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Export treibt das Wachstum : Südkorea lässt die Covid-Rezession hinter sich

Passanten im Zentrum Seouls Bild: dpa

Die Exporte legen rasant zu, das Wirtschaftswachstum im dritten Quartal beträgt fast 2 Prozent: Südkorea kommt mit Schwung aus der Rezession. Das liegt an China, dem guten Umgang mit der Pandemie – und der Ausbreitung des Homeoffice.

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          Südkorea lässt die Covid-Rezession mit Schwung hinter sich. Im dritten Vierteljahr wuchs das Bruttoinlandsprodukt preisbereinigt um 1,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Treibende Kraft war der Export, der im Zeitraum von Juli bis September nach den vorläufigen Angaben der Bank von Korea um 15,6 Prozent zulegte und damit so stark wie seit 34 Jahren nicht mehr.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Das Land profitiert von der wirtschaftlichen Erholung in China, aber auch von der großen Nachfrage nach seinen Technik-Produkten wie Halbleiter. Die Elektronik-Branche mit Unternehmen wie Samsung Electronics oder SK Hynix gewinnt mit der als Folge des Rückzugs ins Heimbüro global erhöhten Nachfrage nach Computern und anderen Elektronikgeräten. Diese Nachfrage übertrug sich zuletzt auch in steigende Investitionen in Maschinen und Transportausrüstungen.

          Erfolgreich gegen das Virus

          Die zwölftgrößte Volkswirtschaft der Welt fährt aber auch die Früchte einer schnellen und oft gelobten Reaktion auf die Corona-Pandemie ein. In den ersten Wochen der Pandemie, bevor die Infektionszahlen im Westen in die Höhe schnellten, war Südkorea das Land, das nach China am stärksten von dem Virus heimgesucht wurde. Mit strengen Hygiene- und Quarantänemaßnahmen aber hielt Korea das Virus weitgehend in Schach. Einen generellen Zwangsstillstand („Lockdown“) vermied das Land. Seit Februar zählt Südkorea rund 26.000 Infizierte und 457 Tote. Das sind 9 Tote je eine Million Einwohner. In Deutschland sind es 121 Tote je eine Million Einwohner.

          Die Rezession im ersten Halbjahr fiel so deutlich schwächer aus als in anderen Industriestaaten. Für das Gesamtjahr erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF) eine Schrumpfung der Wirtschaftsleistung um 1,9 Prozent. Alex Holmes von Capital Economics setzt ein Minus um 1 Prozent an. Auch das wäre so schlecht wie seit 1998 nicht mehr, als Südkorea von der Asienkrise getroffen wurde. Aber es wäre weit besser als in den meisten Mitgliedsstaaten der G20-Gruppe der großen Industriestaaten und Schwellenländer.

          Die Aussichten für eine andauernde Erholung sind gut. Erste Handelsdaten für den Oktober deuten auf einen weiteren Anstieg der Ausfuhr hin. Der Ausbau von Datenzentren und der 5G-Telefoninfrastruktur dauere an, betont Holmes in seiner Analyse. Das hilft den Elektronikunternehmen.

          Auch gibt es Hoffnung für den Konsum. Korea bekam das Aufflammen der Infektionszahlen im Spätsommer weitgehend unter Kontrolle. Staatlich begünstigte Einkaufskampagnen beginnen jetzt wieder und könnten den zuletzt leicht geschrumpften privaten Konsum stützen.

          Nicht zuletzt darf die Wirtschaft Anschub von der Fiskalpolitik erwarten. Die Regierung will die Staatsausgaben laut Etatentwurf im kommenden Jahr um 8,5 Prozent steigern. Damit wird der zusätzliche Ausgabenspielraum, den das Parlament in diesem Jahr in vier Nachtragshaushalten zur Linderung der Covid-Krise gewährt hatte, faktisch verstetigt. Der IWF prognostiziert für Korea für 2021 ein Wachstum von 2,9 Prozent. Holmes von Capital Economics schließt auch ein Plus um 5 Prozent nicht aus. Diese Prognosen stehen unter dem Vorbehalt, dass die neuen Infektionswellen im Westen die Weltwirtschaft nicht belasten.

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