https://www.faz.net/-gqe-7v6kl

Eurokrise : EZB erleichtert griechischen Banken Zugang zu Geld

  • Aktualisiert am

Griechenland beging gerade den 70. Jahrestag der Befreiung Griechenlands von Nazi-Deutschland. Bild: dpa

Anleger machen sich wieder mehr Sorgen um Griechenland. Angeblich stellt die Europäische Zentralbank den Banken des Landes einfacher Geld zur Verfügung. Der IWF sorgt sich um Europas Banken insgesamt.

          Die Europäische Zentralbank (EZB) erleichtert angeblich griechischen Banken den Zugang zu Zentralbankgeld. Eine entsprechende Entscheidung sei am Vorabend nach Gesprächen zwischen der EZB, der Athener Regierung und dem Zentralbankchef Griechenlands gefallen, sagte ein Athener Notenbank-Vertreter.

          Demnach will die EZB auf Sicherheiten, die griechische Institute als Pfand für Zentralbankgeld hinterlegen, einen geringeren Abschlag als bisher erheben. Damit hätten die Banken Zugang zu zusätzlichen zwölf Milliarden Euro Liquidität.  „Das ist eine Stützungsmaßnahme, nachdem sich in den vergangenen beiden Tagen Druck aufgebaut hat“, sagte der Zentralbanker. Die EZB wollte sich nicht dazu äußern; der griechische Notenbankchef Yannis Stournaras war am Mittwoch in Frankfurt zur turnusmäßigen Ratssitzung der Euro-Notenbanker gewesen.

          IWF klagt über schwache Euro-Banken

          Die Anteile an griechischen Banken hatten jüngst herbe Kursverluste erlitten während der Leitindex der Athener Aktienbörse binnen zwei Tagen um mehr als elf Prozent nachgegeben hatte. Außerdem sind in jüngst die Renditen zehnjähriger griechischer Staatsanleihen gestiegen - Anleger zweifeln daran, dass Griechenland sich am Markt refinanzieren kann, wenn es vorzeitig auf den internationalen Rettungsschirm verzichten sollte. Der klamme Staat will sich im kommenden Jahr mehrfach an den Finanzmarkt wagen, um so aus dem im Jahr 2010 begonnenen Hilfsprogramm von Internationalem Währungsfonds und Europäischer Union aussteigen zu können.

          Für Unsicherheit sorgt dabei auch, wie es politisch weitergehen wird. Falls es im nächsten Jahr Neuwahlen geben sollte, könnten mit der Syriza-Partei Gegner der internationalen Rettungsaktion an die Macht kommen, fürchten viele Investoren.

           Dabei scheint Griechenland nicht das einzige Euroland zu sein, über das sich Anleger derzeit offenkundig wieder mehr Sorgen machen. Auch Italien gerät in den Fokus. Zwar sind die Renditen italienischer Staatsanleihen immer noch vergleichsweise niedrig. Allerdings berichtet in dieser Woche der einflussreiche deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn davon, dass in den Monaten August und September unter dem Strich 67 Milliarden Euro aus dem Land abgezogen worden seien - Basis seiner Berechnung sind die sogenannten Target-Salden.

          Unterdessen beklagt der Internationale Währungsfonds (IWF), dass viele große Banken auf der ganzen Welt nicht über ein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell verfügten. Eine internationale Vergleichsstudie belege dies, sagt der für Geld- und Kapitalmärkte zuständige Direktor Jose Vinals an diesem Donnerstag auf der Jahrestagung des britischen Bankenverbandes in London. Von den 300 weltweit untersuchten Finanzinstituten hätten nur 60 Prozent ein Geschäftsmodell, das auf Dauer eine nachhaltige Rendite verspreche. Besonders schlecht stünden Geldhäuser der Währungsunion im Schnitt dar: „Lediglich rund 30 Prozent der Banken in der Euro-Zone erfüllen die Anforderungen dafür, in den Vereinigten Staaten sind es hingegen rund 80 Prozent.“

          Die EZB, die ab November die Aufsicht über die größten Banken der Währungsunion übernimmt, prüft die Geldhäuser seit Monaten auf Herz und Nieren. Die EZB-Untersuchung setzt sich zusammen aus einem Bilanzcheck und einem Stresstest. Die Ergebnisse des Bilanzchecks sind Ausgangspunkt für den Stresstest, in dem eine Krise simuliert wird. Die Ergebnisse der seit Monaten laufenden Überprüfung der 130 größten Banken des Kontinents sollen am 26. Oktober veröffentlicht werden.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Spitzenfrauen : Harmonie auf Zeit

          Nachdem die Personalien geklärt sind, geht es politisch bald ans Eingemachte: Mindestlohn, Arbeitslosenversicherung, Rüstungsexporte. Die mächtigsten Frauen Europas – Kramp-Karrenbauer, von der Leyen und Merkel – könnten sich dabei in die Quere kommen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.