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Eurokrise : Kommt bald die D-Mark zu uns zurück?

  • -Aktualisiert am

Richtig teuer wird es an anderer Stelle. Denn die Deutschen haben - häufig, ohne es zu wissen - große Vermögen im Ausland. Im Vertrauen darauf, dass der Euroraum zusammenhält, haben Versicherungen, Banken und Fonds viel im Euro-Ausland investiert. Wertet eine neue deutsche Währung auf, so verlieren diese Auslandsvermögen enorm an Wert. Roger Bootle hat ausgerechnet, dass eine zwanzigprozentige Aufwertung der neuen Währung dazu führen würde, dass deutsche Vermögen im Ausland 158 Milliarden Euro an Wert verlieren - sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das würde bei deutschen Sparern nicht gut ankommen.

Die Mutter aller Finanzkrisen

Gesamtwirtschaftlich muss man jedoch immer gegenrechnen, was uns der Euro kostet, wenn wir dabeibleiben. Derzeit ist das noch nicht so viel, da die Hilfskredite von den überschuldeten Ländern zurückzuzahlen sind. Nur rechnet kaum noch einer damit, dass dies in voller Höhe geschieht. Noch teurer wird es, wenn größere Länder auch nach Hilfe rufen. Dann werden die Milliarden, für die Deutschland womöglich einstehen muss, immer unvorstellbarer, die deutsche Staatsverschuldung wächst enorm. Und es würde auch für Deutschland immer teurer werden, sich zu verschulden. „Wenn die Zinsen um einen Prozentpunkt steigen, dann muss der deutsche Staat 18 Milliarden Euro mehr ausgeben, um sich zu refinanzieren“, sagt Kai Carstensen vom Ifo-Institut.

Um auszurechnen, dass sich das - zusammengenommen - irgendwann nicht mehr lohnt, muss man kein Mathematikgenie sein. Die Frage Euro oder D-Mark ließe sich ganz rational angehen, die Alternativen in Kosten und Nutzen bemessen - und danach entscheiden, ob sich die Währungsunion für Deutschland lohnt oder nicht. Wäre da nicht das große Aber: Was passiert kurzfristig, wenn Deutschland den Euro verlässt? Alle Szenarien, die dazu kursieren, haben eines gemeinsam: Es wird turbulent.

Da absehbar ist, dass eine neue D-Mark aufwertet und der Euro ohne Deutschland abwertet, käme es bei einer Wiedereinführung der D-Mark wohl zu einem Run auf die Vermögen, die im Euro-Ausland liegen. Griechen, Spanier, Iren würden versuchen, ihr Geld noch schnell nach Deutschland zu bringen. Um das zu verhindern, müsste man dort heftig eingreifen: die Banken schließen, den Kapitalverkehr beschränken, vielleicht sogar die Grenzen dicht machen. Barry Eichengreen spricht deshalb davon, dass ein Ende des Euro „die Mutter aller Finanzkrisen“ wäre.

Alles nur aus politischen Gründen

Ob es tatsächlich so wild kommen muss, ist ungewiss. Viele Währungsunionen der Vergangenheit haben sich aufgelöst, ohne dass die Finanzsysteme der Welt zusammengebrochen sind. Doch die Angst vor den wirtschaftlichen Folgen eines solchen Tumults ist groß - derzeit noch größer als die Angst davor, wie teuer der Euro noch werden könnte.

Dennoch glaubt der amerikanische Wirtschaftshistoriker Michael Bordo, dass es einen Punkt gibt, an dem Deutschland selbst dieses Risiko in Kauf nimmt: „Wenn eins der Kernländer des Euro in Not gerät, zum Beispiel Italien, könnte das die Deutschen dazu verleiten, die europäischen Verträge zu brechen.“

Dazu müssten aber noch politische Differenzen kommen. Denn eines haben Ökonomen aus ihrer - bisher noch recht dünnen - Forschung zu Währungsunionen gelernt, sagt Bordo: „Währungsunionen werden aus politischen Gründen gegründet, sie werden aus politischen Gründen fortgeführt und irgendwann enden sie aus politischen Gründen.“

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