https://www.faz.net/-gqe-6ll4m

Eurokrise : Kommt bald die D-Mark zu uns zurück?

  • -Aktualisiert am

Auch die technischen Hürden sind überwindbar. Wer eine neue Währung einführt, braucht eine Notenbank und Druckereien, die die neuen Geldscheine herstellen und Münzen prägen. „Das geht nicht über Nacht“, sagt Nitsch. „Aber es ist auch kein Ding der Unmöglichkeit.“ Denn in Europa gibt es nationale Notenbanken und Druckereien.

Neu bedruckte Euros als Zwischenlösung

Schwieriger ist, dass auch alle Automaten und Kassen wieder auf D-Mark umgestellt werden müssten. Das kann teuer werden. Der Londoner Ökonom Roger Bootle schätzt die Kosten für die rein technische Umstellung auf maximal 2,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Diesen Betrag hat einst das britische Schatzamt errechnet, als es darum ging, was es Großbritannien kosten würde, das Pfund durch den Euro zu ersetzen. Auf Deutschland übertragen, wären das rund 60 Milliarden Euro – eine üppige Summe, die derzeit sogar noch übersteigen würde, was Deutschland an Unterstützung an Irland und Griechenland zugesagt hat. Allerdings kam die britische Schätzung zu einer Zeit auf, da die Politik vom Euro nicht sonderlich begeistert war, weshalb sie womöglich überzogen ist.

Schnell ginge die Umstellung natürlich nicht. Geldnoten müssten entworfen und gedruckt werden. Das geht in nicht in einer Woche, vielleicht in einem halben Jahr, und auf jeden Fall kaum heimlich. Deshalb braucht es eine Zwischenlösung. Renate Ohr stellt sich das so vor: „Man könnte die Euro-Münzen nehmen, etwas anderes drauf drucken und damit bezahlen, bis es eine eigene Währung gibt. Das geht flott.“

Die wirklich wichtige Frage ist jedoch eine andere – und da wird es kompliziert. Es geht darum, welche wirtschaftlichen Folgen es hätte, den Euro zu verlassen. Das ist schwierig zu kalkulieren.

Der Effekt auf den Export

Viel hängt davon ab, wie sich der Wechselkurs entwickelt. Wahrscheinlich würde eine neue D-Mark erst einmal gehörig aufwerten. Extreme Schätzungen gehen davon aus, dass sie in einer Übertreibung sogar für kurze Zeit bis zu 50 Prozent an Wert gewinnen könnte. Das bliebe nicht ohne Effekt auf den Export. Denn die deutschen Waren und Maschinen würden im Ausland deutlich teurer. Wahrscheinlich gäbe es zumindest kurzfristig einen Exportschock. Dazu kommt, dass die Ausfuhr in die Euro-Länder wohl auch langfristig zurückgehen würde. Die Geschichte lehrt: Die Auflösung einer Währungsunion bedeutet immer einen Rückgang der Handelsbeziehung zwischen den einstigen Währungspartnern.

Die Frage ist, ob das so schlimm ist. Denn erstens muss der deutsche Export nicht dauerhaft sinken. Wenn die Währung stark ist, werden nämlich Rohstoffe, die Deutschland vor allem aus dem Ausland bezieht, günstiger. Dadurch können deutsche Produkte günstiger hergestellt und verkauft werden, was die Aufwertung zumindest teilweise ausgleichen dürfte. Renate Ohr sagt: „Wir haben es früher oft erlebt, dass die D-Mark stark war. Das hat die deutsche Wirtschaft immer ausgehalten.“

Zweitens ist Export keinesfalls das einzige Ziel der Wirtschaft. Für den Konsum hätte eine Aufwertung einen positiven Effekt: Konsumgüter aus dem Ausland würden billiger. Dazu kommt, dass die Zinsen in Deutschland dauerhaft niedrig bleiben oder sogar sinken dürften, weil in ein sicheres Land viel Kapital strömt.

Das Vermögen im Ausland könnte an Wert verlieren

Das macht Investitionen günstiger und auch Kredite für Privatleute, die sich dann mehr leisten könnten: ob ein Häuschen oder einen Flachbild-Fernseher. Auch das kann der Wirtschaft einen Schub geben.

Kurzfristig wäre also ein steigender Wechselkurs schlecht für die Wirtschaft, weil es einen Exportschock geben würde. Langfristig ist das keinesfalls sicher.

Weitere Themen

Warum das Geld nicht glücklich machte

Deutsche Einheit : Warum das Geld nicht glücklich machte

In der alten Bundesrepublik galt das Streben nach Wohlstand als Bollwerk gegen den Nationalismus. Im Osten hat das nur bedingt funktioniert. Die jüngsten Landtagswahlen zeigen: Immer mehr Bürger stellen das Nationale wieder über das Materielle.

Topmeldungen

Altersvorsorge : Rentenpolitik ohne Kompass

Die Koalition lobt die Grundrente als einen „sozialpolitischen Meilenstein“. Die Wahrheit ist: Die Grundrente wird weder das Vertrauen in den Generationenvertrag stärken, noch taugt sie als Konzept gegen Altersarmut.

Newsletter

Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.