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EZB-Monatsbericht : Gemischte Fortschritte in den Krisenländern

  • -Aktualisiert am

Irland gilt als Vorbild in Sachen Reformen gegen die Krise. Bild: dpa

Die finanzschwachen Euroländer scheinen sich langsam aus der Krise zu kämpfen. Vor allem Irland, Spanien und Portugal sind wettbewerbsfähiger, analysiert die EZB. Italien hinkt hingegen hinterher.

          Die Europäische Zentralbank hat in ihrem neuen Monatsbericht ein gemischtes Bild von den Anpassungsfortschritten in den Krisenländern gezeichnet. Zwar haben sich die Leistungsbilanzdefizite zwischen den Jahren 2007 und 2012 stark verringert, in Griechenland etwa von 17 auf knapp 8 Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP). In Irland übersteigen die Ausfuhren inzwischen sogar wieder die Einfuhren.

          Aber die Fortschritte in der Wettbewerbsfähigkeit und Produktivität resultierten zumindest zum Teil aus der Streichung besonders unproduktiver Arbeitsplätze. Das gelte zum Beispiel für Irland, Spanien und Portugal. In Griechenland sei der Beitrag der nominalen Lohnanpassungen zur Senkung der Lohnstückkosten besonders groß gewesen. In Italien habe es dagegen seit dem Jahr 2008 keine Verbesserung der preislichen Wettbewerbsfähigkeit gegeben.

          Schulden privater Haushalte sinken

          Insbesondere in Irland, Spanien und Portugal hat die verbesserte Wettbewerbsfähigkeit zu steigenden Exporten geführt. Von 2008 bis Ende 2012 sind dort deren Weltmarktanteile um 6 bis 9 Prozent gestiegen. Griechenland verzeichnet allerdings trotz um 5 Prozent gesunkener Lohnstückkosten einen Rückgang um 15 Prozent. Italien hat bei steigenden Kosten 5 Prozent seiner Marktanteile eingebüßt.

          Fortschritte gibt es auch bei der Reduzierung der Schulden privater Haushalte. In Griechenland etwa sank die Relation zwischen der privaten Verschuldung der Haushalte und dem verfügbaren Einkommen. Dagegen blieb dieses Verhältnis in Spanien in den vergangenen fünf Jahren nahezu unverändert. Das Ausmaß der Verschuldung der Unternehmen nahm in den meisten Ländern des Euroraums seit dem Jahr 2009 zumindest nicht weiter zu mit Ausnahme in Irland und Finnland. Die Staatsverschuldung stieg zwar fast überall weiter, aber immerhin haben sich die Primärsalden im Haushalt - also Defizit oder Überschuss vor Zahlung von Schuldzinsen - in allen Krisenländern stark verbessert. Besonders deutlich war die Bewegung in Spanien (4 Prozentpunkte), Portugal (6) und Griechenland (13).

          EZB lobt Rentenreformen

          Die EZB weist außerdem auf den Erfolg einiger struktureller Reformen hin. Ein Beispiel dafür sind Reformen der Rentensysteme, durch die die erwarteten künftigen Kosten der Alterung der Gesellschaft reduziert wurden. So ist der für die fünf Jahrzehnte bis 2060 erwartete Anstieg dieser Kosten in Griechenland seit der Prognose im Jahr 2009 von 16 auf 3 Prozent der Wirtschaftsleistung bei der jüngsten Schätzung gesunken.

          Für Spanien halbierte sich dieser Erwartungswert für den künftigen Kostenanstieg auf 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und in Irland sank er von 8,5 auf 5 Prozent. Auch andere Reformen könnten Entlastung bringen. So ist in einigen Ländern der bürokratische Aufwand für die Gründung eines Unternehmens verringert worden. In Griechenland sank die Zahl der für eine Geschäftsgründung benötigten Tage von mehr als 35 auf 11, in Spanien von gut 45 auf weniger als 30.

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