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Europas Schuldenkrise : Die Target-Salden entspannen sich

Die Europäische Zentralbank wertet die Entwicklung der Target-Salden positiv Bild: dpa

Die negativen Target-Salden der europäischen Krisenländer sinken. Der Rückgang der Salden wird als Erfolg gewertet und soll eine gewisse Entspannung der Euro-Krise signalisieren.

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          Die Ungleichgewichte in den Zahlungsbilanzen der Eurostaaten, die im vergangenen Sommer extrem angestiegen waren, bilden sich nach und nach zurück, doch bleibt ein hohes Niveau. Im Juni sind die sogenannten Target-2-Salden, die Forderungen und Verbindlichkeiten der Zentralbanken untereinander zeigen, weiter gesunken, allerdings nur noch in kleinen Schritten. Die Forderungen der Bundesbank gegen das Euro-System sanken von 589 auf 575 Milliarden Euro. Die Bundesbank ist damit weiter mit Abstand größter „Gläubiger“ des Eurosystems, doch lag ihr Target-Saldo im vergangenen August in der Spitze bei 751 Milliarden Euro. Auch die Salden der Niederlande, Luxemburgs und Finnlands sind gesunken und lagen zur Jahresmitte um einige Milliarden niedriger bei gut 200 Milliarden Euro.

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          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Umgekehrt haben sich die negativen Salden der Krisenländer verringert, seit die größte Unsicherheit über die Euro-Krise und damit die Kapitalflucht zurückgegangen ist. Spaniens Negativsaldo hat sich seit August 2012 von 434 auf 283 Milliarden Euro verringert. Italiens Negativsaldo fiel auf 222 Milliarden Euro, Portugals sank auf 63 Milliarden Euro, der Irlands und Griechenlands erstmals seit rund drei Jahren unter 60 Milliarden Euro. „In den am stärksten betroffenen Krisenländern sind die Target-2-Verbindlichkeiten seit August 2012 um fast 30 Prozent gesunken“, betonte der Volkswirt Heiko Peters von der Deutschen Bank. Die Target-Salden wurden oft als eine Art Fieberkurve der Euro-Krise angesehen: Der Target-Rückgang signalisiere somit eine gewisse Entspannung.

          Hans-Werner Sinn bleibt kritisch

          Über das Target-System fließen Geldströme zwischen den Zentralbanken der Eurozone. Die in der Krise stark gestiegenen Salden sind Spiegelbild von Zahlungsbilanz-Ungleichgewichten. Die Negativsalden der Krisenländer sind zum einen durch Leistungsbilanzdefizite (mehr Import als Export) begründet, denen kein privater Kapitalzufluss entgegensteht. Noch mehr hat die Kapitalflucht aus Südeuropa die Target-Salden getrieben. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) im Sommer 2012 mit dem umstrittenen Versprechen, notfalls unbegrenzt Anleihen aus Krisenländern zu kaufen (OMT-Programm), die Märkte beruhigt hat, ist die Kapitalflucht zurückgegangen. Die Target-Salden können für die Gläubiger-Zentralbanken ein Risiko sein, weil sie bei einem Auseinanderbrechen der Eurozone auf Forderungen sitzenbleiben könnten.

          Während die EZB den Rückgang der Target-Salden als Erfolg werteten, bleibt der Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn, kritisch, der die Risiken von Target hervorgehoben hat. „Der absolute Rückgang der Target-Salden wird durch die Marktberuhigung durch das OMT, den Rückgang der Geldmenge seit dem Sommer 2012 und vor allem durch den Ersatz der Target-Kredite durch die Rettungskredite der Staatengemeinschaft erklärt, die die Salden unmittelbar eins zu eins reduzieren.“ Im Falle Griechenlands sei der Rückgang aber Augenwischerei. Er werde durch die Auszahlung der Hilfskredite erklärt. „Man packte die Schulden nur zwischen verschiedenen öffentlichen Gläubigern um“, kritisierte Sinn.

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