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Euro-Krise : Jungunternehmer für Umschuldung der Krisenstaaten

Ostermann ist Präsidentin des BJU und Geschäftsführerin des Familienunternehmens Rullko Bild:

Der Verband „Die Jungen Unternehmer - BJU“ verlangt die Rückkehr zu Marktprinzipien. Zudem mahnt er die Generationengerechtigkeit an. In Bezug auf die Euro-Krise könnten solide Staaten nicht zur Unterstützung unsolider gezwungen werden.

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          Die deutschen Jungunternehmer verlangen eine zügige Umschuldung der europäischen Peripheriestaaten. Die Gläubiger Irlands und Griechenlands sollten auf 30 bis 50 Prozent ihrer Forderungen verzichten und für den Rest der Schuld besicherte Anleihen erhalten, forderte Marie-Christine Ostermann, die Vorsitzende des Verbands „Die Jungen Unternehmer - BJU“, im Gespräch mit dieser Zeitung während des jährlichen Verbandstreffens in Frankfurt. „Die Antwort auf die Euro-Krise ist Eigenverantwortung; der Markt diszipliniert Regierungen am besten“, sagte sie. Die Beziehung zwischen Rendite und Risiko dürfe nicht aufgehoben werden.

          Philipp Krohn
          Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

          Auch Mitgliedsunternehmen, die von einem solchen „Haircut“ betroffen wären, weil sie Mittel der betrieblichen Altersvorsorge in Anleihen aus diesen Staaten investiert haben, müssten die Konsequenzen tragen. „Man muss für seine Entscheidungen geradestehen und darf nicht erwarten, herausgepaukt zu werden“, verlangte Ostermann. Die Angst, dass Investitionen auch schiefgehen könnten, sei eine wesentliche Voraussetzung dafür, dass Märkte funktionierten. Für Deutschland sei es besser, die Risiken auf mögliche weitere Bankenstützungen zu begrenzen, als für ganze Staaten zu bürgen. „Wenn man solide Staaten dazu zwingt, für die unsoliden geradezustehen, wird das die soliden auf Dauer überfordern.“

          Kein Geld übrig für Bildung und Infrastruktur

          Angesichts einer Staatsverschuldung von inzwischen 2 Billionen Euro zeigte sich die Unternehmerin, die in vierter Generation das Familienunternehmen Rullko im westfälischen Hamm mit 150 Mitarbeitern führt, äußerst beunruhigt. „Das scheint hingenommen zu werden, weil sich niemand mehr diese Summen vorstellen kann. Und dabei ist die implizite Schuldenlast noch viel höher“, warnte sie. Die zunehmende Staatsverschuldung drohe die Inflation und dadurch auch die Zinslast in die Höhe zu treiben. So blieben immer weniger Mittel übrig, um sie in die Infrastruktur und das Bildungswesen zu investieren.

          Zwar seien die Schuldenbremsen im Bund und in den Bundesländern ein sinnvoller Ansatz, um die jüngere Generation zu entlasten. Ostermann befürchtet aber, dass sie durch Ausnahmen umgangen werden könnten. Um solider zu wirtschaften, forderte sie die Landesregierungen auf, für größere Investitionsprojekte immer Kosten-Nutzen-Analysen vorzulegen, um nachträglich auf konkrete Ziele verpflichtet werden zu können. Zudem sollte sich der Zins, den die Länder für ihre Schuldtitel zahlen müssen, nach einem Bonitätsranking unabhängiger Agenturen richten.

          „Es gibt keinen besseren Sanktionsmechanismus als den Markt“, sagte Ostermann, die ihre Studienzeit im Schweizer St. Gallen verbracht hat. Dort habe sie auch erlebt, dass ein gesunder Steuerwettbewerb unter den Regionen sehr anregend sein könne. „Ich verstehe nicht, warum die Kommunen die Gewerbesteuer nicht aufgeben können und nicht auf ein eigenes Hebesatzrecht für Einkommen- und Körperschaftsteuern setzen.“ Zudem bemängelte sie, dass durch die Einbeziehung von Mieten, Zinsen und Pachten in die steuerliche Bemessungsgrundlage die Substanz der Unternehmen aufgezehrt werde.

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