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EZB-Präsidentin : Lagarde warnt vor überstürzten Zinsanhebungen

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Christine Lagarde ist seit 2019 Präsidentin der EZB. Bild: EPA/Thomas Lohnes

Die Inflation habe man im Blick, sagt Christine Lagarde, wolle aber dennoch mit Bedacht vorgehen. Die EZB-Präsidentin will das Bargeld nicht abschaffen und hat eine Idee zum Design neuer Euro-Scheine.

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          EZB-Präsidentin Christine Lagarde hat vor vorschnellen Zinsanhebungen gewarnt. „Wenn wir jetzt überstürzt handeln, könnte die Erholung unserer Volkswirtschaften deutlich schlechter ausfallen und Arbeitsplätze wären gefährdet“ sagte Lagarde dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Die Europäische Zentralbank (EZB) gehe aber vorbereitende Schritte. So werde das Pandemienotprogramm zum Ankauf von Anleihen im März beendet und die EZB werde das Gesamtvolumen ihrer Nettokäufe von Vermögenswerten reduzieren.

          „Das Ende der Nettoanleihekäufe ist Voraussetzung für Zinserhöhungen zu einem späteren Zeitpunkt“, erklärte Lagarde. Auf die Frage, wann der Zeitpunkt gekommen sei, sagte sie: „Derzeit beobachten wir die steigenden Inflationszahlen, die wir in unsere Prognose einbeziehen. Es kann sein, dass die Inflation höher ausfallen wird, als wir im Dezember prognostiziert haben. Das werden wir im März analysieren und dann weitersehen.“

          Keine Sorge wegen Energiewende und Lohnforderungen

          Die Gefahr eines zusätzlichen Preisschubs durch die Energiewende hält die EZB-Präsidentin für gering: „Die aktuellen Auswirkungen der Dekarbonisierung auf die Preise sind minimal, und zwar egal, ob wir über Emissionshandel oder Sondersteuern reden.“

          Auch durch die anstehenden Tarifrunden erwartet sie keinen weiteren Inflationsschub. Es sei zwar verständlich und legitim, wenn Gewerkschaften höhere Lohnforderungen stellten, um die Kaufkraft der Arbeitnehmer zu erhalten. Dass die Lohnabschlüsse den Inflationsprozess beschleunigten, sehe sie derzeit aber "überhaupt nicht“. Die Lohnforderungen seien in den meisten Euro-Ländern, auch in Deutschland, sehr moderat.

          Energiepreise werden wohl nicht weiter so stark steigen

          Bei den Energiepreisen erwartet Lagarde nach eigenen Worten eine Stabilisierung auf hohem Niveau. Die hohen Kosten für Öl und Gas seien zwar kein vorübergehendes Phänomen. Das Preisniveau sei aber jetzt schon sehr hoch. „Der Ölpreis ist von unter 20 Euro im April 2020 auf 90 Euro pro Fass gestiegen, und es ist sehr unwahrscheinlich, dass er in der gleichen Dynamik weitersteigt. Die Inflation wird sich allein schon deshalb verlangsamen.“

          Gleichwohl beobachte die EZB die Auswirkungen der hohen Energiepreise auf die allgemeine Teuerung sehr genau. „Wir werden uns das im März sehr genau ansehen und bei allen weiteren Treffen in den nächsten Monaten. Falls nötig, werden wir handeln. Aber das geht nur Schritt für Schritt.“

          Euro-Bargeld soll bleiben

          Mit Blick auf die Diskussion zur Bargeld-Abschaffung sagte sie, die Menschen seien an Bargeld gewöhnt und wollten es nicht aufgeben. Die Debatte darüber halte sie daher für überflüssig. Auch wenn ein digitaler Euro eingeführt werde, werde es weiter Euro-Münzen und Banknoten geben. Für das EZB-Projekt zur Einführung eines digitalen Euro sprächen private Anbieter, die versuchten, Kryptowährungen zu etablieren: „Dem müssen wir etwas entgegensetzen. Es kann nicht sein, dass mit persönlichen Daten der Nutzerinnen und Nutzer Geld verdient wird.“

          Zudem biete die Technologie für private digitale Währungen auch neue bedenkliche Möglichkeiten, etwa für Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche. „Deshalb sollte die Schaffung eines digitalen Euro ein öffentliches Projekt sein.“

          Für Personen auf den neuen Euro-Scheinen

          Weiterhin sprach Lagarde sich dafür aus, auf den Euro-Scheinen künftig berühmte Europäer wie Leonardo da Vinci, Ludwig van Beethoven oder James Joyce abzubilden. „Ich selbst erinnere mich gern an den Fünf-Franc-Schein mit Victor Hugo, den es vor 50 Jahren in Frankreich gab“, fügte sie hinzu. Derzeit zeigen die Euro-Scheine fiktive Bauwerke.

          „20 Jahre nach der Einführung des Euro ist es an der Zeit, uns zu fragen, ob es etwas gibt, mit dem sich Europäerinnen und Europäer noch besser identifizieren können. Etwas, was wir alle als typisch europäisch wahrnehmen und uns verbindet“, betonte sie. Möglich sei auch ein berühmtes Bild oder ein Baudenkmal.

          Eine je nach Ausgabeland unterschiedliche Gestaltung wie bei den Münzen lehnte sie ab. Ziel sei es, Geschlossenheit zu zeigen. „Es wäre ein Fehler, wenn wir jetzt wieder anfangen würden, nach Ländern zu unterscheiden. Wir sollten herausfinden, was uns eint und verbindet – nicht, was uns trennt.“

          Die EZB plant eine Neugestaltung der Banknoten bis 2024. Dabei sollen die Bürgerinnen und Bürger einbezogen werden.

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