https://www.faz.net/-gqe-735dc

Euro-Krisenstaaten : Ökonom Fuest rechnet mit längerer Stagnation

  • Aktualisiert am

Europa im Wandel Bild: AP

Der künftige ZEW-Chef Fuest sieht die Reformbemühungen in Griechenland, Spanien, Portugal und Italien äußerst skeptisch. Einem neuen Gutachten zufolge rechnet er mit „quälend langsamen“ Fortschritten bei dem Versuch, die Staatsfinanzen zu sanieren.

          1 Min.

          Clemens Fuest, zukünftiger Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), rechnet mit einer längeren Phase der wirtschaftlichen Stagnation in den Euro-Krisenstaaten. Beim Versuch, die Staatsfinanzen zu sanieren, werde es „quälend langsame“ Fortschritte geben, schreibt der Regierungsberater und Finanzexperte in einem Gutachten über die Euro-Schuldenkrise, das die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft in Auftrag gegeben hatte.

          Der Grund: Um die Wettbewerbsfähigkeit in den Krisenstaaten Griechenland, Spanien, Portugal und Italien wiederzugewinnen, müssten Preise und Löhne gesenkt werden. Dies führe zu sinkenden Steuereinnahmen und erschwere damit die Sanierung der Staatsfinanzen. „Die Gläubigerstaaten, vor allem Deutschland und Frankreich, werden dennoch alles daran setzen, Austritte aus der Eurozone zu vermeiden“, heißt es in dem Gutachten.

          Nicht auszuschließen sei aber auch das Szenario, dass die Regierungen der Krisenstaaten selbst die Entscheidung fällen, die Eurozone zu verlassen. „Das könnte geschehen, wenn die Bevölkerung in diesen Staaten in Folge der zu erwartenden mehrjährigen Stagnation die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung in der Eurozone verliert.“ Sollte es zu Austritten aus der Eurozone kommen, würde dies voraussichtlich eher Griechenland, Portugal oder Spanien betreffen, da die Chancen für eine wirtschaftliche Erholung dort schlechter stünden als in Italien und Irland.

          Fuest wird im März kommenden Jahres Nachfolger von Wolfgang Franz an der Spitze des ZEW in Mannheim. Derzeit ist er Direktor des Zentrums für Unternehmensbesteuerung in Oxford. Außerdem berät er Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU). Für sein knapp 30-seitiges Gutachten untersuchte er die Entwicklung in Griechenland, Italien, Spanien, Portugal und Irland bis 2017.

          Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) hatte die Analyse nach eigenen Angaben in Auftrag gegeben, um den Unternehmen die Planung ihrer Aktivitäten im Ausland zu erleichtern. Für die Betriebe sei die Lage in den Krisenländern mit einem spürbaren Nachfrageausfall verbunden, sagte Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt bei der Vorstellung am Dienstagabend in München. „Deshalb ist es wichtig, dass die deutsche Wirtschaft weiter intensiv auf Auslandsmärkte außerhalb der Europäischen Union setzt, um sinkende Ausfuhren nach Südeuropa auszugleichen.“
           

          Weitere Themen

          Heikle Preisvorgaben

          Bestpreisklauseln : Heikle Preisvorgaben

          Die EU-Kommission nimmt Klauseln ins Visier, die digitale Plattformen wie Booking.com nutzen. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Marine Le Pen und Viktor Orbán in Budapest

          Le Pen in Ungarn : Bildtermin bei Orbán

          Europas Nationalisten reisen gerne nach Budapest, Marine Le Pen musste es sogar tun. Ob das die französischen Wähler beeindrucken wird?
          Der umstrittene Demokrat: Joseph Manchin im Oktober 2021 in Washington, DC.

          Senator Joseph Manchin : Der letzte Demokrat

          Ein korrupter Verräter? Joseph Manchin stößt auf viel Kritik innerhalb seiner eigenen Partei. Die Republikaner versuchen indes, den Politiker zu einem Seitenwechsel zu motivieren.
          Für manche der Hexer: Tesla-Chef Elon Musk

          Tesla-Aktie : Die Billionen-Dollar-Wette

          Tesla begeistert die Anleger. Eine Aktie kostet jetzt mehr als 1000 Dollar, das Unternehmen wird mit mehr als einer Billion Dollar bewertet. Kann Tesla halten, was es verspricht?
          Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier überreicht Bundeskanzlerin Angela Merkel die Entlassungsurkunde am Dienstag im Schloss Bellevue

          Entlassungsurkunde für Merkel : Am Ende einer Kanzlerschaft

          Der Bundespräsident würdigt die Amtszeit von Angela Merkel als „beispielgebend“. So verabschiedet er die Kanzlerin – und bittet sie, noch ein bisschen weiterzumachen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.