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Eurokrise und ihre Folgen : Das Damoklesschwert der Euroaufwertung

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Staatsschulden müssen kein Bonitätsproblem bedeuten

Der wahrscheinlichste Kandidat ist die Leistungsbilanz. Die Staatsschuldenkrise hat uns gezeigt, dass nur solche Staaten ihre Bonität verlieren, die nicht nur vergleichsweise hohe Staatsschulden haben, sondern auch Leistungsbilanzdefizite aufweisen. Japan hat trotz sehr hoher Staatsschulden kein Bonitätsproblem; denn der Kapitalmarkt versteht, dass sich der japanische Fiskus im Saldo vollständig durch Inländer finanzieren kann, die ihre Ersparnisse in Yen anlegen möchten. Und diese Inländer können notfalls immer höher besteuert werden, wenn es mit der Refinanzierung der Staatsschulden eng werden sollte.

Ein Land wie Griechenland mit geringerer Staatsverschuldung als Japan, aber mit einem ehemals enorm hohen Leistungsbilanzdefizit verliert eines Tages das Vertrauen des Kapitalmarktes, weil es „über seine Verhältnisse“ lebt, was Japan bisher nicht tut. Japan kann sich „Abenomics“ leisten, Griechenland nicht. Man kann für das Keynes-Szenario somit erwarten, dass Währungsgebiete mit Leistungsbilanzüberschüssen eine Aufwertung ihrer Währung erleben, während Länder mit Leistungsbilanzdefiziten einer Abwertung ihrer Währung entgegensehen können. Damit aber werden die Leistungsbilanzsalden allmählich abschmelzen.

Die Aufwertung bei den A-Ländern erschwert deren Exporte und erleichtert deren Importe, so dass der Exportüberschuss zurückgeht. Die Abwertung bei den B-Ländern erschwert deren Importe und erleichtert deren Exporte, so dass der Importüberschuss zurückgeht. Die Außerkraftsetzung des Steuerungsinstruments „Zins“ im Keynes-Szenario trifft die verschiedenen Währungsgebiete mit unterschiedlicher Härte. Währungsgebiete mit wachsender Bevölkerung und unterdurchschnittlicher privater Spartätigkeit, wie zum Beispiel die Vereinigten Staaten, werden wesentlich weniger geschädigt als Währungsgebiete mit schrumpfender Bevölkerung und hoher privater Spartätigkeit, wie zum Beispiel der Euroraum.

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Anders gesagt: Die B-Länder des Friedman-Szenarios haben es im Keynes-Szenario besser als die A-Länder des Friedman-Szenarios. Im Friedman-Szenario steuert das Zinsdifferential den Kapitalexport von den A-Ländern in die B-Länder. Im Keynes-Szenario verschwinden die Zinsdifferentiale und mit ihnen auf Dauer auch die Leistungsbilanzsalden zwischen den Währungsgebieten. Im Keynes-Szenario kann somit erwartet werden, dass der Euro stark aufwertet, sobald die Staatsschuldenkrise überwunden ist.

Denn in allen Ländern des Euroraums ist die private Spartätigkeit unter Bedingungen der Prosperität wesentlich höher als die dauerhaft zu erwartenden privaten Investitionen. Wenn es dann gemäß der Schuldenbremse auch keine Nettoneuverschuldung der Staaten gibt, dann kann die Prosperität nur aus den Exportüberschüssen, also aus dem Kapitalexport, kommen. Aber unter den Bedingungen des Keynes-Szenarios schmelzen die Exportüberschüsse weg, weil der Euro so lange unter Aufwertungsdruck steht, wie es diese Exportüberschüsse noch gibt.

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