach Einschätzung mehrerer Notenbanker würde es vor allem in Südeuropa genutzt, stünde aber auch deutschen Banken zur Verfügung.

          Mario Draghi

          Dieses Programm wird in der kommenden Woche mit Sicherheit das am heißesten diskutierte Thema unter den Zentralbankern sein. Denn damit betritt die EZB bislang unbekanntes Terrain. Die meisten Zentralbanken der Welt verleihen ihr Geld, ohne Bedingungen daran zu knüpfen, was Banken damit machen sollen. Denn sie fürchten, ansonsten den Markt zu verzerren.

          Die Details sind deshalb nach wie vor umstritten - auch wenn unter den Notenbankern weitgehend Einigkeit darüber herrscht, die Sache anzugehen. Sogar Bundesbankpräsident Jens Weidmann soll bereit sein, ein solches Programm zu unterstützen, munkeln seine europäischen Kollegen. Schließlich könnte man damit auch ein anderes Problem beseitigen, das ihn umtreibt. Bislang floss viel von dem Geld, das die EZB den Banken gab, direkt in Staatsanleihen. So finanzierte die EZB indirekt hochverschuldete Staaten, was den Bundesbankern Sorgen macht.

          EZB-Präsident Mario Draghi hatte vor wenigen Tagen im portugiesischen Sintra darauf hingewiesen, dass es sehr große Unterschiede in den Finanzierungsbedingungen kleiner und mittelständischer Unternehmen in Europa gibt. Während in Deutschland nur ein Prozent dieser Firmen Finanzierungsprobleme habe, sei es in Spanien ein Viertel, in Portugal sogar ein Drittel. „Kredithemmnisse bremsen die Erholung der belasteten Länder“, sagte Draghi.

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