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EZB : Banken sollen mit Staatskrediten vorsichtiger werden

  • Aktualisiert am

Peter Praet ist Chefvolkswirt der Europäischen Zentralbank. Bild: Rosenkranz, Henner

Staatsanleihen könnten bald als unsicherer gelten. Die Europäische Zentralbank will, dass Banken auch für sie Kapital zur Sicherheit vorhalten. Sie verspricht sich davon zwei Vorteile.

          Staatsanleihen galten bis vor der Finanzkrise als risikolose Anlageklasse. Banken mussten und müssen deswegen bisher kein Kapital als Sicherheitspuffer vorhalten, wenn sie Regierungen Geld leihen. Anders ist das, wenn sie in Aktien und Immobilien investieren oder Firmen Kredite geben - die Quoten befinden sich nicht selten im zweistelligen Prozentbereich.

          Nun hat besonders die Krise der Europäischen Währungsunion gezeigt: Natürlich kann es auch vorkommen, dass Staaten aufgenommene Kredite nicht oder nur teilweise zurückzahlen können. Infolgedessen gibt es viel Kritik an diesen Bilanzierungsstandards, die darauf abzielt, dass Banken quasi einen Anreiz haben, gerade die öffentliche Hand zu finanzieren.

          Die Europäische Zentralbank will das offenbar ändern. Und dafür den im kommenden Jahr anstehenden „Gesundheitscheck“ der 130 größten europäischen Banken verwenden. Das deutete EZB-Direktor Peter Praet gegenüber der „Financial Times“ an.

          Der große Gesundheitscheck

          Würden Staatsanleihen gemäß den „Risiken behandelt, die sie für das Kapital der Banken“ während des Gesundheitschecks  darstellten, würden die Geldhäuser die von der Zentralbank bereitgestellte Liquidität seltener verwenden, um solche Papiere zu kaufen, sagte Praet.

          Der Gesundheitscheck, den die EZB im kommenden Jahr federführend vornimmt, umfasst eine eingehende Prüfung der Bankbilanzen und außerdem einen sogenannten Stresstest, in dem simuliert wird, wie gut die Banken gegen bestimmte Krisenszenarien gerüstete sind.

          Die Euro-Notenbank will mit dem Gesundheitscheck ihre eigene neue Rolle vorbereiten: Ab Ende des kommenden Jahres soll sie die bedeutendsten Banken der Währungsunion beaufsichtigen. Wie Praet weiter sagte, will sie in dieser Rolle für strengere Anforderungen für das Halten von Staatsanleihen sorgen. Er ist unter den Entscheidern in der EZB übrigens nicht alleine mit seiner Ansicht: Bundesbankpräsident Jens Weidmann verlangt das und auch der EZB-Direktor Yves Mersch äußerte sich schon dahingehend.

          Daraus folgen womöglich gleich zwei Vorteile: Einmal wären Banken und Staaten nicht mehr so abhängig voneinander. Zudem erhofft sich die EZB, dass die Banken die üppige Liquidität der Zentralbank künftig eher als Kredite an Unternehmen und Haushalte ausgeben. Eine strenge Bilanzprüfung und ein guter Stresstest könnten so „paradoxerweise der Geldpolitik helfen“ zu funktionieren, sagte Praet. Bisher sorgt sich die Zentralbank darum, dass die expansive Geldpolitik vor allem dort, wo sie gebraucht wird, nicht ankommt.

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