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Eurokrise und ihre Folgen : Das Damoklesschwert der Euroaufwertung

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Denn die Schweiz ist damit zumindest eine Art „Gast“ des Eurogebiets geworden und vergrößert so im Eurolager den Anteil der gut funktionierenden nationalen Volkswirtschaften. Das treibt zur Freude der Amerikaner den Euro nach oben. China stabilisiert den Renminbi gegenüber dem Dollar und dem Euro durch massive Devisenmarktinterventionen. Da Chinas Volkswirtschaft in einer ganz anderen Liga spielt als die Schweiz, kann diese Politik nur gelingen, wenn sie von umfangreichen Kapitalverkehrskontrollen begleitet wird.

Ohne diese gäbe es einen „Run“ auf den Renminbi, gegen den alle Devisenmarktinterventionen der chinesischen Zentralbank machtlos wären. Die Nichtkonvertibilität zwischen Renminbi und Dollar ist damit die Voraussetzung dafür, dass China seine sehr großen Exportüberschüsse aufrecht erhalten kann. Der Weg der Devisenmarktintervention zwecks Aufrechterhaltung eines Exportüberschusses steht dem Euroraum nicht offen. Denn es ist im Rahmen der weltweiten Wirtschaftsdiplomatie völlig undenkbar, dass der Euroraum die Freiheit des Kapitalverkehrs zwischen dem Euroraum und der übrigen Welt preisgibt.

Insbesondere die Vereinigten Staaten würden einen solchen Schritt nicht tolerieren. Bilden selbst im Keynes-Szenario nicht die Vereinigten Staaten eine gewichtige Ausnahme von dem Gesetz des Abschmelzens der Leistungsbilanzüberschüsse und -defizite? Weil der Dollar doch die Weltwährung und insbesondere die führende Anlagewährung für die Devisenreserven der Zentralbanken ist, weshalb wegen der entsprechenden Dollar-Nachfrage im Ausland kein Abwertungsdruck für den Dollar entsteht, auch wenn die Vereinigten Staaten ein Leistungsbilanzdefizit ausweisen.

Das ist richtig, jedoch für die Zukunft immer weniger relevant. In der Rezession der jüngsten Finanzkrise benötigten die Vereinigten Staaten selbst bei einer Niedrigzinspolitik der Zentralbank ein Haushaltsdefizit von rund 8 Prozent des Bruttosozialprodukts, um die Gesamtnachfrage zu stabilisieren. Da der politische Druck auf einen ausgeglichenen Haushalt sehr groß ist, muss jede amerikanische Regierung Mittel und Wege finden, wie sie der Bevölkerung Prosperität ohne Staatshaushaltsdefizite verschaffen kann. Die Antwort ist „Re-Industrialisierung“ der Vereinigten Staaten.

Die Industriegüter sollen in stärkerem Maße zu Hause produziert werden und in geringerem Maße importiert werden als bisher. Der Nachfrageausfall, der durch die Verminderung des bundesstaatlichen Defizits verursacht wird, soll durch einen Abbau des Importüberschusses kompensiert werden. Vieles, nicht zuletzt die Energiepolitik der Vereinigten Staaten und die ansteigende Sparneigung der Bevölkerung, spricht dafür, dass das amerikanische Leistungsbilanzdefizit vollständig verschwinden wird. Die traditionelle „Konjunkturlokomotive“ Amerika wird somit wegfallen.

Sollte das Keynes-Szenario das richtige sein, dann schwebt über dem Euroraum das Damokles-Schwert der Euroaufwertung. Noch sorgt die Unregierbarkeit Italiens für Unsicherheit über den Fortbestand des Euro. Noch gewährt die „Berlusconomics“ der deutschen Exportwirtschaft mit einem schwachen Euro einen Hoffnungsfaden, an dem das Damoklesschwert in der Schwebe gehalten wird. Wird das Ziel der Euro-Stabilisierung tatsächlich erreicht, muss wegen der Euroaufwertung mit massiven Arbeitsplatzverlagerungen aus Deutschland heraus gerechnet werden. Die Amerikaner und Chinesen werden weiter deutsche Autos kaufen, aber es sind dann nur solche, die in den Vereinigten Staaten und China hergestellt werden.

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 Unsere Autorin: Anna-Lena Ripperger

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