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Europas Schuldenkrise : Die Mogelpackung der deutschen Banken

  • -Aktualisiert am

Männer auf dem Weg: Finanzminister Wolfgang Schäuble (l.) neben Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Bild: dpa

Die Banken beteiligen sich an der Rettung der Griechen. Behaupten sie zumindest. In Wirklichkeit lassen sie sich vom Staat teilweise auszahlen - und bekommen dafür auch noch großes Lob.

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          Stellen Sie sich vor, wir retten die Griechen - und keiner macht mit. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann stellt sich vor die Kameras und verkündet, dass die Banken es sich nicht leisten können, den Griechen noch mehr Kredit zu geben. Und die Chefs der großen Versicherungen, die eigentlich viel Geld zu vergeben hätten, schütteln den Kopf: Sie seien schließlich nicht wahnsinnig und außerdem ihren Versicherten verantwortlich.

          Undenkbar? Einerseits ja: Solch ehrliche Worte fallen in der Öffentlichkeit nicht. Andererseits nein: Denn nichts anderes passiert gerade in Deutschland, als dass die Steuerzahler allein weiter retten. Nur behaupten Politik und Banken das Gegenteil, damit es die Leute nicht merken.

          Erst gibt es laute Appelle des Finanzministers, darauf folgen kleine und große Treffen. Schließlich verkünden der Finanzminister und der oberste Banker der Republik am vergangenen Donnerstag, dass es geschafft ist: Die Banken beteiligen sich - freiwillig (siehe Banken sollen Athen mit 3,2 Milliarden Euro helfen). Die Finanzwirtschaft habe an einer Lösung mitgearbeitet, weil sie sich in der Verantwortung sehe, lobt der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, sich selbst. Das klingt gut - viel zu gut.

          Denn es ist äußerst fraglich, ob das Modell, auf das sich die Finanzwirtschaft mit der Politik verständigt hat, tatsächlich den Rettern hilft - oder vielleicht doch wieder nur den Banken. „Ich sehe die große Gefahr, dass das eine Mogelpackung wird, die den Steuerzahler am Ende nicht entlastet, sondern belastet“, sagt Clemens Fuest, Finanzwissenschaftler in Oxford. Durch die komplizierte Konstruktion der Bankenbeteiligung werde das womöglich nur noch verschleiert.

          Irreführendes Modell

          Im Detail ist noch nicht bekannt, wie die Lösung aussieht - daran wird noch gearbeitet. Doch eins hat Josef Ackermann klargestellt: Sie wird sich am französischen Modell orientieren. Das ist reichlich kompliziert (siehe Grafik) und erreicht damit vor allem eins: Die Beteiligung der Banken sieht größer aus, als sie ist. Im Fall der deutschen Banken geht das französische Modell so: 3,2 Milliarden Euro werden sie geben, so wurde es verkündet.

          Davon stammen allerdings 1,2 Milliarden von Banken, die sowieso schon in Staatshand sind, wie die Abwicklungsanstalt der Pleitebank HRE. Die verbleibenden 2 Milliarden sind erst einmal nur die Summe der Griechenland-Papiere der Banken, die bis 2014 auslaufen. Diese 2 Milliarden erhalten die Banken also zunächst von Griechenland zurück. Dann aber sollen sie das Geld in neue griechische Staatsanleihen investieren, die - so das Modell der Franzosen - eine Laufzeit von 30 Jahren haben. Allerdings nicht komplett, sondern nur zu 70 Prozent. 30 Prozent behalten die Banken in bar.

          Es ist also irreführend, wenn der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken, Michael Kemmer, sagt: „Mit ihrem Beitrag von 3,2 Milliarden Euro beteiligt sich die deutsche Finanzwirtschaft zu 100 Prozent ihrer bis 2014 fälligen Investments an der Lösung der Griechenland-Krise - und mehr als 100 Prozent geht nicht.“ Es sind nur 70 Prozent - und mehr als 70 Prozent ginge sehr wohl.

          Investoren werden belohnt

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