https://www.faz.net/-gqe-6m4vu

Euro-Krise : Langsam wird es brenzlig

Die Staaten als letzte Retter haben ihr Pulver verschossen Bild: dpa

Vor wenigen Wochen noch schwelgte Deutschland im Glück guter Wirtschaftszahlen. Doch plötzlich brechen die Aktienkurse ein und erste Ökonomen warnen vor der nächsten Rezession. Kommt jetzt der tiefe Fall?

          4 Min.

          Am Donnerstagabend erfasst den Frankfurter Fondsmanager die nackte Panik. Es sind nicht die mauen Konjunkturdaten aus aller Welt, die den alten Hasen erstarren lassen, es ist die kleine Meldung, Finnland habe sich für die Teilnahme am europäischen Rettungsfonds ein Pfand von Griechenland ausbedungen: Geld. Weil dieses nur aus dem Rettungsfonds fließen kann, hat sich das Land de facto aus der europäischen Seilschaft verabschiedet.

          Winand von Petersdorff-Campen

          Wirtschaftskorrespondent in Washington.

          Könnte es sein, dass jetzt das ganze Rettungspaket wieder aufgeschnürt werden müsste? Droht die Gefahr, dass Finnland Nachahmer animiert? Und würden die verbliebenen Zahlerländer wie Deutschland und Frankreich nicht langsam selbst an die Grenze ihrer Kraft geraten? Der Finanzprofi ging mit düsteren Gedanken ins Bett. Am Freitag dann kleine Seufzer der Erleichterung. Die Europäische Zentralbank kauft wieder Staatsanleihen, die Märkte beruhigen sich etwas.

          Doch für wie lange? Die Infusionen bringen Linderung, allerdings keine Heilung. Und jede kleine miese Nachricht hat inzwischen das Potential, die Börsen zu erschüttern. Angst regiert von New York bis Frankfurt, jegliche Gelassenheit ist verflogen. Die Kursen der Aktien und Anleihen hüpfen fast so nervös auf und nieder wie nach dem Attentat auf das New Yorker World Trade Center vor zehn Jahren. „Diese dramatische Volatilität ist ein Zeichen für extreme Unsicherheit“, sagt der britische Stanford-Professor Nicholas Bloom. Ein anderer Indikator ist die Häufigkeit des Wortes „Unsicherheit“ in Presseberichten: Die ist so hoch wie lange nicht, so Bloom.

          Die Unsicherheit hat spürbare Folgen: Bloom hat 16 sogenannte Unsicherheits-Schocks an den Kapitalmärkten untersucht von der Kuba-Krise über die Ermordung John F. Kennedys bis zu den Golfkriegen, der Finanzkrise und jetzt dem Staatsschulden-Drama. „Eines lässt sich mit Sicherheit sagen, die Schocks führen zu schweren kurzfristigen Rezessionen.“ Während die Kapitalmärkte ihr Tief gewöhnlich sechs bis acht Wochen nach dem Schock erreichen, erholen sich die Volkswirtschaften nach neun bis zwölf Monaten.

          Der Zusammenhang zwischen Verunsicherung und Rezession ist nahezu trivial: Verunsicherte Menschen sind paralysiert. Sie kaufen erst mal kein neues Auto, keinen Fernseher und keine Schrankwand. Unternehmen, die unsicher über ihre Aussichten sind, stellen Einstellungen zurück und legen sich keine neuen Maschinen zu. Aufträge kann man schnell stornieren, das ist die Erfahrung aus der Finanzkrise, als sich die Bestellungen in der deutschen Industrie im November 2008 fast halbierten.

          Vollbeschäftigung am Horizont

          Bloom sagt vor diesem Hintergrund für die letzten Monate dieses Jahres einen Einbruch von einem Prozent voraus, sowohl für Europa als auch für die Vereinigten Staaten. Deutschland, so der Ökonom, könne sogar noch stärker betroffen sein, weil die Volkswirtschaft vom Export hochwertiger Wirtschaftsgüter lebt.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.