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EZB-Kommentar : Die Zinsen bleiben niedrig

Der Ausstieg aus den Anleihekäufen war lange überfällig. Ein Grund zum Aufatmen ist das aber nicht für die Sparer.

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          Ist nach Jahren ein Ende der ultralockeren Geldpolitik in Sicht? Mit seinem Beschluss, den weiteren Zukauf von Staatsanleihen zu drosseln und Ende 2018 ganz aufzuhören (falls nicht noch etwas dazwischen kommt), hat der EZB-Rat nun scheinbar den „Ausstieg“ angekündigt. Doch das Kaufprogramm bleibt bestehen, sagt EZB-Chef Mario Draghi in dankenswerter Klarheit. Denn längst ist nicht mehr der monatliche Zukauf die entscheidende Größe. Es ist der Bestand von inzwischen 2500 Milliarden Euro an Wertpapieren, vornehmlich Staatsanleihen.

          Die EZB wird diesen enormen Bestand noch lange behalten und auslaufende Papiere durch Reinvestitionen ersetzen. Das drückt faktisch die Zinsen. Am Markt sind von manchen Staatspapieren nur noch kleine Restbestände frei handelbar, den Rest haben die Notenbanken in ihren Kellern verstaut.

          Die Zentralbanken sind in gewisser Weise abhängig geworden von den Nöten der Finanzminister, indem sie in einigen Euroländern ein Viertel oder fast ein Drittel aller Schulen aufgekauft haben. Die jüngsten Turbulenzen in Italien haben Draghi natürlich nicht kalt gelassen, auch wenn er sich bemüht, Ruhe und Zuversicht auszustrahlen.

          Kein Grund zum Aufatmen für Sparer

          Europas Zentralbank bleibt im Krisenmodus und bewegt sich nur ganz vorsichtig Richtung Ausgang. Ihre Bilanzsumme von 4,5 Billionen Euro ist mehr als dreimal so groß wie vor der Finanzkrise. Trotz des vierjährigen Konjunkturaufschwungs liegen die Zinsen auf Null- und Negativlevel.

          Die amerikanische Notenbank ist hingegen schon recht weit vorangekommen mit der Normalisierung der Geldpolitik. Sie hat in dieser Woche zum siebten Mal seit 2015 die Leitzinsen angehoben und beginnt, ihren Anleihenbestand abzuschmelzen. Die EZB ist von einer echten Geldpolitik- und Zinswende noch weit entfernt. Der Ausstieg aus den Anleihekäufen war lange überfällig. Nun muss die EZB handeln, obwohl sich der Konjunkturausblick etwas verdunkelt hat.

          Sollte es in den nächsten Jahren zu einer echten Konjunkturkrise kommen, sähe es düster aus. Die Zentralbank hätte kaum Spielraum zu lockern, weil die Zinsen schon auf extrem niedrigem Niveau liegen. Auch für die Sparer ist die jüngste Entscheidung der EZB kein Grund aufzuatmen. Die Zinsen blieben niedrig.

          Allerhöchstens ganz zum Schluss von Draghis achtjähriger Amtszeit ist denkbar, dass der Einlagezins aus dem Negativbereich gehoben wird. Und selbst das hängt davon ab, ob sich die Konjunktur hält.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

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