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Eurokrise und ihre Folgen : Das Damoklesschwert der Euroaufwertung

  • -Aktualisiert am

Die Inflation muss nicht importiert werden

Es ist auch kompatibel damit, dass es Währungsgebiete gibt, die im Saldo Kapital exportieren, und dass es andere Währungsgebiete gibt, die im Saldo Kapital importieren. Die Gruppe A von Ländern mit Nettokapitalexporten verfügen auch über einen Exportüberschuss bei Waren und Dienstleistungen. Die zweite Gruppe B von Ländern mit Nettokapitalimporten weist auch einen Importüberschuss bei Waren und Dienstleistungen auf. So sind die Vereinigten Staaten seit langem ein Importüberschuss-Land mit Nettokapitalimporten, also ein B-Land, während Deutschland meistens ein Land war, das einen Exportüberschuss und einen Nettokapitalexport aufwies, also ein A-Land war.

Die B-Länder mit Importüberschüssen weisen in der Regel ein höheres Zinsniveau aus als die A-Länder mit Exportüberschüssen. Diese Zinsdifferenz schafft damit den Anreiz, Kapital vom Niedrigzinsgebiet in das Hochzinsgebiet zu exportieren. Davon profitieren beide Seiten: Die Kapitalanleger im A-Land können durch den Kapitalexport höhere Renditen erwirtschaften, während die Kapitalnehmer im B-Land durch den Kapitalimport zusätzliche Finanzierungsquellen erschließen können.

Im Friedman-Szenario flexibler Wechselkurse steuert jede Zentralbank den Zins so, dass ein befriedigender Kompromiss zwischen dem Risiko für die Konjunktur und dem Risiko für die Geldwertstabilität gefunden wird. Dabei können die Zentralbanken im Prinzip voneinander unabhängig handeln. Auch wenn im benachbarten Währungsgebiet eine stärker inflatorische Politik getrieben wird, kann die heimische Zentralbank durch eine restriktivere Politik dem Ziel der Geldwertstabilität Vorrang geben. Die Inflation muss nicht importiert werden, weil der Wechselkurs der eigenen Währung steigt, sodass sich in heimischer Währung die Importe nicht verteuern, obwohl sie sich in fremder Währung wegen der dortigen Inflation verteuern.

Überall droht Rezession

Diese Steuerung des Währungsschiffes zwischen der Skylla der Rezession und der Charybdis der Inflation funktioniert nur, wenn die Zentralbank das Zinsniveau sowohl anheben als auch senken kann. Das Normalzinsniveau muss daher positiv sein, sodass es zur Vermeidung von Rezessionen vorübergehend auch noch weiter vermindert werden kann. Diese Nebenbedingung hat man in der „klassischen“ Zeit flexibler Wechselkurse in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren wie selbstverständlich vorausgesetzt.

Im Keynes-Szenario ist vieles anders. Stellen wir uns vor, dass weltweit daran gearbeitet wird, die staatliche Nettoneuverschuldung auf null zu fahren. Wenn nun unter Bedingungen der Prosperität weltweit auch bei einem risikofreien Realzins von null von den privaten Haushalten und den privaten Unternehmen mehr gespart als investiert wird, dann ist diese Weltprosperität nicht stabil. Überall droht Rezession. Jedes Währungsgebiet hofft, dass es die überschüssigen Ersparnisse im Ausland unterbringen kann, dass es also einen Warenexportüberschuss erzielt.

Daher wird die Zentralbank die Zinsen so niedrig wie möglich setzen, um so auch die eigene Währung zu schwächen. Das erleichtert die Exporte und erschwert die Importe. Es ist dann zu erwarten, dass das Zinsniveau in der Nähe von null bleibt. Vor uns zeigt sich dann das Gespenst eines Abwertungswettlaufs. Im Keynes-Szenario verlieren damit die Zentralbanken das Steuerungsinstrument der Zinssetzung. Alle Zentralbanken sind „am Anschlag“ des niedrigstmöglichen Zinses. Der Zins hat damit im Keynes-Szenario keine Steuerungswirkung mehr für die Wechselkurse. Wenn der Zins überall gleich ist, welche Faktoren steuern dann die Wechselkurse?

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