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Europäische Märkte : Gelassene Reaktion auf Zinserhöhung

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die Märkte reagieren mit Optimismus auf die Entscheidung der EZB zur Zinserhöhung. Auch Portugals Hilfegesuch führt zur Erleichterung. Der Höhepunkt der Krise in der Währungsunion könnte bald überstanden sein.

          Die Finanzmärkte haben auf die erste Zinserhöhung der Europäischen Zentralbank (EZB) seit der schweren Finanzkrise und auf das offizielle Hilfegesuch Portugals bei der EU-Kommission mit verhaltenem Optimismus reagiert. Die Anhebung des Hauptrefinanzierungssatzes der EZB von 1 auf 1,25 Prozent wurde als Signal gewertet, dass sich nicht nur die Volkswirtschaften in den Kernländern der Währungsunion sondern auch in der Peripherie so weit erholen, dass auf die expansive Notpolitik aus den Krisenzeiten langsam verzichtet werden kann. Gleichzeitig wurde die Ankündigung der portugiesischen Regierung, von der EU Hilfe und eine Brückenfinanzierung zu erbeten, als Zeichen gewertet, dass der Höhepunkt der Krise in der Währungsunion mit den Wackelkandidaten Griechenland, Irland und Portugal bald überstanden sein könnte.

          Der Wechselkurs des Euro gab dennoch von 1,4349 Dollar am Mittwoch auf 1,4295 Dollar nach, zumal EZB-Präsident Jean-Claude Trichet sagte, der Zinsschritt sei nicht notwendigerweise die Auftakt einer Serie von Zinserhöhungen. Da Zinserhöhungen in der Regel von einem Abfluss der Anlagegelder von den Anleihen- in die Aktienmärkte begleitet werden, hielten sich die europäischen Aktienmärkte stabil. Der Dax verteidigte das Niveau von 7200 Punkten.

          „Ein Hilfegesuch von Spanien kommt überhaupt nicht in Frage“

          Der portugiesische Finanzminister Fernando Teixeira dos Santos wird am heutigen Freitag in Budapest mit den Vertretern der Währungsunion und EU-Kommission Einzelheiten des Hilfegesuches einer Brückenfinanzierung besprechen. Es macht für Portugal keinen Sinn mehr sich am Kapitalmarkt zu kräftigen Risikoaufschlägen zu refinanzieren. Am Mittwoch musste das Land für Schatzwechsel 5,11 und 5,9 Prozent zahlen. Griechenland zahlt für seine Hilfe der ersten drei Jahre 3,5 Prozent, Irland versucht, seinen Zins von 5,8 Prozent nach zu verhandeln. Portugal muss diesen April Staatsanleihen in Höhe von 4,7 Milliarden Euro, im Juni von 5 Milliarden Euro und im Juni kommenden Jahres von 8,5 Milliarden Euro tilgen. Hinzu kommen von Juli bis Oktober monatlich Tilgungen in Höhe von 1,4 Milliarden Euro Schatzwechsel. Eine Hilfe für Portugal ist auch deshalb notwendig, weil sich portugiesische Banken am Interbankenmarkt kaum noch finanzieren können und auf die Hilfe der EZB angewiesen sind. Portugals Rendite auf Staatsanleihen mit zehn Jahren Restlaufzeit ist auf 8,465 Prozent gestiegen.

          Die Überzeugung an den Märkten, Spanien müsse mit seiner wesentlich niedrigeren Schuldenquote trotz der Kapitalisierung seines Bankensektors nicht um Hilfe nachfragen, ließ die Rendite spanischer Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit nach dem Hilfegesuch Portugals bei 5,26 Prozent praktisch unverändert. Spanien schaffte es gar, eine dreijährige Anleihe mit einer Durchschnittsrendite von 3,568 Prozent am Markt zu platzieren. Das war weniger als Spanien noch im März für eine ähnliche Emission mit 3,92 Prozent bieten musste. „Ein Hilfegesuch von Spanien kommt überhaupt nicht in Frage“, betonte die spanische Finanzministerin Elena Salgado.

          Kräftige Preissprünge

          Aufgrund der geplanten Kapitalerhöhungen der Commerzbank und der Intesa, der erwarteten Hilfe für Portugal und angesichts der für Banken positiven Zinserhöhung der EZB legten die Aktienkurse zahlreicher europäischer Banken am Donnerstag kräftig zu. Die Risikoprämien, die am Markt für Kreditausfallversicherungen für Banken-Schuldverschreibungen gezahlt werden müssen, gaben deutlich nach. Eine Rettung Portugals entlastet all die Institute, die portugiesische Staatsanleihen halten. Innerhalb der Währungsunion sind deutsche Banken mit einem Bestand von 12,08 Milliarden Euro portugiesischer Staatsanleihen die größten ausländischen Gläubiger, die von Hilfsmaßnahmen gegenüber Portugal profitieren. Nur die portugiesischen Banken selbst halten mit 16,63 Milliarden Euro mehr Staatsanleihen des Landes. Selbst spanischen Banken mit 6,81 Milliarden Euro und französische Banken mit 4,86 Milliarden Euro sind deutlicher weniger von der portugiesischen Staatsmisere betroffen.

          Am Donnerstag schnellten die Aktienkurse vor allem der portugiesischen Banken in die Höhe, allen voran der Banco Espirito Santo SA und der Banco Comercial Portugues SA. Aber auch andere Institute verzeichneten kräftige Preissprünge. Nur die Aktie der Commerzbank brach um 4 Prozent wegen der befürchteten Verwässerung durch die Kapitalerhöhung ein.

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