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Euro-Krise : Ackermann warnt vor Insolvenz Griechenlands

  • Aktualisiert am

In Sorge um Griechenland: Josef Ackermann auf der Münchner Sicherheitskonferenz Bild: dapd

Auf der Münchner Sicherheitskonferenz hat der scheidende Vorsitzende der Deutschen Bank, Ackermann, vor einem Auseinanderbrechen der Euro-Zone gewarnt. Noch in der Nacht zum Sonntag wollte er nach Athen fliegen.

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          Der scheidende Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat am Samstag eindringlich vor einem Auseinanderbrechen der Eurozone bei einer Pleite Griechenlands gewarnt. Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz sagte er, er werde noch in der Nacht nach Athen fliegen.

          Zuvor hatte der griechische Finanzminister Evangelos Venizelos gesagt, das Schicksal Griechenlands stehe auf Messers Schneide. Der italienische Ministerpräsident Mario Monti warnte bei einer Staatspleite Griechenlands indes vor Kollateralschäden und einer Ansteckungsgefahr. Ackermann, der als Chef des internationalen Bankenverbands (IIF) die privaten Gläubiger bei den Verhandlungen mit der griechischen Regierung vertritt, sagte, das Schicksal Europas stehe auf dem Spiel und Griechenland habe dabei eine sehr wichtige Rolle inne.

          Das Problem Griechenland müsse gelöst werden, denn wenn das Land pleitegehe, öffne man „eine neue Büchse der Pandora“, sagte Ackermann. Monti rief indes zu mehr Zusammenhalt bei der Bekämpfung der Schuldenkrise in Europa auf. „Was wir ganz sicher nicht brauchen in Europa ist, dass Geister der Vergangenheit wieder geweckt werden“, sagte er. Es müsse nicht nur eine Lösung für die Krise in der Eurozone gefunden werden, sondern diese müsse auch harmonisch ausfallen. Die Schuldenkrise bringe alte Missverständnisse und Vorurteile zurück - „der Norden, der Süden, die großen, die kleinen Länder“. Das sei extrem gefährlich, langfristig gesehen sogar gefährlicher als die Krise an sich, sagte Monti. Er äußerte aber auch Zuversicht, dass eine Lösung der Schuldenkrise kurz bevorstehe. „Wir haben das fast geschafft“, sagte er.

          Venizelos will Einigung bis zum Sonntag

          Venizelos, der in den vergangenen Tagen wiederholt gesagt hatte, die Verhandlungen über einen Schuldenschnitt bis Ende der Woche zum Abschluss bringen zu wollen, sagte, das Schicksal seines Landes auf Messers Schneide. Bis zum späten Sonntagabend müsse eine Einigung erzielt werden, sagte er am Samstag. Ein Durchbruch bei den Verhandlungen sei bislang von den Schuldeninspektoren verhindert worden. Diese verlangten weitere Arbeitsmarktreformen, die die Sozialpartner in Griechenland aber vehement ablehnen. „Der Prozess muss morgen Abend abgeschlossen sein - alle Themen, alle Zusagen“, sagte Venizelos. „Wir sind an einem Punkt, an dem wir Entscheidungen treffen und uns dazu verpflichten müssen.“

          Zwei wichtige Punkte seien noch offen: Arbeitsmarkt und Bezahlung im Privatsektor sowie steuerliche Maßnahmen, um 2012 absolut im Zielrahmen zu bleiben. „Wir stehen auf Messers Schneide“, erklärte Venizelos. Der Grat zwischen einem erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen und einer Sackgasse, möglicherweise aufgrund eines Missverständnisses, sei sehr schmal.

          Bereits am Freitag hatte Venizelos zwölf Stunden lang mit Vertretern von EU, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) beraten. Weitere Gespräche mit der aus bestehenden Troika folgten am Samstag. Zudem hatte er eine zweistündige Telefonkonferenz mit den Euro-Finanzministern. „Die Eurogruppe-Konferenz war sehr schwierig. Es gibt große Sorge und großen Druck (von der Troika) wie auch von einzelnen Mitgliedsstaaten der Eurozone, die alle ihre eigenen Prioritäten haben“, sagte Venizelos, ohne Namen zu nennen. Der Finanzminister traf außerdem mit seinen Kollegen aus den Ressorts Gesundheit, Arbeit, Verteidigung, Inneres und öffentlicher Dienst zusammen, um über die geforderten Gehaltskürzungen im Privatsektor und einen schnelleren Personalabbau einschließlich Kündigungen im öffentlichen Dienst zu beraten.

          Erwartungen, dass das Rettungspaket im Volumen von 130 Milliarden Euro am Montag unter Dach und Fach gebracht werden könnte, hatten sich am Freitagabend zunächst wieder zerschlagen. Gestritten wird nach wie vor über den Beitrag von privaten Banken und Fonds, über die griechischen Spar- und Reformmaßnahmen sowie über den Anteil der öffentlichen Geldgeber. Ein Treffen der Vorsitzenden der drei Parteien der Übergangsregierung von Ministerpräsident Lukas Papademos wurde unterdessen auf Sonntag verschoben. Sie sollen über weitere Sparmaßnahmen entscheiden. Der stellvertretende Vorsitzende der größten Gewerkschaft GSEE, Stathis Anestis, bezeichnete die von der Regierung erwogenen Maßnahmen als „Rezept für eine Katastrophe“, die Griechenland noch tiefer in eine Rezession reißen würden. Am Samstagmorgen demonstrierten etwa 100 Gewerkschafter vor dem Amtssitz des Ministerpräsidenten.

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