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Konjunkturprognose : EU macht Schulden in Rekordhöhe

Die Wirtschaft in der EU könnte sich nach der Corona-Krise schneller erholen als bisher erwartet. Bild: dpa

Wegen des Impffortschritts und der staatlichen Ausgabenprogramme sieht die EU-Kommission einen deutlich robusteren Aufschwung als zuletzt. Doch das hat seinen Preis: Die Schulden steigen auf über 100 Prozent der Wirtschaftsleistung.

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          „Zum ersten Mal seit Ausbruch der Pandemie sehe ich die Konjunkturaussichten wieder optimistisch.“ So hat EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Paolo Gentiloni am Mittwoch die jüngste Konjunkturprognose seiner Behörde kommentiert. Seit Jahresbeginn 2020 sei jede Prognose etwas pessimistischer gewesen als die Vorgängerin. Jetzt hat die EU-Kommission die Wachstumsaussichten für dieses und das kommende Jahr im Vergleich zum Februar nach oben revidiert.

          Werner Mussler
          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          In diesem Jahr wird die Wirtschaft des Euroraums demnach um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr wachsen, im Jahr 2022 um 4,4 Prozent. Für die gesamte EU erwartet die Kommission Wachstumsraten von 4,2 (2021) und 4,4 (2022) Prozent. Für dieses Jahr hat die Behörde ihre Prognose damit um einen halben Prozentpunkt gegenüber Februar angehoben. Im Covid-Jahr 2020 war die Wirtschaftsleistung in der Gesamt-EU um 6,1 und in der Eurozone um 6,6 Prozent eingebrochen.

          Unter den drei großen Staaten, deren Wirtschaft im vergangenen Jahr besonders stark (zwischen 8 und 11 Prozent) geschrumpft war, werden sich nach Kommissionserwartung vor allem Spanien und Frankreich (mit Wachstumsraten von knapp 6 Prozent) deutlich berappeln. In Spanien soll sich das Wachstum 2022 auf 6,8 Prozent beschleunigen, in Frankreich auf den EU-Durchschnitt abschwächen. In Italien fällt der Aufschwung mit Raten von jeweils gut 4 Prozent schwächer aus. Deutschland, dessen Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr „nur“ um knapp 5 Prozent sank, wird in den kommenden beiden Jahren jeweils unterdurchschnittlich wachsen.

          Als Gründe für die besseren Konjunkturaussichten nannte Gentiloni den deutlich schnelleren Impffortschrit, den globalen Aufschwung, aber auch die Wachstumsimpulse, die die EU selbst mit ihrem Aufbauplan setze. Erste Mittel aus diesem Programm, das aus eigenen EU-Schulden finanziert wird, sollen in der zweiten Jahreshälfte fließen. Auch die Pandemieprogramme der Mitgliedstaaten wirkten stabilisierend, sagte der italienische Kommissar.

          Letztere haben freilich zur Folge, dass die Staatsschulden in diesem Jahr neue Rekordhöhen erreichen werden. Erstmals seit Gründung der Währungsunion wird die Schuldenquote im Durchschnitt des Euroraums über die Marke von 100 Prozent des Bruttoinlandsprodukts klettern, erheblich mehr als die im Maastrichter Vertrag vorgesehene Obergrenze von 60 Prozent. Für dieses Jahr erwartet die Kommission 102,4 Prozent, für das kommende 100,8 Prozent. Über der Marke von 100 Prozent liegen sieben Staaten, angeführt von Griechenland mit 208,8 Prozent in diesem Jahr. Es folgen Italien mit rund 160 Prozent, Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien und Zypern.

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